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Moskau (dpa) Die verheerendsten Wald- und Torfbrände in Russland seit Jahrzehnten weiten sich zunehmend zu einer nationalen Katastrophe aus. Die Lage in vielen Regionen des größten Landes der Erde und vor allem im Zentrum des europäischen Teils von Russland habe sich weiter verschlimmert.
Bewohner des Dorfes Mokhovoye, 170 km von Moskau entfernt, stehen vor den Überresten von Häusern. Allein in diesem Dorf wurden sieben Tote geborgen.
Das teilte der Chef des nationalen Krisenzentrums, Wladimir Stepanow, nach Angaben der Agentur Interfax mit. «Russland brennt!», schrieb die Moskauer Zeitung «Kommersant» auf zahlreichen Sonderseiten. Die Bundesregierung sagte Unterstützung zu.
Regierungschef Wladimir Putin ordnete für den kommenden Montag in Moskau eine Krisensitzung der Gouverneure der betroffenen Regionen an. «Die Lage bleibt gespannt», sagte Putin. Bei den Bränden wurden etwa 30 Menschen getötet und Hunderte weitere verletzt. Tausende Russen sind obdachlos.
Die Behörden haben in 14 Regionen des Landes den Ausnahmezustand verhängt, wie der Radiosender Echo Moskwy ausrechnete. Tausende Einsatzkräfte kämpften weiter landesweit gegen mehr als 60 Großbrände. Hinzu kämen Hunderte kleinere Brandherde, teilte das Zivilschutzministerium auf seiner Internetseite mit. Helfer brachten in den besonders betroffenen Gebieten in Zentralrussland Dutzende Kinder in Sicherheit.
Die Bundesregierung bot Russland Unterstützung an. Falls gewünscht werde man prüfen, inwieweit Deutschland medizinische Hilfe leisten könne. Auch Notunterkünfte und Trinkwasseraufbereitungsanlagen gehörten zur Katastrophenhilfe, teilte das Auswärtige Amt in Berlin mit.
Weil bereits ganze Dörfer in Flammen aufgegangen sind, haben Tausende Menschen ihr gesamtes Hab und Gut verloren. Viele Häuser in der russischen Provinz sind aus Holz. Sie fangen deshalb besonders schnell Feuer. Putin sicherte den Betroffenen rasch neue Wohnungen zu. Diese sollten schon im Oktober bezugsfertig sein. Zugleich kritisierte der Ex-Kremlchef die Provinzverwaltungen dafür, dass nicht alles getan worden sei, um ein solches Ausmaß der Brände zu vermeiden. Er kündigte Konsequenzen für die Verantwortlichen an.
Besonders schlimm sind die Verwüstungen in der Region Nischni Nowgorod, etwa 400 Kilometer östlich von Moskau. Außerdem wurden mehr als 120 000 Hektar Wald vernichtet. In vielen Regionen des Riesenreichs herrschen seit Wochen Temperaturen um die 35 Grad. Wegen der Jahrhunderthitze hat eine extreme Dürre weite Teile des Landes fest im Griff. Wetterforscher erwarten keine Entspannung in den kommenden Tagen.
Der Zivilschutz setzte Hubschrauber und Flugzeuge sowie Raupen und Züge mit großen Wassertanks gegen die Feuersbrunst ein. Präsident Dmitri Medwedew verteidigte bei einem Treffen mit Verteidigungsminister Anatoli Serdjukow den von ihm angeordneten Einsatz von mehr als 2000 Soldaten mit schwerer Technik. «Das ist eine echte Naturkatastrophe, die höchstens alle 30 bis 40 Jahre passiert, deshalb durfte das Verteidigungsministerium zum Löschen und zur Beseitigung der Folgen eingesetzt werden», sagte Medwedew am Samstag.
Es ist der heißeste Sommer seit mehr als 130 Jahren. Regen gab es kaum. Hinzu kommen im Umland der Hauptstadt Moskau schwere Torfbrände, die seit Tagen die Luft für die mehr als zehn Millionen Einwohner verschlechtern. Dort gingen die Feuer am Samstag etwas zurück. Die Feuerwehr macht die extreme Trockenheit für die Ausweitung der Wald- und Torfbrände verantwortlich. Die Dürre hat bereits auch große Teile der Ernte vernichtet. Die Regierung spricht von Schäden in Milliardenhöhe.
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