Sehenswert
Theater in der Region
Welche Inszenierung Sie unbedingt gesehen haben müssen, auf einen Blick. mehr...
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BOCHUM Vor genau zwei Jahren hat Steven Sloane mit seinen Bochumer Symphonikern im Dortmunder Konzerthaus ein Experiment gewagt: Er umrahmte den zweiten Akt von Wagners "Parsifal" mit Bachs "Matthäuspassion" und formte das zu einem bejubelten Ereignis.
Der Bochumer Generalmusikdirektor Steven Sloane hat die Reihe "Wunde Wagner" organisiert. (Foto: Archiv)
Am Freitagabend gab es davon eine Fortsetzung in der Reihe "Wunde Wagner", mit der der Israeli Sloane Pflaster auf die Narben klebt, die Wagner als Freund der Nationalsozialisten in Israel hinterlassen hat. In der Bochumer Jahrhunderthalle umrahmte Sloane mit Bachs "Johannespassion" die "Sephardische Passion" vom israelischen Komponisten Noam Sheriff, die die Verfolgung spanischer Juden im 15. Jahrhunderts thematisiert. Der 76-jährige Komponist erlebte eine Aufführung auf Weltklasseniveau, die das Publikum stehend mit Ovationen feierte.
Für jede Passion ein Saal
Ein bisschen hatte der Abend etwas von Event. Es gab für jede Passion einen Saal in der Halle mit einer großen Bühne für Sheriff und einer kleinen für Bach. Und warme Wolldecken für das Publikum. Dazu zwei Chöre (der glänzend einstudierte Philharmonische Chor Bochum und die Gächinger Kantorei), ein Kammerorchester und ein Riesenorchester (beide der Bochumer Symphoniker) und fünf Solisten.
Zu Höchstleistungen animiert
Musik im Breitwandformat (optisch und musikalisch) war Sheriffs Passion - farbig wie Orff, monumental wie Wagner, folkloristisch in den Arien von Esti Kenan Ofri. Sloane dirigierte mit einem Enthusiasmus, der ansteckend war und sein Orchester, einer der besten Klangkörper der Region, zu Höchstleistungen animierte und im wörtlichen Sinn als musikalisch leuchtendes Beispiel dafür präsentierte, welchen Wert Visionen haben können. - Das war großartig.
Sakrale Atmosphäre
Die "Johannespassion" war bei der Gächinger Kantorei, Helmut Rillings Chor, der Bach im Blut hat, in besten Händen. Markus Brutscher führte als Erzähler mit sehr klarer, heller Tenorstimme durch die hochemotionale, schlanke, dramatische Aufführung, bei der Sloane mit nur 20 Symphonikern und 30 Sängern vor allem in der Kreuzigungsszene sakrale Atmosphäre in die nüchternen Kathedrale der Industriekultur brachte. Hervorragend besetzt war Countertenor Maarten Engeltjes, den Jesus sang Andreas Wolf, Sibylla Rubens die Sopranarien - im zweiten Teil etwas sehr abphrasiert. - Ein Höhepunkt in dem thematisch und musikalisch so wichtigen und ambitionierten Bochumer Festival.
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