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10.03.2010 17:40 Uhr
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Steinfurter Marathon: Jens Vieler hat viel zu erzählen

STEINFURT Ist er süchtig? Süchtig nach Laufen? "Das kommt darauf an, wie man Sucht definiert", antwortet Jens Vieler. "Wenn man sie so definiert, dass man von etwas die Finger nicht lassen kann, dann bin ich natürlich, selbstverständlich süchtig."Von Marius Holthaus

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Das Laufen ist Jens Vielers große Leidenschaft.

 

Seine Leidenschaft wird den Hagener auch zum 27. Steinfurter Marathon (20. März) führen. Zum vierten Mal ist er dabei, erneut als Brems- und Zugläufer. "Es ist ein kleiner, feiner Marathon. Das kommt mir entgegen", sagt der 42-Jährige.

Kaum einer der Teilnehmer hat mehr zu erzählen als Jens Vieler. Seit 1999 ist er dem Ausdauersport verfallen. "Wenn ich einmal in der Woche nicht zum Laufen komme, habe ich schon ein schlechtes Gewissen und es kribbelt in den Füßen."

"Du wirst entführt"

Sein Geld steckt er in sein Hobby, das ihn mitunter in die entlegensten Regionen des Planeten führt. 2004 etwa. "Damals habe ich mein Motorrad verkauft, um beim ,Marathon des Sables' starten zu können." Auf sechs Etappen aufgeteilt, stapfte Vieler 237 Kilometer durch die marokkanische Sahara. Seine Mutter hielt das anfangs für keine gute Idee. "Du wirst entführt werden", warnte sie. "So reagieren Eltern halt, wenn man nach Marokko oder Libyen reist", schmunzelt der Sohn. Er beruhigte seine Mutter und machte sich auf den Weg.

Rückblickend sagt er über seine Woche in der Wüste: "Es war einer der sichersten Läufe, die ich mitgemacht habe. Wäre ich mit einem Herzinfarkt umgekippt, dann wäre sicher schneller Hilfe da gewesen als in irgendeiner Fußgängerzone bei anderen Veranstaltungen." Mehrere Hubschrauber kreisten über den 600 bis 800 Läufern. Die hatten mit Temperaturen von über 40 Grad zu kämpfen. "Es waren aber nur zehn Prozent Luftfeuchtigkeit, das ließ sich gut ertragen", schildert Vieler. Klar sei der Lauf durch die Hitze und über Sand, Geröll und Stein "kein Kindergeburtstag gewesen. Aber man muss das mit entspannter Ruhe angehen."

"Unheimlich schöne Bilder"

Und die Landschaft genießen. Vieler erblickte Gebirgszüge, Kamele. Er stellte fest: "Die Wüste ist kein Ort des Todes, sondern unheimlich schöner Bilder." Eine weitere wichtige Erfahrung für Vieler, der so wie alle Teilnehmer Proviant, Kleidung und Utensilien auf der Strecke selbst transportieren musste: "Du kannst sieben Tage mit dem Leben, was du im Rucksack hast. Mehr brauchst du nicht." Welchen Platz er schließlich belegte, weiß er nicht mehr. "Darum ging es ja auch nicht."

Das Sahara-Abenteuer war nicht mal Vielers härteste Herausforderung. "Nein, das war 2006 der Deutschland-Lauf." In 17 Tagen meisterte er die 1200 Kilometer von der Ostsee-Insel Rügen bis an die Schweizer Grenze. "Einen Ruhetag, wie bei der Tour de France, gab es nicht."

Laufen mit Hund

Seine Ehefrau Julia hat Jens Vieler längst auch fürs Laufen begeistert. Gemeinsam haben sie drei Kinder. Und einen Hund. Der Husky Ronja ist - natürlich - auch begeisterter Läufer. Viele Marathons haben Herrchen und Hund bereits gemeinsam bestritten. "Das ist eine wunderbare Symbiose zwischen uns", erklärt Jens Vieler. "Ich will laufen, und der Hund muss bewegt werden." In Steinfurt wird Ronja aber nicht auf der Strecke zu sehen sein. "Städtemarathons sind für Hunde nicht geeignet." www.jensgehtlaufen.de

Das ist Jens Vieler
  • Geburtsdatum: 26. April 1967
  • Wohnort: Hagen
  • Beruf: Universitätsmitarbeiter
  • Karriere als Läufer: Insgesamt etwa 130 Marathon- und Ultraläufe hat Jens Vieler mittlerweile absolviert. Es begann 1999, „aus einem Fitnessgedanken heraus“, sagt er. Bei seinem Schreibtisch-Beruf habe er damals „gemerkt, dass ich unbeweglicher und dicker geworden bin“, erzählt Vieler. Dagegen lief er an. Seit zwei Jahren ist Vieler obendrein im Triathlon aktiv.
  • Jens Vieler ist Initiator und Organisator des längsten Nonstop-Laufes Deutschlands. Bei der „TorTour de Ruhr“, die an Pfingsten (22. bis 23. Mai 2010) zum dritten Mal stattfinden wird, legen die Teilnehmer von der Ruhr-Quelle bei Winterberg bis zur Flussmündung bei Duisburg 230 Kilometer zurück. » www.tortourderuhr.de


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