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Medienhaus Lensing
27.07.2010 19:40 Uhr
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Neue Pop-Literatur: 30, ledig, verzweifelt

MÜNSTER Sie begegnen uns immer häufiger, diese Mittdreißiger, die weder Freunde, Partner noch Perspektiven haben. Die deutsche Pop-Literatur ist voll von ihnen. Ungezählte Autoren haben sich dort bereits am Typ „sympathischer Loser“ und seinem Alltagsgrau abgearbeitet.Von Johannes Wallat

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Linus Volkmann (l.) und Jens Friebe schreiben Geschichten über junge Verlierer. (Foto: Johannes Wallat)

Jetzt reiht sich Linus Volkmann, Redakteur beim Musikmagazin Intro, in diese Gesellschaft der Literaten ein. Der Titel seines Buches, aus dem er im SpecOps vorlas: „Wie lange muss man sich eigentlich noch verstellen, um endlich natürlich rüberzukommen?“

Kontrollfreak

Volkmanns Antiheld heißt Wilhelm Bitter, ein neurotischer Misanthrop, stiller Autist und spleeniger Kontrollfreak, dessen Tageshöhepunkt schon einmal darin bestehen kann, dass er von einem Nebenbuhler ein Veilchen verpasst bekommt. Als er einen betrunkenen Finnen bei sich übernachten lässt, gerät die selbst gewählte Isolation ins Wanken. Wilhelm schlittert von einer kleinen Katastrophe in die nächste. Das ist ganz amüsant, bietet aber außer bewährtem, solidem Material von der Loser-Front nicht viel Neues.

Der interessantere Teil der Doppellesung kam denn auch von Jens Friebe, der eine bunte Textkollektion mitgebracht hatte. Sein Tagebuch einer Reise in die Ukraine, die nach seinen Worten „alle bizarren Erwartungen übertraf“, ist eine amüsante Anekdotensammlung über Hochzeiten, Schweinepest und Trinkspruchkultur.

Die Dialektik des Katers

Höhepunkt der Lesung aber war Friebes essayistische Ausführung über „die Dialektik des Katers“. Hier schreibt Friebe über den „Fluchtpunkt allen ambitionierten Trinkens“, kurz gesagt: den Filmriss, sowie über die Taten des letzten Abends und darüber, wie man nach postalkoholischer Depression mit seinen Trinkkumpels am effektivsten den Restalkohol aktiviert, um sich so einen seligen „Sekundärrausch“ zu verschaffen.

Das alles ist in seiner drastischen Deutlichkeit gleichzeitig scharf beobachtet, komisch, poetisch und wahr. Und es passte perfekt zur sonntäglichen Katerstimmung im Spec-
Ops.
 
  • Linus Volkmann: Endlich natürlich. Ventil Verlag. 174 Seiten. 12,90 Euro.
  • Jens Friebe: 52 Wochenenden. Texte zum Durchmachen. Kiepenheuer & Witsch. 208 Seiten. 8,90 Euro.


Prunelles Bilder

1

Im Reich der nackten Schamaninnen

Eulen-, Antilopen- oder Schakalgesichter: Die Frauen auf Prunelles Bildern tragen afrikanisch inspirierte Schamanenmasken.

MÜNSTER Die drei Grazien lieferten jahrhundertelang den Malern einen Vorwand, erotische Bilder zu erschaffen. Immerhin waren diese Töchter des Zeus ja Göttinnen – wer hätte schon Anstoß daran nehmen sollen, dass sie nackt waren und sich schwesterlich berührten? Die französische Künstlerin Prunelle macht sich nun lustig über die Heuchelei: Ihre drei Grazien haben Eulen- und Antilopenköpfe. mehr...

Kino: "The Darkness"

2

Menschen im Versteck

Nach 16 Monaten in der Kanalisation können diese beiden jüdischen Kinder endlich wieder frische Luft atmen.

Nach „Hitlerjunge Salomon“ befasst sich die polnische Regisseurin Agnieszka Holland zum zweiten Mal mit dem Holocaust. Und wie ihr Film über den kleinen Juden Salomon, der mit falscher Identität das Nazi-Regime überlebt, ist auch „In Darkness“ in der Rubrik „Bester nicht-englischsprachiger Film“ für den Oscar nominiert worden. mehr...

Festival Klangvokal

3

In Dortmund begegnen sich die Stars des Gesangs

Christina Pluhar tritt am 20. Mai in St. Reinoldi auf.

DORTMUND In 26 Konzerten begegnen sich beim Festival "Klangvokal" vom 16. Mai bis 3. Juni in Dortmund Gesangsstars. "Begegnungen" ist das Motto der vierten Auflage des Festivals, das auch mit drei Grammy- und sechs Echo-Preisträgern aufwartet. mehr...

Berlinale

4

Thomas Horn begeistert in einem Film von Stephen Daldry

Max von Sydow (l.) und Thomas Horn in Berlin.

BERLIN Talentprobe bei der Traumabewältigung: Auf der Berlinale läuft Stephen Daldrys 9-11-Drama "Extrem laut und unglaublich nah" mit einem sensationellen jungen Hauptdarsteller. mehr...

Münsters zukünftiger Tanzchef

5

Begeisterung und giftige Kritik für Hans Henning Paar in München

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