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Donnerstag, 11. März 2010
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Ausstellung bei Nolte
Venedig in einem Wisch
am 28.01.2010 19:01 Uhr
MÜNSTER Venedig, Italiens schönste Stadt, droht eines Tages im Wasser zu versinken. In der Galerie Nolte ist dieser Moment bereits eingefangen: Wie aus einem Sieb ergießt sich das Licht der Stadt in goldenen Fäden in die Lagune.
Venedigs Lichter fließen ins Meer: Fotografie von Jürgen Klück.
Eine Fotografie, so blau wie von Yves Klein gemalt. Dieser Eindruck ist beabsichtigt: Der münstersche Künstler Jürgen Klück sieht sich nicht so sehr als Fotografen, sondern eher als Maler mit der Kamera. Er lichtet die Welt nicht ab, wie sie ist, er erschafft sie neu.
Dazu hält er die Digitalkamera nicht still, sondern „verwackelt“ das Bild. Was aber nicht heißt, dass Klück eine zittrige Hand hätte. Das Verreißen der Kamera folgt oft einem bestimmten Muster. Ein Foto zeigt zum Beispiel ein Straßencafé mit einer langen Stuhlreihe. Klück bewegte den Apparat genau in dem geschwungenen Haken von Lehne und Sitzfläche. Die dynamisch verwischten und zerlaufenen Farben des Bildes verraten das nicht, aber Licht- und Glanzpunkte oder elektrische Lampen geben die Linie der Bewegung wieder.

Fünf Nächte in der Lagunenstadt

Venedig und Südfrankreich lieferten die Motive für Klücks Fotos – und besonders die italienische Lagunenstadt, die er fünf Nächte lang durchstreifte, ist empfänglich für den Wisch-Effekt. Die verheißungsvoll leuchtenden Fassaden und Silhouetten der Gebäude, die geisterhaften Menschen am Vaporetto fügen sich zu einem mysteriösen Theater zusammen.

Tatsächlich leuchten die sich spiegelnden Reihen der Lampen auf dem Markusplatz wie die Ränge eines Opernhauses. Die kunstsinnigen Besucher der Biennale lösen sich in blasse Geister einer Spukszene auf. Manchmal bleibt trotz der Kamerabewegung ein Detail scharf, zum Beispiel die Gesichter eines Paares, das in einer Flut blaugrüner Wellen und Linien versinkt wie die Königskinder, die nicht zueinander kommen konnten.

Wie ein Gemälde von Monet

Das nächtliche Kribbeln Venedigs kontrastiert reizvoll mit den heiteren, helleren Bildern aus Südfrankreich. Gleich am Beginn der Ausstellung hängt eine Idylle: Frauen sitzen vor einer malerischen Fassade, ein Baum vor dem Haus ist in der langen Belichtung so künstlich grün geworden wie das Wasser vor Venedig blau. Die ruhige, nur mäßig verwischte Szene wirkt so sorgfältig komponiert wie ein Gemälde von Monet. 

Auf einem anderen Frankreich-Bild düst rechts ein Motorradfahrer vorbei, während in der Mitte ein undefinierbarer gelber Bogen schlenkert. „Da kam gerade in dem Moment ein Passant vorbei, der ein Baguette in der Hand hielt“, sagt Jürgen Klück. Solche Motive findet man in Münster nie.
 
Galerie Nolte, Spiekerhof 44, bis 13. Februar, Mo bis Fr 10.30 - 18 Uhr, Sa 11 - 18 Uhr.
www.galerie-nolte.de
 
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