Therapiehunde: Mit dem Hund im Gespräch
BORGHORST "Hepp" ruft Jan und klopft sich an die Brust. Hund Paula, ein Australian Shepherd, schaut ihn erwartungsvoll an und bellt. Paula ist ein Therapiebegleithund und soll Kindern bei emotionalen Problemen oder sozialen Ängsten helfen.
Die kleine Havanesin Nanu soll einen Würfel rollen. (Foto. Rainer Nix)
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Eigentlich sollte die Hündin jetzt an dem Jungen hochspringen und ihre Pfoten auf seine Brust legen. Doch Jan hat den Befehl dazu nicht eindeutig genug gegeben. "Hepp" ruft er noch einmal lauter, das Gesicht dem Tier zugewandt. Diesmal hat Paula verstanden und sich ihr "Leckerli" verdient, das als Belohnung auf sie wartet.
Akademie
Vor kurzem war die Lehrerin mit der Hundegruppe zu Gast bei der "Akademie für tiergestützte Therapie (SATTT), Kolpingstraße 1a in Borghorst. Dort betreibt Denise Siemons-Lühring ihre Logopädiepraxis und gemeinsam mit Annika Rugen die Akademie. "Ein Therapiebegleithund eignet sich sehr gut, um eine vertrauensvolle und freundschaftliche Beziehung zum Kind aufzubauen, dabei aber gleichzeitig auch die eigene professionelle Distanz zu bewahren", sagt Denise Siemons-Lühring.
Viele Kinder leiden unter emotionalen Probleme, sie haben soziale Ängste und oftmals bereits in jungen Jahren Beziehungsbrüche erlebt: Zum Beispiel, wenn die Eltern sich scheiden ließen. Manchmal können die Kinder nicht einmal mehr die Nähe anderer Menschen ertragen. Hunde in die Therapie solcher Störungen einzubeziehen, hat erfahrungsgemäß einen hilfreichen Effekt. "Christina zum Beispiel", beschreibt Claudia Bock, "ist in der Schule ein scheues, zurückhaltendes Kind."
Das Mädchen liebt Tiere über alles. Wenn sie in die Arbeit mit Shepherd Paula einbezogen wird, ändert sich das Verhalten schlagartig
Kommunikation
Plötzlich ist sie in der Lage, dem Hund klar, deutlich und konsequent Befehle zu geben. Die Worte "Sitz" oder "Platz" kommen ohne Zögern in angemessener Lautstärke aus ihrem Mund. Das Tier reagiert prompt. Wenn sie das Tier mit einem Leckerli belohnt, hat Christina anschließend das Gefühl, wahr- und ernst genommen zu werden. "Ein Hund ist ehrlich in seiner Kommunikation", erklärt Siemons-Lühring. "Er will immer der Freund des Menschen sein."
Das spüren besonders die Kinder. Erwachsene haben Kinder oft schon in frühen Entwicklungsphasen enttäuscht. Zu Hunden fassen sie in der Regel jedoch schnell Vertrauen. Ob die Tiere auf Befehl eine kleine Holzfigur zum Kind bringen, eine Rolle auf dem Boden machen oder einen Hindernisparcours meistern, ist dabei nicht das Entscheidende. Was zählt, ist das vertrauensvolle Miteinander von Kind und Hund.
Konflikt
Auch in Konfliktsituationen eignet sich das Tier gut als "Gesprächspartner". Ganz egal, was passiert ist, ein Hund wird niemals schimpfen und tadeln. Die Kinder können ihn streicheln, mit ihm kuscheln und ihm Geheimnisse anvertrauen - er verpetzt sie nie.
"Wird der Hund in eine therapeutische Sitzung einbezogen, entsteht ein Beziehungsdreieck zwischen Therapeut, Kind und Tier", erklärt die staatlich geprüfte Logopädin.
DIE AUSBILDERIN
- Denise Siemons-Lühring bildet Therapiebegleithunde aus - und auch die Pädagogen und Therapeuten, die sie einsetzen.
- Sie hat sich eingehend mit dem Thema befasst. Aus ihrer Feder stammt ein Bericht über die Pilotstudie "Einfluss von Therapiebegleithunden auf Lernkompetenz von Kindern in der Sprachübungstherapie". Er ist über die Homepage der Akademie abrufbar. Bei der Ausbildung von Mensch und Hund "fehlen leider noch einige gesetzliche Grundlagen", bedauert die Therapeutin.
- Hunde müssen natürlich erst einmal auf ihre Eignung geprüft werden. Alle Therapeuten, Pädagogen, sämtliche Sonder- und Sozialpädagogen, Lehrer Erzieher, Kindergärtnerinnen sowie Angehörige ähnlicher Berufsgruppen können eine berufsbegleitende Ausbildung an der Akademie für Tier gestützte Therapie absolvieren















