| Das Künstlerduo Jae Pas gewinnt Preis im Kosovo | ||
| Sabine Müller am 2.01.2009 21:16 Uhr | ||
| MÜNSTER Das münstersche Künstlerduo Jae Pas hat im Dezember für seine Aufsehen erregenden Kunstaktionen den „Muslim Mulliqi Preis“ erhalten: die wichtigste Auszeichnung für zeitgenössische Kunst im Kosovo. | ||
Das münstersche Künstlerduo Jae Pas hat im Dezember für seine Kunstaktionen den „Muslim Mulliqi Preis“ erhalten: die wichtigste Auszeichnung für zeitgenössische Kunst im Kosovo. Jan Andreas Enste (jae) und Pascal André Stücher (pas), beide Studenten an der Kunstakademie Münster, waren selbst in der Hauptstadt Prishtina, um ihn im Empfang zu nehmen. Jetzt sind sie zurück. Und erzählen begeistert von der Woche in einem Land, über das sie nur „abstrakte“ Vorstellungen hatten. Kosovarisches Frühstücksfernsehen Selten hätten sie eine solche Gastfreundschaft, solch herzliche Menschen erlebt. Der Medienrummel war groß, als Kulturminister Valton Beqiri den beiden Münsteranern den mit 3000 Euro dotierten Preis überreichte, die Tageszeitungen titelten oscarreif „Der Preis geht nach Deutschland!“, drei Fernsehsender strahlten Berichte aus. „Wir hatten sogar eine Einladung ins Frühstücksfernsehen, aber das haben wir nicht mehr geschafft.“ Es sei eine sehr große Ehre, diese Auszeichnung zu bekommen, sagten sie auf der Pressekonferenz in Prishtina: „Wir hoffen, damit ein Stück der durch die Bundesnachrichtendienst-Operationen verloren gegangenen Sympathien für Deutschland wieder zu gewinnen.“ Von Kollegen bewertet Ein Kommilitone der Kunststudenten hatte einem Kurator in Kosovo die Arbeiten der beiden empfohlen: Der schaute sie sich an und lud die Münsteraner ein – zur Ausstellung „Überwachung und Disziplin im öffentlichen Raum“ in der Nationalgalerie Prishtina. 26 nationale und internationale Künstler dürfen hier bis zum 18. Januar ihre Positionen zeigen – und sie durften selbst den Preisträger bestimmen. „Das ist umso schöner, wenn man von Kollegen ausgezeichnet wird“, so Enste und Stücher. Eine Kugel schwimmt im Aasee Ein Film im Museum zeigt ihre „swimming pool ball“-Aktion: Im Juni 2006 erregten Jae Pas Aufsehen, als sie zu drei großen Billiardkugeln von Claes Oldenburg eine Vierte mitten auf dem Aasee platzierten. Die Reaktion eines Polizeibeamten ist auch auf ihrer Internetseite dokumentiert: „Sie können nicht einfach zu irgendeinem See gehn und da so ein Ding reinplantschen lassen!“ Im gleichen Monat bauten Jae Pas am internationalen Tag des Flüchtlings ein Haus auf dem Prinzipalmarkt – ebenfalls ohne Genehmigung. Zwei Stunden stand die Skulptur, eine Romakapelle spielte spontan ein Konzert im Haus, schließlich musste es abgerissen werden – ein Strafverfahren gegen die Künstler wurde eingestellt. Was darf Kunst? Warum kamen gerade diese Arbeiten so gut an? „Wir haben nicht thematisch zum Begriff Überwachung gearbeitet“, so Enste. „Wir beschäftigen uns eher mit dem allgemeinen Freiheitsbegriff und fragen, was die Kunst für eine Funktion in der Gesellschaft hat.“ Und Stücher ergänzt: „Es sind auch ermutigende Arbeiten, die zeigen, was man schaffen kann.“Die beiden haben die „sehr gute Kunstszene“ in Prishtina kennen gelernt, „tiefe Freundschaften“ mit Künstlern vor Ort geschlossen – und das nächste Projekt schon in der Schublade. Eine Einladung an die Kosovaren, nach Münster zu kommen. Für eine gemeinsame Ausstellung. www.jaepas.de www.kosovaart.com/ |
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