Wir sind Helden lesen in Münster
MÜNSTER Die Band macht nicht nur gute Musik, sie schreibt auch Tagebuch. "Wir sind Helden" waren am Samstagabend in Münster, um ihr Buch vorzustellen. Und um Musik zu machen.
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| Helden schreiben Geschichten: Die Band „Wir sind Helden“ kamen für eine Lesung nach Münster. Judith Holofernes sang aber auch. |
Eigentlich war die Band „Wir sind Helden“ gekommen um zu lesen. Die Geschichte von der einstigen „Indie-Combo, die kein Schwein“ kannte, die mit der Single „Guten Tag“ den Durchbruch schaffte und die bis heute drei Alben in den Top Drei der deutschen Charts platzierte.
Von überheblichem Rockstarallüren war am Samstag trotzdem nichts zu spüren. Ein bisschen durften sich die Zuschauer in der Aula am Aasee in Münster fühlen, als seien sie bei „Wir sind Helden“ zu Besuch. Ein Schreibtisch, ein paar Lampen, Zeichnungen der vier Bandmitglieder, private Dias und natürlich Instrumente. Denn die Veranstaltung, bei der die Helden auf Einladung von 1Live eine Woche durch Nordrhein-Westfalen tingeln, ist eine Mischung aus Lesung und Unplugged-Konzert mit Wohnzimmer-Atmosphäre.
Sängerin Holofernes, Gitarrist und Keyboarder Jean-Michel Tourette, Schlagzeuger Pola Roy und Bassist Mark Tavassol trugen aus ihren just veröffentlichten Aufzeichnungen „Informationen zu Touren und anderen Einzelteilen“ vor und offenbarten Anekdoten ihrer Bandkarriere. „Wir haben keine schicke Kennenlerngeschichte wie andere“, gestand Mark. Sie waren keine Schulfreunde, trafen sich nicht auf irgendeiner Drogenparty, sondern bei einem Sommerkurs der Musikhochschule Hamburg. Judith musste Jean erst mit „ihrer hässlichen Gitarre“ überzeugen: „Verzupfen war damals mein Style“.SympathiefaktorIhr hoher Sympathiefaktor rührt wohl auch von der Tatsache, dass die Helden sich selbst nicht zu ernst nehmen. Als sie bei einem Festival für Limp Bizkit einsprangen und genau diese Tatsache auf sämtlichen Plakaten erwähnt wurde, zitterten sie vor ihrem Auftritt vor aggressiven Fans der Band, die im Internet einen Angriff mit Mars-Riegeln angekündigt hatten – letztlich aber friedlich die Helden-Lieder mitsangen.
Sprachlich überzeugten die Aufzeichnungen – wie die Songs –durch hohes Niveau. Wortspielereien, Witz und ein Hauch von Poesie zeichnen die Texte aus. Und die Fans kamen natürlich auch musikalisch voll auf ihre Kosten: Zehn Stücke Hausmusik gaben die Helden mit gewohnter Spielfreude und Perfektion zum Besten. Die Zugabe war gleichzeitig der Höhepunkt: Holofernes sang mit rauchiger, gefühlvoller Stimme „Halleluja“ von Leonard Cohen.
Buchnachweis:
Wir sind Helden: Informationen zu Touren und anderen Einzelteilen. Ein Wir sind Helden-Tagebuch. Fischer, 416 S. 12,95 Euro.





















