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Enzensberger wird 80
Lustig geht die Welt unter
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| Von Manuel Jennen am 10.11.2009 18:31 Uhr | ||
| MÜNSTER Manchmal sagen tausend Worte mehr als ein Bild. Wenn Hans Magnus Enzensberger sie schreibt ganz bestimmt. Der große Dichter und Philosoph, der an diesem Mittwoch seinen 80. Geburtstag feiert, bekommt ein erstaunliches Geschenk aus Münster – über das er sich sehr gefreut hat. | ||
Boshafter Humor Das ist aber auch gar nicht nötig. So wie der Komponist Modest Mussorgsky in seinem berühmten Klavierwerk „Bilder einer Ausstellung“ die Bilder seines Freundes Viktor Hartmann für alle Ewigkeit in Musik übersetzte, stehen auch Enzensbergers Texte ganz für sich. Allerdings geht der Dichter mit seinen Vorlagen längst nicht so freundlich um wie der Komponist. Ätzender Humor trifft etwa den pompösen französischen Staatsmaler Jean-Auguste-Dominique Ingres (1780 - 1867) dessen klassizistische nackte Frauen Enzensberger missfallen. „Diese Frauen, die sich vor ihm auf dem Marmor winden wie Robben aus Hefeteig: zwischen Daumen und Zeigefinger die Brüste gemessen ...“, dichtet er kritisch und resümiert: „Heute hätte er für das ZK gemalt, oder für die Paramount, je nachdem.“ Eine wunderbare kleine Geschichte erzählt Enzensberger im Gedicht „Apokalypse. Umbrisch, etwa 1490“. Ein alternder Maler der Renaissance muss binnen eines Jahres ein Bild vom Weltuntergang malen. Während draußen die Jahreszeiten in ereignisloser Banalität verstreichen, quälen den Künstler Feuersbrünste, „allmählich einstürzende Mauern, Zinnen und Türme“ sowie „lotrecht in die Tiefe schießende Schiffe“. „Die ganze Welt zerstören macht viel Arbeit“, schreibt Enzensberger. Mit hinreißender Ironie macht er sich über die aufgedonnerte fromme Bildersprache der Renaissance lustig und lässt das Gemälde doch so lebhaft vor den Augen des Lesers erstehen, als befände man sich im Museum. Freundlicher Mensch Enzensberger ist schon lange mit dem münsterschen Verleger Kleinheinrich befreundet. Dieses Buch ist ihre dritte Zusammenarbeit. Wie ist der Dichter privat? Ist er überhaupt jemals privat? „O doch“, sagt Kleinheinrich. „Enzensberger ist ein unglaublich gebildeter Mensch mit einem sehr weiten Horizont. Aber er lässt das nicht heraushängen, er lässt es einen im Gespräch nicht spüren. Er kann sehr gut zuhören.“ In diesem Jahr kam Enzensberger nach Münster zum Lyrikertreffen – und musste sogleich ein Abenteuer bestehen. Bei einem Sonnenbad an der Promenade rutschte sein Portemonnaie aus dem Mantel. Doch es wurde gefunden und bei der Polizei abgegeben. Von über tausend Euro fehlte kein Cent. „Das ist ein Wunder“, sagte der Münchner Dichter. „Das liegt daran, dass wir einen neuen Bischof haben“, scherzte Kleinheinrich. So viel Heiligkeit hat gewirkt: Enzensberger kommt wieder. Im nächsten Frühjahr will er das Maler-Buch im Picasso-Museum vorstellen.
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