03.07.2008 20:41 Uhr
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Andreas Weber öffnet sein Treppenhaus der Kunst

MÜNSTER Es gibt einen neuen Raum für Kunst in Münster: das „Toma“. Nein, nicht „Moma“. Toma: Treppenhaus of Modern Art. Andreas Weber hat den Aufgang des Hauses, in dem er wohnt, kurzerhand zum Kunstraum gemacht.Sabine Müller

Künstler Oliver Breitenstein hat aus Salzteig Buchstaben gebacken und daraus Sätze zum Nachdenken an die Wand genagelt. Zu sehen ist das im neuen Kunstraum von Kollege Andreas Weber am Breul 34: seinem privaten Treppenhaus.
Foto. Müller
Die Nachbarn sehen das laut Weber locker. Sie mussten zwar ihre Schuhregale aus dem Hausflur verbannen, doch „alle verfolgen sehr neugierig, was hier passiert“, so Weber. Alle zwei Monate will er jungen Künstlern sein Treppenhaus für Ausstellungen zur Verfügung stellen. Einzige Bedingung: Sie müssen sich mit dem Ort Treppenhaus und den Begebenheiten auseinandersetzen. Begebenheiten heißt: Es ist eng, es ist es dunkel, es gibt wenig Stellfläche. Und es wird gelebt im Dreiparteien-Haus.

Einfaches Leben?

Als erstes wagt es Oliver Breitenstein. Der Titel seiner Ausstellung kommt einem Stoßseufzer gleich: „Ich wünschte, ich würde mich für Ponys interessieren.“ Wenn Breitenstein das täte, wäre für ihn vielleicht vieles einfacher im Leben. Tut er aber nicht. Er ist Künstler und schlägt sich mit anderen Problemen herum. Der Spruch orientiert sich am Tocotronic-Titel „Ich wünschte, ich würde mich für Tennis interessieren“. „Ein sehr geiler Song.“ Der Text ist nicht nur flapsig-ironisch. Dahinter verbergen sich für den Künstler philosophische Fragen: Warum kann ich mich nicht für etwas Sinnfreies interessieren? Warum bin ich so wie ich bin? Und wer sorgt dafür?Breitenstein hat sich neben der Tocotronic-Zeile noch drei andere Texte rausgesucht. Und sie gebacken. Ja. Gebacken. Mit Salzteig. Jeden einzelnen Buchstaben. 156 insgesamt. Plus diverser Satzzeichen. Und die nagelte er an die Wände des Treppenhauses.

Mit Salzteig an die Wand geschrieben.
Foto. Müller
Die Wände sind rau. Der Salzteig noch viel rauer. Das passt zusammen, findet Breitenstein. Zudem ständen die etwas windschiefen Buchstaben im Gegensatz zu der „intellektuellen Strenge“, die die Sätze aufwerfen. „Ich habe bewusst ganz handwerklich arbeiten wollen, wie bei Muttern in den 80er Jahren mit Salzteig, der an den Händen kleben bleibt.“ Das sei vielleicht dilettantisch, meint er lächelnd, aber eben selbst gemacht. Nicht virtuell, nicht am Rechner produziert.

Nur eine Rolle

„Das Ich ist ein Schauspieler, der die Rolle des Ichs spielt“ ist da zu lesen. Ein Satz, den Breitenstein von Orson Welles adaptiert hat aus dem Film „F for Fake“. Aus Philip Roths Roman „Gegenleben“ stammt der zweite, wiederum abgewandelte Spruch: „Ich zu sein ist eine Darstellung und das Gegenteil von dem, was als ,man selbst sein’ gilt.“ Der dritte ist eine Textaneignung von Bob Dylan: „Ich kann nur ich selbst sein. Wer immer das ist.“ Viel Stoff zum Nachdenken. Also: Einfach auf die Treppe setzen und sinnen. Vielleicht setzt sich der Nachbar ja dazu.

 

Das „Toma“ (Treppenhaus of Modern Art) ist das Haus am Breul 34. Das Haus liegt ganz hinten in einer Nebengasse und gehört zu einem selbstverwalteten Wohnprojekt. Auf zwei Etagen stehen rund 50 Quadratmeter Treppenhaus zur Verfügung.

Eröffnung: 5. Juli, 16-22 Uhr mit DJ Anne. Die Ausstellung ist bis zum 18. August zu sehen. Öffnungszeiten nach Vereinbarung unter Tel. 0251/41441785.

 www.treppenhaus-of-modern-art.de