Claus Muchow: Steinfurter hilft Flutopfern in Pakistan
STEINFURT/PAKISTAN DRK-Helfer Claus Muchow hat bei seinen Auslandseinsätzen schon viel Elend gesehen. „Aber das hier, das kann man am Telefon gar nicht erklären.“ Der Steinfurter ist derzeit in Pakistan und baut dort Trinkwasser-Aufbereitungsanlagen auf. Das Land kämpft mit der schlimmsten Flutkatastrophe seiner Geschichte.
Endlich Trinkwasser: Rotkreuz-Helfer Claus Muchow aus Steinfurt und sein Team sorgt dafür, dass die von der Flutkatastrophe in Pakistan Betroffenen mit sauberem Wasser versorgt werden. (Foto: prf)
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Das funktionierte eine Woche nahezu reibungslos – doch dann häuften sich Anschläge. „Wir mussten in Rajanpur aufhören, weil die Sicherheitslage für Ausländer nicht mehr stabil war.“ Näher beschreiben möchte Muchow die Situation nicht, sagt aber: „Das hatte weniger mit unserer Hilfe zu tun, sondern vielmehr mit der politischen Großwetterlage. Die Anschläge radikaler islamischer Gruppen richten sich in erster Linie gegen offizielle Regierungsinstitutionen. Nicht gegen uns. Wir sind in unserer Arbeit nicht behindert worden.“
Mit Polizeischutz vom Hotel zu den Einsatzorten
Dafür sorgt nicht nur die UN, sondern auch die pakistanische Regierung. „Sie setzt alles daran, dass den Helfern ja nichts passiert.“ So wurde Muchow und seinem Team Polizeischutz vom Hotel zu den Einsatzorten verordnet. „Ohne ging für uns in Rajanpur gar nichts. Und wir können uns dem ja auch nicht widersetzen. Wenn eine Ausgangssperre verhängt wird, dann ist das eben so.“
Claus Muchow und seine Mitstreiter packten daraufhin ihre Sachen und sind jetzt in Thatta an der Indus-Mündung. Thatta liegt rund 100 Kilometer östlich von Karatschi in der Provinz Sindh. „Hier ist die Situation noch dramatischer. An die 40.000 Flüchtlinge aus dem Umland suchten in der Stadt Zuflucht. Jede freie Fläche ist mit Menschen und Zelten belegt.“ Wo noch ein wenig Platz ist, steht das Vieh. Die sanitäre Versorgung ist katastrophal. „Staub und Dreck sind noch harmlos. Viel schlimmer ist, dass alles voll ist von Fäkalien von Menschen und Tieren. Das ist schon eine armselige Situation, in der die Flüchtlinge hier hausen. Das sieht verheerend aus“, beschreibt Muchow.
22.000 Liter Trinkwasser täglich
Nach ersten Gesprächen mit den Verantwortlichen entschieden sich die DRK-Helfer, ihre Anlagen in einem Gefängnis-Neubau mit dem Namen „Jail-City“ aufzubauen. Muchow: „Das ist ein noch nicht fertiggestelltes Staatsgefängnis. Dort sind an die 7000 Flüchtlinge untergekommen.“ Für sie installierte das DRK-Team die Versorgung mit Trinkwasser und sanitären Anlagen.
Für die Wasseraufbereitungsanlage ziehen Muchow und seine Helfer Wasser aus einem fünf Kilometer entfernten Bewässerungskanal. „Das Land ist durchzogen von solchen Kanälen.“ Rotkreuz-Helfer pumpen das verunreinigte Wasser aus den bisher landwirtschaftlich genutzten Seitenkanälen des Indus und bereiten es auf – bis zu 22.000 Liter sauberen Trinkwassers täglich.
Am islamischen Feiertag ist Improvisation gefragt
Das Wasser wird mit Wagen zum Gefängnisbau transportiert. Die Rotkreuz-Helfer werden dabei von Einheimischen unterstützt. Das klappt bislang gut, erhält allerdings am Freitag einen Dämpfer. „Dann ist hier ein hoher islamischer Feiertag und alle lokalen Helfer besuchen an diesem Tag ihre Familien. Auf diese Situation müssen wir reagieren.“
Doch wer Claus Muchow kennt, der weiß, dass ihm das gelingen wird. Denn seine humanitäre Hilfe macht auch an Feiertagen keine Pause.















