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Medienhaus Lensing
12.02.2012 12:35 Uhr
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Theater: "Kein Science-Fiction": Kassandra, Kafka und Krisen

DÜSSELDORF Das Ende der bürgerlichen Gesellschaft, der Sturz der Festung Europa ist da - zumindest im Düsseldorfer Schauspielhaus: Ein düsteres Szenario hat Tine Rahel Völcker mit "Kein Science-Fiction" geschrieben, eine Bestandsaufnahme, die das Katastrophen-Potenzial der Gegenwart auslotet. Die gemeinsam mit Regisseurin Nora Schlocker entwickelte Apokalypse feierte am Samstag Uraufführung.Von Britta Helmbold

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Elena Schmidt verweigert sich als Kafka mit Alkohol der Arbeitswelt. (Foto: Hoppe)

Autorin Völcker verlegt den Kassandra-Mythos in die Welt der Finanzmacht. Ihre Seherin ist eine perfekt integrierte Fremde, die im Vorstand der Firmengruppe Atreus von Albträumen heimgesucht. Ihr Chef Agamemnon weiß ihre Visionen zunächst zu nutzen, doch schon bald lösen sie eine Krise aus. Ein rechter Kampfbund baut in der Zwischenzeit seine Macht aus.

Zuschauer spielen Masse

Durch einen Tunnel betreten die Zuschauer den Spielraum, die Burg, Hauptsitz von Atreus, und werden von Agamemnon mit dem Befehl "Bitte nicht hinsetzen. Vielen Dank!" auf der Bühne gehalten. Im Stehen lauscht das Publikum Alexander Radenkovic, der über das Ende des Gesellschaftsmodells Mittelklasse-Familie aufgeklärt, bevor Xenia Noetzelmanns Kassandra von einer Vision heimgesucht wird. Ihre Prophezeiungen sind politische Anklagen, je düsterer diese werden, desto schwärzer wird sie - gegen Ende ist sie komplett mit schwarzer Farbe bemalt.

Engagiertes Mimen-Quartett

Ingo Tonis Agamemnon wandelt sich vom souveränen Chef in einen Verunsicherten, versteht nicht, warum der Markt sein Versprechen nicht einlöst. Schwarzhumorig ist seine Mutter gezeichnet, eine ältere, blonde Amy-Winehouse-Variante mit Whiskey-Glas, die sich als Inkarnation von Rosa Luxemburg sieht - wunderbar Elena Schmidt, die auch Kafka gibt, eine junge Frau, die sich der Arbeitswelt zu entziehen versucht. Sie trifft auf Radenkovics Serben, der in Europa - wie auch Kassandra - noch ein Versprechen sieht. - Viel Applaus für das intensive Spiel des Mimen-Quartetts im Endzeit-Szenario.

Termine: 15./27.2.; Karten: Tel. (0211) 36 99 11. www.duesseldorfer-schauspielhaus.de

 



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