Duell "Profi" gegen MZ-Redakteur: Besuch bei Kegel-König Uwe Veltrup
LAER Zehn Jahre Erfahrung im Kegelklub gesammelt. Das muss reichen, um Uwe Veltrup herauszufordern. Der ehemalige Bundesliga-Spieler stellt sich dem Duell mit dem MZ-Redakteur, und gibt nebenbei überraschende Einblicke in die Welt des Kegelsports.
Trockenübung: Der ehemalige Bundesliga-Kegler Uwe Veltrup (l.) markiert für den MZ-Redakteur den richtigen Auflagepunkt der Kugel. (Foto: pd)
Die Kugeln rollen, hauen wie üblich fünf, sechs, maximal sieben Kegel um. Immerhin. In meiner Welt ist das okay. In Veltrups Welt nicht. Er hat genug gesehen. Zu viele Fehler, zu wenig Ertrag. Die Kugeln mit ordentlich Schmackes auf die Reise zu schicken und beste Wünsche hinterher zu senden, das bringe es nicht, erklärt der Spitzenkegler des KSC Laer. „Alle Neune“ zu schaffen sei kein Zufall. Veltrup, der früher Trainer war, verrät die Erfolgsgeheimnisse (siehe unten).
Allmählich dämmert mir: Mit planlosem, grobschlächtigem Kugelschmeißen hat das hier nichts zu tun. „Kegeln ist ein Präzisionssport“, betont Veltrup.
Fortschritte
Mit neuem Wissen ausgestattet, greife ich wieder an. Das kritische Auge des Meisters ist hellwach. „Du stehst falsch“, „der Anlauf war nicht flüssig“, „konzentriere dich mehr“ – dem 47-Jährigen entgeht nichts. Fortschritte stellen sich ein. „Du bist talentiert“, lobt Veltrup seinen Schüler. „Man sieht, dass du regelmäßig Sport treibst und eine gute Koordinationsfähigkeit hast. Du könntest wahrscheinlich auch gut tanzen.“ Teil eins stimmt, Teil zwei nicht.
Plötzlich behauptet Veltrup: „Ich wette, du schaffst innerhalb der nächsten zehn Würfe alle Neune.“ Tatsächlich: Kurz darauf liegen sämtliche Kegel am Boden. In meinem Klub wäre ich jetzt gefeierter Held. Uwe Veltrup hingegen stellt lapidar fest: „Hab ich doch gesagt.“
Okay, ich bin im Kegel-Olymp angekommen. Und fühle mich gewappnet, es mit dem Profi aufzunehmen. Das Duell kann beginnen. Veltrup scheint sich seiner Sache sicher zu sein: „Wenn du gewinnst“, verspricht er, „spendiere ich dir ein Weizenbier. Alkoholfrei.“ Dann bestell schon mal.
Demonstration
Normalerweise muss ein Kegelsportler beim Wettkampf stolze 120 Wurf in Serie absolvieren. 60 in die Vollen, 60 im Spielmodus Abräumen. „Kegeln ist ein Ausdauersport“, sagt Veltrup, „wer nicht fit ist, der baut bei den letzten 30 Würfen ab.“ Wir einigen uns – rein aus Zeitgründen – auf ein Viertel: 15 Mal in die Vollen, 15 Mal Abräumen. Uwe Veltrup legt vor. Er beginnt mit einer 7, dann noch eine 7, dann eine 6. Er murmelt: „schlecht“. Ansichtssache. Schluss mit lustig, die Demonstration beginnt, vier Mal nacheinander purzeln „Alle Neune“. Ich schreite ein, versuche Veltrup mit Smalltalk abzulenken. Könnte er noch in der Bundesliga mithalten, so wie früher für TG Münster? Knappe Antwort: „Ja“.
