Sehenswert
Theater in der Region
Welche Inszenierung Sie unbedingt gesehen haben müssen, auf einen Blick. mehr...
|
http://ad.de.doubleclick.net#oms.muenstersche-zeitung.de#entertainment##1532159468#120#600#3
|
Hamburg (dpa) Mit einer rosaroten Brille auf Traumwolke sieben. Mit diesem Klischee ist man bei Liebesromanen schnell zur Hand. In der Tat gibt es auf dem aktuellen Büchermarkt viele einfach gestrickte Herz-Schmerz-Geschichten.
Michael Birbaek: Nele & Paul
Es finden sich aber auch etliche Romane, die - bei aller Liebe - den Verstand und auch den Humor nicht außer Acht lassen. Angefangen von Lionel Shrivers «Liebespaarungen», bis hin zu dem Comedyroman «Macho Man» von Moritz Netenjakob über die Nöte eines Frauenverstehers, der vor der türkischen Großfamilie seiner Angebeteten nicht als Schlappschwanz dastehen will. Darüber hinaus warten eine Reihe kluger, tief bewegender und oft auch spannungsreicher Erzählungen von verbotenen und unmöglichen Beziehungen in fremden Kulturkreisen auf ihre Leser und Leserinnen.
«Was wäre, wenn?» - Um diese Frage dreht sich Lionel Shrivers Roman «Liebespaarungen». Im Mittelpunkt der faszinierenden Geschichte um Möglichkeiten, Glück, Reue und nicht enden wollende Sehnsucht steht Irina McGovern. Sie teilt das Leben mit dem klugen und verlässlichen, leider aber auch etwas unaufmerksamen Lawrence. Zugleich fühlt sie sich von dem aufregenden, dafür unbeständigen Ramsey angezogen. Mit einem raffinierten Kunstgriff lässt sie ihre Hauptfigur zwei alternative Lebenswege beschreiten: Bis auf den Anfang und den Schluss sind sämtliche Kapitel doppelt angelegt. In einem wird Irinas Leben mit Lawrence geschildert, im anderen das mit Ramsey.
«Die Liebenden von Dschidda» ist der erste Roman von Sulaiman Addonia, der in Eritrea geboren wurde und seit einigen Jahren in London lebt. Es ist ein wunderschön-trauriges Buch über eine zarte, aber verbotene Liebe in Saudi-Arabien, wo Kontakte zwischen Mann und Frau nur in der Ehe erlaubt sind, und überall die Religionspolizei lauert. Als Flüchtlingskind kam Romanheld Nasser nach Dschidda und hat es dort, als junger Mann, nun schwer. Man behandelt ihn wie einen Menschen zweiter Klasse; ständig droht ihm die Ausweisung. Eines Tages landet ein Zettel vor seinen Füßen: Eine junge Frau offenbart ihm ihre Zuneigung. Ihr Gesicht hat Nasser nie gesehen und ihre Stimme nie gehört - und doch liebt er sie bald mehr als sein Leben. Verzweifelt sucht das Paar nach Möglichkeiten, sich zu begegnen. In einer Stadt, in der alle Frauen schwarz verhüllt durch die Straßen laufen, werden pinkfarbene Schuhe zum Erkennungszeichen.
Von Liebe im Umfeld eines anderen Kulturkreises handelt auch Moritz Netenjakobs «Macho Man». Aber wie man es von einem Kabarettisten und Comedy-Autoren nicht anders erwartet, werden bei dieser Story die Umstände äußerst vergnüglich auf die Schippe genommen. Daniel ist 30, er gilt als Weichei. Er wurde von anti-autoritären Eltern erzogen, ist liberal, zurückhaltend und höflich. Seine Freundin hat ihn gerade verlassen - sie fand ihn nicht männlich genug. Zum Trost macht Daniel Urlaub in der Türkei und verliebt sich dort in die orientalische Traumfrau Aylin. Jetzt müssen aber noch ein paar Fragen geklärt werden: Wie überlebt ein Frauenversteher in einer Welt voller Machos? Passt Lichtschutzfaktor 50 da noch? Und wie kommt es in einer türkischen Disco an, wenn man sich wie Woody Allen bewegt? Genüsslich nimmt Netenjakob türkische und deutsche Sitten und Gebräuche aufs Korn, lässt dabei aber nichts auf seine zauberhafte Liebesgeschichte kommen.
Mit «Erzähl mir von den weißen Blüten» taucht Jan Winter in die Landschaft und das Leben in Asien ein. Der Maler Paul Handewitt verliert in Nepal auf tragische Weise seine große Liebe, Giulia. Er kann ihren Tod nicht verwinden und widmet sich fortan ganz seiner Kunst. Viele Jahre später - Paul ist mittlerweile ein international gefeierter Künstler, lernt er in Malaysia die Galeristin Julie kennen - und lieben. Doch ein Schatten der Vergangenheit legt sich über das neue Glück und reißt alte Wunden wieder auf.
