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Medienhaus Lensing
26.08.2009 20:36 Uhr
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Literatur-Zeitschrift aus Münster: "Am Erker" stellt fremde Länder, fremde Sitten vor

In Korea ist nur die rechte Hand die gute Hand. Und Naseputzen in der Öffentlichkeit sollte man tunlichst vermeiden. Wer sich gar bei Tisch schneuzt, bekommt bei den Einheimischen kein Bein mehr an den Boden.Sabine Müller

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Tietlbild der Nr. 57: Die Literaturzeitschrift "Am Erker" ist ein Produkt aus Münster. 

Der europäische Herr, der in dem fernen Land einen Vertrag mit Herrn Cho und Herrn Rhiu unter Dach und Fach bringen muss, ist fest davon überzeugt, der asiatischen Kultur gewachsen zu sein. Nicht so kläglich zu scheitern wie sein Vorgänger. Denkt er. Kai Köhler erzählt im neuen „Erker“ seine tragikomische Geschichte.

Die 57. Ausgabe der münsterschen Zeitschrift für Literatur stellt „Fremde Länder, fremde Sitten“ vor. Das diesmal fast 200 Seiten dicke Buch versammelt Erzählungen und Essays, Cartoons und Gedichte, Interviews und Buchkritiken. Es ist genau das Richtige für Urlaubsheimkehrer und Urlaubsvorbereiter. So unterschiedlich die Geschichten auch sind, es eint sie die gewohnt hohe Qualität. Zum Erker kann man immer greifen. Die Redaktion sortiert versiert aus und hat ein gutes Gespür gerade für absonderliche, seltsame und fantastische Geschichten.

Zweimal jährlich gibt der Verein „Fiktiver Alltag“ einen Band im Daedalus-Verlag heraus. Ein durch und durch münstersches Produkt, das 1998 mit dem Hermann-Hesse-Preis für deutschsprachige Zeitschriften ausgezeichnet wurde.
Anna Serafin beschreibt, wie sich eine junge, studierte, ausländische Vegetarierin in München Geld verdient, indem sie bei einem Metzger unterschiedlich farbige Wurstscheiben dekorativ zusammenlegt. Thomas Glatz’ indischer Reisebericht mit dem Titel „Arbeitselefanten haben Mittwochnachmittag frei, aber das glaubt mir ohnehin kein Mensch“ ist so amüsant, dass man gerne mehr gelesen hätte.

Ein tiefschwarzer kleiner Krimi, den man anfangs gar nicht als Krimi erkennt, ist Georges Hausemers „Die Krebsfischer“. Was dem Mitreisenden passiert, dem plötzlich an Bord der Fischer schlecht wird, ist wirklich gruselig. Von den Fischern auf einer Insel abgesetzt, macht er dort die Bekanntschaft mit suppentellergroßen Krebsen. Dagegen ergeht es dem europäischen Geschäftsmann, der die koreanischen Herren Cho und Rhiu zu einem kleinen Bordellbesuch überreden will, wirklich gut.

Am Erker Nr. 57, Fremde Länder, fremde Sitten, 184 S., 9 Euro.


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