26.12.2008 19:16 Uhr
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Die Treppe zur Kammer des armen Poeten: Anke Gollub feiert den Maler Carl Spitzweg

MÜNSTER Wenn man das zum Kunstraum gewordene Treppenhaus Im Breul 34 in Münster betritt, heißt es: Vorsicht! Denn Stecknadeln schauen aus den Wänden hervor. Heiko Ostendorf

Bit biedermeierlicher Stickerei und anderen witzigen Spielereien erinnert Anke Gollup an den Maler Carl Spitzweg.
Foto: Ostendorf
Sie formen Reliefs, mal einen Vogel, dann Pilze. Nur wenige Schritte weiter ziert ein Stück originaler Brüsseler Spitze die Tapete. Die münstersche Künstlerin Anke Gollub spielt mit dem Nachnamen des Biedermeiermalers Carl Spitzweg, nimmt die erste Silbe und variiert diese in ihrer Ausstellung „Glücklicher Wink“ im „treppenhaus of modern art (toma)“.

Dichter in der Nähe

Der Ausstellungsort habe sie an das Spitzweggemälde „Der arme Poet“ erinnert. Die Assoziation ist nicht weit hergeholt. Fast scheint es, als würde, wenn man den Treppen bis zum Ende folgte, tatsächlich das ärmliche Zimmer eines Dichters auftauchen, in dem ein Regenschirm vor dem Leck im Dach schützt. Natürlich ist das Gebäude alles andere als marode. Doch wohnt hier und in der Nachbarschaft der ein oder andere münstersche Schriftsteller aus der Poetry-Slam-Szene.Für Gollup ist das Grund genug, sich mit dem Künstler Spitzweg auseinander zu setzen.

Besonders sein Bild „Der abgefangene Liebesbrief“ hat es ihr angetan. Auf selbst fabrizierten Stickvorlagen erinnert sie an das Motiv. Denn die junge Adressatin des süßen Schreibens verpasst den an einer Angel heruntergelassenen Brief, weil sie zu sehr in ihre Handarbeit vertieft ist. Auf den Stoffen im toma prangen nun edle biedermeierliche Damen und Herren mit einem Strauß Blumen in der Hand.

Kunst suchen

Die Ausstellung „Glücklicher Wink“ ist eine kleine Entdeckungsreise. Nicht immer stechen die Miniaturen dem Betrachter sofort ins Auge. Der Vogel, der nur mit Bleistiftpunkten angedeutet ist, wird schnell übersehen.

Die Schau bekommt dadurch einen ganz eigenen Unterhaltungswert – genau wie die Vorlage. Denn: „Die Werke von Spitzweg haben viel Witz und Ironie“, meint Gollub. Deswegen wird auch bei ihr der steife Gelehrte auf die Schippe genommen, der sich voller Interesse selbst beobachtet.

Doch nach ganz oben kommt der Besucher im Treppenhaus nicht. Vor der letzten Etage ist Schluss mit der Kunstschau. Will der werte Dichter vielleicht doch nicht gestört werden?

„Glücklicher Wink“ von Anke Gollub, bis 31. Januar. Sonntags von 15-18 Uhr, Im Breul 34.