Die argentinische Schriftstellerin und Regisseurin Lucía Puenzo schreibt in ihrem Erstlingsroman «Das Fischkind» über eine jugendliche Amour fou. Im Original ist das Buch bereits 2004 erschienen, in deutscher Übersetzung vor wenigen Wochen. Fast zeitgleich wurde die Verfilmung dieses Romans auf der Berlinale vorgestellt. Der Stoff ist explosiv und führt in die Abgründe der Gesellschaft. Die argentinische Oberstadttochter Lala verliebt sich in das verführerische paraguayische Hausmädchen, Lin, genannt «die Guayi». Die gleichgeschlechtliche Liebe bleibt allerdings nur ein Randthema. In einem Umfeld von Drogen, Gewalt und Ausweglosigkeit schmieden die beiden Heranwachsenden gemeinsame Zukunftspläne und gehen dabei sogar über Leichen. Wie in einem Roadmovie folgt dann die Flucht bis hin zu einem aufwühlenden Showdown.
«Ich heiße Fawad, und meine Mutter sagt, ich bin im Schatten der Taliban geboren.» Mit diesem Satz beginnt der packende und anrührende Roman «Mauertänzer» von Andrea Busfield, der dem oft einseitigen Bild des umkämpften Landes überraschende Farbe verleiht. Fawad lebt in Kabul, ist erst elf Jahre alt, hat aber schon Schreckliches erlebt: Sein Vater und sein Bruder wurden ermordet, die Schwester entführt, und er selbst lebt mit seiner Mutter von der Hand in den Mund. Aber Fawad ist ein aufgewecktes Kerlchen und lässt sich nicht unterkriegen. Er weiß genau, wie man den Ausländern die Devisen aus der Tasche zieht. Als seine Mutter bei der Engländerin Georgie Arbeit findet, bleibt der Kulturschock nicht aus, trägt Georgie doch Jeans, raucht und treibt auch sonst Unaussprechliches. Doch insgeheim ist Fawad auch hingerissen von Georgie. Bis er herausfindet, dass diese eine geheime Liebesbeziehung mit einem einflussreichen Paschtunen unterhält.
Ein ganz anderes Spannungsfeld tut sich in «Nachtgeschwister» von Natascha Wodin auf. Eine Frau aus dem Westen und ein Mann aus dem Osten verstricken sich fatal in einer leidenschaftlichen Liebe, in einer Obsession. Dreieinhalb Jahre vor dem Mauerfall stößt eine Frau - die Ich-Erzählerin - auf dem Wühltisch einer Buchhandlung auf ein schon etwas angegilbtes Taschenbuch. Sie nimmt es mit, weil es nur eine Mark kostet, und weil sie über den Namen des Autors gestolpert ist: Jakob Stumm. Ein Dichter mit dem Namen Stumm klingt für sie wie ein Witz. Doch als sie das Bändchen aufschlägt, ist sie von der Schönheit und der Wucht der Zeilen stark ergriffen. Die Frau erkennt darin eine Seelenverwandtschaft und setzt nun alles in Bewegung, um den Dichter aus Leipzig zu treffen. Doch der Mann, der kommt, ist ein ganz anderer, als der, den sie sich erträumte.
Alles beginnt 1935 auf einer Parkbank in London: Lorna ist nach einem Streit mit ihrer Mutter in Tränen aufgelöst, Matt füttert die Wasservögel, damit er sie zeichnen kann. Lorna hört auf zu weinen und sieht mit wachsender Faszination zu. Gegen den Widerstand ihrer Eltern werden die beiden ein Paar. Sie ziehen in ein Landhäuschen in Somerset, das Matt mit Wandgemälden schmückt. Auch ihre Tochter Molly und ihre Enkelin Ruth schlagen ungewöhnliche und eigensinnige Wege ein. Eines Tages macht Molly sich auf, das alte Cottage zu suchen, in dem ihre Großeltern so glücklich waren. Die renommierte Schriftstellerin Penelope Lively erzählt in «Wechselspiele» mit ihren klaren, unsentimentalen Worten die Lebens- und Liebesgeschichten dieser Frauen aus drei Generationen. Das Buch weckt Sehnsüchte, strotzt aber zugleich vor Lebenslust und vermittelt die Gewissheit, dass es die große Liebe wirklich gibt. Und dass sie - wie hier - auch prima zwischen zwei Buchdeckel passt.
Mit einer literarischen Wiederentdeckung wartet der kleine und noch junge Schweizer Verlag Dörlemann auf, der sich mit Übersetzungen (fast) vergessener Klassiker in bildschönen Ausgaben einen Namen gemacht hat. Es ist ein Verwirrspiel um die Liebe, das unter dem Titel «Liebesgeschichte» von der französischen Schriftstellerin Louise de Vilmorin (1902-1969) verfasst worden ist. Zwei Freundinnen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten - die eine verheiratet, schön und verschlossen (Catherine), die andere ledig, lebhaft und locker (Marise), treffen sich per Zufall in der Normandie, auf der Suche nach Erholung. Als sie dort den attraktiven Peter kennenlernen, versuchen beide, das Herz des unglücklich Liebenden zu erobern. Aus Freundinnen werden unversehens Rivalinnen. Als dann auch noch Catherines Tochter Gefallen an Peter findet, ist der Liebesreigen fast komplett.