Hier, auf den Bahnen seines Elternhauses, begann einst seine Karriere. Die trug ihn später hinaus in die große Kegelsport-Welt. Mitte 2010 kehrte Veltrup zu seinem Heimatverein zurück und ist seither die unangefochtene Nummer eins des KSC 67 Laer. 2011 führte er den Bezirksligisten (5. Liga) zum Titel, auf den Aufstieg verzichtete das Team allerdings freiwillig. Nebenbei versuchen Veltrup und Co. die Nachwuchsarbeit zu forcieren: „Freitags von 17.30 bis 19.30 Uhr ist jedermann – und auch jede Frau – auf den Bahnen im Haus Veltrup willkommen.“ Während der 47-Jährige aus seiner Vita erzählt, haut er nebenbei reihenweise „Achter“ und „Neuner“ raus. Ich sehe mein Weizenbier davonschwimmen.
Dann bin ich an der Reihe. Es passiert das Unglaubliche, ein Super-Start: 7, 8 und 9. „Im Schnitt eine 8“, rechnet Veltrup vor, „besser als meine ersten drei Wurf.“ Stimmt, im Quervergleich führe ich. Was denkt ein eingefleischter Ballsportler in so einem Moment? Schiri, pfeif ab! Aber hier gibt’s keinen Schiri. Und die Bälle heißen Kugeln. Und die wollen nicht immer so, wie ich will. Manchmal kullern sie sogar durch die Pumpengasse. Veltrup ist das seit Urzeiten nicht mehr passiert.
Glorreich
Der Endstand spricht eine klare Sprache. Profi Uwe Veltrup 221 Holz. Auf dem Boden der Tatsachen aufgeknallter Amateur-Gast 151 Holz. Da helfen auch meine glorreichen fünf „Neuner“ (das dürften mehr sein, als mein gesamter Kegelklub in zehn Jahren geschafft hat) nichts. Allerdings hatte ich es ja auch mit dem Kegel-König zu tun. „Hochgerechnet auf 120 Wurf“, stellt Veltrup zufrieden fest, „hätte ich mit 884 Holz einen neuen Bahnrekord aufgestellt. Der liegt aktuell bei 843.“ Man wächst halt mit den Aufgaben.
Als freundlicher Gastgeber vermittelt Uwe Veltrup mir das Gefühl, ein würdiger Gegner gewesen zu sein. „Zu Beginn unseres Duells hast du ja geführt“, sagt er, „aber dann haben deine Nerven versagt.“ Genau! So isses! Hätten mir meine Nerven keinen Streich gespielt, dann stünde jetzt ein Weizenbier vor mir. Alkoholfrei. Man muss nur fest dran glauben. Mit dieser schönen Erkenntnis schleiche ich von dannen.
So wirft man "Alle Neune"
Wer mit Methode „Alle Neune“ schaffen will, muss einige Dinge beachten, erklärt Uwe Veltrup. Zunächst verweist er auf die Eigenheiten der etwa 20 Meter langen, zu den Kegeln hinführenden Bahn. Was erst bei genauer Betrachtung auffällt: „Die Bahn besteht aus fünf schmalen Brettern“, so Veltrup. Das mittlere Brett liegt minimal tiefer als die äußeren. Das ist die sogenannte Kehlung. Sie spielt eine zentrale Rolle. Ansonsten lautet die Zauberformel: Der Bewegungsablauf muss geradeaus erfolgen. Das gilt für den Anlauf und für die Ausholbewegung beim Abwurf. Denn die Kugel soll keinen Effet erhalten. Zu guter Letzt ist der richtige Auflagepunkt entscheidend. Nicht mittig, sondern eher außen soll der Kegler die Kugel auf die Bahn werfen. Den Rest erledigt die Kehlung. Durch sie wandert die Kugel von links nach rechts (bzw. von rechts nach links) über die Bahn und erwischt den vordersten Kegel im idealen Winkel. Ach ja: Die richtige Kugel-Geschwindigkeit – 35 bis 41 km/h – kann auch nicht schaden. Um diese Geschwindigkeit zu erreichen, ist jedoch weniger Kraft als vielmehr die richtige Technik entscheidend.
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Ein Interview mit Uwe Veltrup lesen Sie in unserer Steinfurter Ausgabe vom 31. Dezember.












