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Medienhaus Lensing
08.02.2011 12:16 Uhr
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Kritiker sind erbost: Genpflanzen: Brüssel will Regeln lockern

Brüssel Die Regeln für die Einfuhr verbotener Genpflanzen nach Europa sollen gelockert werden: In Brüssel steht eine Verordnung kurz vor dem Abschluss, die beispielsweise Genmais und Gensoja ohne EU-Zulassung bei Futtermittelimporten aus Übersee tolerieren würde.Von Mirjam Stöckel

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Brüssel will die Regeln zur Einfuhr von Genpflanzen lockern. (Foto: RN)

Kritiker befürchten, dass Sicherheitsrisiken für Mensch und Umwelt nicht verlässlich ausgeschlossen wären. Der Futtermittelbranche hingegen käme diese Lockerung entgegen, da sie Importe vor allem aus den USA vereinfachen würde.

Bislang gilt in Europa ein absolutes Reinheitsgebot, die sogenannte Nulltoleranz: In Futtermittel-Einfuhren aus Drittstaaten dürfen keinerlei Gen-Sorten ohne EU-Zulassung vorkommen. Ansonsten darf das Futter in Europa nicht vermarktet werden. Doch diese strikte Haltung könnte sich nun ändern: Heute entscheiden Vertreter der 27 EU-Staaten über einen Verordnungsvorschlag der EU-Kommission, der zwar auf den ersten Blick nur die Methoden für Futtermittelanalysen europaweit angleichen soll.

Kritiker sprechen von "Skandal"

Letztlich führt er aber dazu, dass Verunreinigungen mit verbotenen Genpflanzen hingenommen würden – solange sie weniger als 0,1 Prozent der Gesamtmenge ausmachen. Konkret heißt das in etwa: Pro 1001 Futter-Sojabohnen dürfte eine eigentlich verbotene Bohne nach Europa kommen. Aller Voraussicht nach werden die EU-Staaten diese Regelung absegnen – auch mit der Stimme Deutschlands.

Zahlreiche Umweltschützer und Ökolandwirte halten das für einen Skandal. Sie fürchten, dass die Neuregelung das vergleichsweise strenge europäische Zulassungsverfahren für Gentechnik-Pflanzen aushebeln würde. „Wenn ein gentechnisch veränderter Organismus in unseren Futtermitteln drin ist, muss er hier von unseren EU-Behörden streng überprüft worden sein“, kritisiert Stefanie Hundsdorfer von Greenpeace. Ansonsten seien weder Futtermittelsicherheit noch Verbraucherschutz gewährleistet.

Gegen Nulltoleranz

Die Futtermittelindustrie hingegen macht sich seit Jahren für einen solchen Schwellenwert stark, wie er jetzt in Brüssel geplant ist. Sie warnt davor, dass sie durch die strikte Nulltoleranz-Regelung von Soja-, Mais- und anderen Rohstofflieferungen aus Drittstaaten abgeschnitten werden könnte. Vor allem in den USA wachsen nämlich Genmais und Gensoja, die in Europa keine Marktzulassung haben. Bei der Aufbereitung oder beim Transport sei es technisch nicht zu garantieren, dass sich keinerlei Spuren solcher Genpflanzen in die für Europa bestimmten Futtermittel mischten, so das Hauptargument der Branche.

Tatsächlich aber haben die Kontrollstellen in den 27 EU-Staaten Verunreinigungen bislang nur bei kleinen Futtermittelmengen gefunden, die überwiegend aus den USA stammten. Einen Zusammenbruch der Importe hat es noch nicht gegeben.


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