Paul vermisst Nele. Seit neun Jahren schon. Und dann ist sie plötzlich wieder da, in Michael Birbaeks neuem Liebesroman «Nele & Paul». Paul ist Dorfpolizist in einem ländlichen Idyll, wohnt bei seiner Mutter Mor, hat seit Ewigkeiten einen besten Freund (Rokko) und natürlich auch eine Stammkneipe, den «Schaukelstuhl». Und er hat einen wunden Punkt: Nele. Mit ihr ist er zusammen aufgewachsen, mit ihr hat er zusammen alles entdeckt: das Dorf, das Leben, die Liebe. Doch irgendwann ist Nele in die große, weite Welt hinaus gezogen, und Paul blieb zurück. Jetzt ist Nele zurück, allerdings nur für ein paar Tage. Doch ein zweites Mal will Paul die Liebe seines Lebens nicht gehen lassen. Der für seine guten Sprüche und seinen flotten Schreibstil geschätzte dänische Autor Michael Birbaek zeigt mit dieser lebendigen, modernen Liebesgeschichte einmal mehr, was er kann.
Sulaiman Addonia
Die Liebenden von Dschidda
Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg
330 S., Euro 19,95
ISBN 978-3-4554-0146-2
Michael Birbaek
Nele & Paul
Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach
397 S., Euro 16,95
ISBN 978-3-7857-2350-0
Andrea Busfield
Mauertänzer
Atrium Verlag, Zürich
336 S., Euro 19,90
ISBN 978-3-8553-5043-8
Louise De Vilmorin
Liebesgeschichte
Dörlemann Verlag, Zürich
128 S., Euro 17,80
ISBN 978-3-9087-7737-3
Penelope Lively
Wechselspiele
Bertelsmann Verlag, München
336 S., Euro 19,95
ISBN 978-3-5700-1098-3
Moritz Netenjakob
Macho Man
Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln
288 S., Euro 13,95
ISBN 978-3-4620-4020-3
Lucía Puenzo
Das Fischkind
Verlag Klaus Wagenbach, Berlin
160 S., Euro 16,90
ISBN 978-3-8031-3220-8
Lionel Shriver
Liebespaarungen
Piper Verlag, München
592 S., Euro 19,95
ISBN 978-3-4920-5096-8
Jan Winter
Erzähl mir von den weißen Blüten
Marion von Schröder Verlag, Berlin
448 S., Euro 16,90
ISBN 978-3-5477-1150-9
Natasha Wodin
Nachtgeschwister
Verlag Antje Kunstmann, München
240 S., Euro 18,90
ISBN 978-3-8889-7560-8
MÜNSTER Das Borchert-Theater legt nochmal nach: Das restlos ausverkaufte Theater-Spektakel „Ein Sommernachtstraum“ im Gasometer bekommt zwei weitere Zusatztermine spendiert. Der Vorverkauf beginnt nächsten Dienstag. mehr...
MÜNCHEN Günter Grass (84) dichtet wieder: Knapp zwei Monate nach seinem umstrittenen israelkritischen Text geht der Literaturnobelpreisträger in neuen Versen diesmal mit Europas Griechenland-Politik hart ins Gericht. Das Gedicht, das heute in der „Süddeutschen Zeitung“ erscheint, trägt den Titel „Europas Schande“. mehr...
BOCHUM Was da "Vor Sonnenaufgang" auf dem Bauerngut der Krauses geschieht, ist unsagbar schrecklich. Intendant Anselm Weber setzt im Bochumer Schauspielhaus einen gezielten Schock ans Ende seiner Inszenierung von Gerhart Hauptmanns Sozialdrama. Eine tiefe Verunsicherung kurz vor dem Applaus, die der Abend, der von einem blendend aufgelegten Ensemble lebt, jedoch vertragen kann. mehr...
MÜNSTER Die Krankschreibung von Anna Netrebko gilt nur bis zum 29. Mai. Nach ein paar Tagen Verschnaufpause steht sie dann schon am Samstag (2. Juni) vor Münsters Schloss. Beim lang erwarteten Open-Air-Konzert hat sie Ehemann Erwin Schrott und Jonas Kaufmann an ihrer Seite. Die drei Sänger haben dafür ihr Wunschrepertoire zusammengestellt, das sie jetzt auszugsweise veröffentlichen ließen. mehr...
Engagierte Filme aus dem Iran werden von Festival zu Festival gereicht und dort von einem Publikum begutachtet, das deren Qualitäten nicht selten nur unter dem Gesichtspunkt ihrer versteckten kritischen Aspekte beurteilt. Die in den USA lebende Exil-Iranerin Maryam Keshavarz richtet ihren Blick von Außen auf ihr Heimatland, ohne dabei auf staatliche und religiöse Zensur achten zu müssen. Das Ergebnis überrascht. mehr...
|
http://ad.de.doubleclick.net#oms.muenstersche-zeitung.de#entertainment##872789046#300#250#4
|