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Film "Unter Bauern
Veronica Ferres trifft Marga Spiegel beim Dreh in Billerbeck
Von Sabine Müller am 23.09.2008 00:00 Uhr
BILLERBECK Auf dem Johannikirchplatz in Billerbeck wehen Hakenkreuzfahnen, das Kopfsteinpflaster ist schneebedeckt. Veronica Ferres’ Schritte sind kaum zu hören. Sie geht an der Kirche vorbei, läuft auf Marga Spiegel zu, die etwa zwei Köpfe kleiner ist als sie, umarmt sie und gibt ihr einen Kuss auf die Wange.
Veronica Ferres (r.) spielt Marga Spiegel im Film ?Unter Bauern?.
Foto: Tronquet
Die Schauspielerin und die alte Dame wirken so vertraut, so inniglich, als würden sie sich schon ewig kennen. Dabei ist es erst ein Jahr her, dass Veronica Ferres bei Marga Spiegel anrief und sie um ein Gespräch bat. Sie wollte die Frau kennen lernen, die sie sein würde, 35 Tage lang, beim Dreh zu „Unter Bauern“.

Im Versteck

Der 4-Millionen-Euro-Film erzählt die Geschichte von Marga Spiegel, der Tante von Paul Spiegel, dem verstorbenen ehemaligen Präsidenten des Zentralrats der Juden. Er erzählt davon, wie münsterländische Bauern sie drei Jahre lang, von 1943 bis 1945, vor den Nazi-Schergen versteckten.

Es dämmert in Billerbeck. Der Schnee kommt aus einem Riesenschlauch, zwei Männer der Filmcrew sprühen ihn auf Platz und Fahnen, ein Pferd wiehert, in einem Schaukasten hängen Nachrichten der Hitler-Jugend. Regisseur Ludi Boeken läuft lässig über den Platz, gibt letzte Anweisungen für die Statisten und Schauspieler, die mit der Ferres zusammen die Kirche betreten sollen. Es ist Weihnachten 1944. Keine Minute wird das dauern im Film. Stunden dauert es gestern Abend.

Männer und Liebe

Es scheint, als hätten sich Veronica Ferres und Marga Spiegel treffen müssen, als sei es vorherbestimmt. Die Ferres nennt das sogar „seelenverwandt“. Was wollte sie von Marga Spiegel bei diesem ersten Treffen wissen? Ein Lächeln umspielt ihr Gesicht. „Wir haben über Männer, Liebe und das Leben gesprochen, aber was genau, das bleibt geheim.“ Auch Marga Spiegel schweigt. Lächelnd. Vor dem Schnee-Dreh sitzen die beiden in der Pressekonferenz. Nebeneinander. Beide haben die Haare hoch gesteckt, beide Blicke sind offen und wach. Sie habe bis dahin keinen Film mit der Ferres gekannt, gibt Marga Spiegel zu. Nur durch Zufall, als sie zu früh die Nachrichten eingeschaltet habe, sah sie eine Szene: Die Schauspielerin streichelte einem Kind über die Wange, voller Liebe, gleichzeitig voller Angst. „Da wusste ich, die sollen sie für mich nehmen.“

"Retter in der Nacht"

Sie erkennt viele ihrer Eigenschaften in der Ferres wieder: „Sie ist genauso gründlich wie ich.“Nie hätte sie sich vorstellen können, dass ihr Leben verfilmt wird. Als sie das Buch „Retter in der Nacht“ über die Zeit im Versteck schrieb, da wollte sie etwas gegen das Vergessen tun, wollte den Menschen danken, die sie damals so mutig, so selbstverständlich aufgenommen haben. „Mit einem solchen Buch sind die drei schweren Jahre nicht erledigt, aber es war eine Erlösung.“Das Buch ist die Grundlage für den Film. Veronica Ferres hat es gelesen. Und es hat sie „tief berührt“. Voller Bewunderung stehe sie vor dieser Frau, vor ihrem Leben, ihren Tränen, ihrem Humor. Und Dankbarkeit erfülle sie, diese Rolle zu spielen. Sie: blond, grüne Augen („nicht blau, wie viele immer sagen“), die Vorzeigedeutsche schlechthin.

Herzblut

Marga Spiegel wollte eigentlich gar nicht zum Set kommen. „Ich dachte, das geht auch ohne mich.“ Sie hat sich gerade erst von einem Sturz erholt, eine Gehirnerschütterung auskuriert. Doch nicht deshalb fällt ihr der Gang ans Set schwer: „Es kostet viel Herzblut, die Szenen zu sehen“, gesteht sie. Wenn sie Veronica Ferres anschaut, sieht sie immer auch sich selbst. „Ruhe bitte.“ Die Kamera läuft. Veronica Ferres trägt einen brombeerfarbenen Mantel. Der Schnee schluckt ihre Schritte. Das Haar ist hoch gesteckt. Ihr Blick ist ängstlich. Es ist Weihnachten 1944.
 
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