Medienhaus Lensing
10.03.2010 13:47 Uhr
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Missbrauchsskandal: Thomas N. fürchtete sich vor dem belgischen Ordensmann auf Schloss Loburg

STEINFURT / OSTBEVERN Die Meldungen über weitere Missbrauchsfälle in katholischen Einrichtungen reißen nicht ab. Jetzt hat sich ein Opfer aus Steinfurt bei unserer Redaktion gemeldet, das ebenfalls in den 60er-Jahren im Internat Schloss Loburg in Ostbevern untergebracht - und dort auch sexuellen Übergriffen ausgesetzt war.Von Christiane Hildebrand-Stubbe

Seinen richtigen Namen will er nicht preisgeben  - aus gutem Grund. Der 58-jährige Steinfurter ist ein weiterer ehemaliger Schüler, der aus eigenem Erleben von Misbrauch am ehrwürdigen Internat Schloss Loburg in Ostbevern berichten kann. Erlebnisse, die in die Anfänge der 1960-er Jahre zurückreichen.

Thomas N. (Name der Redaktion bekannt) war zehn Jahre alt,  hatte gerade die erste Klasse (Sexta) des Gymnasiums hinter sich, als ein Ordensmann aus Belgien ein Praktikum  auf der Loburg absolvierte. An den genauen Namen kann er sich nicht mehr erinnern. "Igor oder Ivor ist mir haften geblieben,  bei uns hieß er einfach nur der Assi". 

Gefühlsverwirrung zwischen Irritation und Neugierde

Daran aber hat er ganz genaue Erinnerungen:  "Unter uns Jungs machte schnell die Runde, dass sich der ,Assi' bei der abendlichen Sauberkeitskontrolle mehr als nur die Hände zeigen ließ."  Nachrichten, auf die Thomas N. erst mal mit einer altersgemäßen Gefühlsverwirrung reagiert habe - zwischen Irritation und Neugierde.

Schließlich wurde für ihn aus den Gerüchten Realität, als eines Abends besagter "Assi" die Sauberkeitskontrolle ausdehnte und auch bei ihm sexuelle Handlungen vornahm.  Erzählt hat er keinem davon: "Niemand  hat etwas gemerkt, nur eine Krankenschwester hat mich angesprochen, dass ich so depressiv sei."  Dass Thomas Leistungen plötzlich rapide abfielen, hat keinen an der Schule zu Nachforschungen veranlasst.

Mäntelchen des Schweigens und Vergessenes

Thomas N. musste das Internat verlassen, kehrte in seine Heimatstadt zurück und legte über seine Erinnerungen das Mäntelchen des Schweigens und Vergessenes. Über Jahrzehnte führte er ein bürgerliches Leben  - mit Beruf und Familie. "Ein Leben als Macho", sagt er heute. Erst, als jetzt die Missbrauchsfälle von damals plötzlich eine breite Öffentlichkeit bekamen, kam für ihn die Erinnerung zurück. 

Und eine totale emotionale Verwirrung auch. Vor allem deswegen, weil er sich immer wieder fragt, ob er tatsächlich Opfer gewesen ist: "Gefühlt habe ich mich damals nicht so." Das kann er sich nur so erklären: "Da war einmal das strenge erzkatholische Elternhaus und auch insgesamt war das damals einfach eine andere Zeit." Dass etwas Schlimmes mit ihm passiert sei, habe er jedenfalls nicht reflektiert.

Brief an den Bischof von Trier

Gebeichtet habe er den Vorfall auch nicht: "Ich hatte ja nichts getan." Dennoch hat sich Thomas N. entschlossen, sein Schweigen zu brechen und hat dem Bischof von Trier, Stephan Ackermann, seine Geschichte geschrieben. "Sofort, als Ackermann vor mehr als einer Woche als offizieller Misbrauchsbeauftragter der Katholischen Kirche eingesetzt wurde, habe ich meine Gedanken zu Papier gebracht."

Jetzt wartet er auf Antwort, hat bislang nicht mal eine Empfangsbestätigung bekommen. "Wenn man mir nur mitteilen würde, dass man der Sache nachgeht, hätte ich meinen Seelenfrieden", sagt er.


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