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Medienhaus Lensing
21.03.2010 17:03 Uhr
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Kantorei: Apostelgemeinde gratuliert Bach

MÜNSTER Ein würdiges Geburtstagsgeschenk bot die Kantorei der Apostelgemeinde Johann Sebastian Bach.Von Karsten Peters

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Klaus Vetter gratulierte mit Chor, Solisten und Kourion-Orchester zum 325. Geburtstag von Bach. (Foto: Karsten Peters)

Zum 325. Geburtstag des Komponisten am gestrigen Sonntag und als Vorbereitung der h-Moll-Messe, die im November auf dem Programm steht, brachte der Chor unter Leitung von Klaus Vetter am Wochenende die Kantate 76 eindringlich zu Gehör.
Die Kantate, aus der Bach später die bekannte Chorfuge des Kyrie und andere Teile für die h-Moll-Messe verwendete, bietet den Sängern des Chors zahlreiche Fallstricke und Hürden, die er unter Vetters kundiger Hand jedoch fast mühelos meistert. Bereits mit dem Präludium entwickeln die Sänger einen sicheren, klaren Chorklang, brillant unterstützt von den Musikern des Kourion-Orchesters aus Münster. Lediglich an wenigen Stellen zeigt sich die Schwierigkeit des Zusammenspiels zwischen Orchester und Chor, wenn die Einsätze nicht präzise sind.

Unter den Solopartien ist besonders Nils Giebelhausen hervorzuheben. Bis auf einen Ausrutscher hält der Tenor auch die hohen Lagen sicher und klar, seine gezielt gesetzten Verzierungen verwischen nicht ein einziges Mal. Nicht ganz so brillant ist der Alt von Yvi Jänicke. Sie klingt zwar sicher und voll tönend, bedient sich aber allzu intensiv eines stark modulierenden Vibratos, besonders auffällig ist dies in den Duetten mit dem klaren Sopran von Tanya Aspelmeier. Bass Thilo Dahlmann fügte sich mit einer sehr soliden Leistung ein.

Unter Klaus Vetters Hand

Diese Störungen sind jedoch leicht zu verschmerzen, wenn unter der mäßigenden Hand Vetters Sänger und Musiker die erste Fuge des Abends systematisch aufbauen und dabei nicht nur die Gestaltungsprinzipien dieser Mehrstimmigkeit verdeutlichen, sondern quasi ganz nebenbei hervorragende Musik vorführen.

Saubere Linienführung

Die Umsetzung Vetters überzeugt durch ihre klare, saubere Linienführung, die deutliche Trennung zwischen Vibrato und nichtmoduliertem Ton und besonders durch den effektvollen und geschickten Einsatz des Rubatos. Diese vor allem in der historischen Aufführungspraxis geübte Verzögerung einzelner Partien ist nach anfänglicher Begeisterung von zahlreichen Musikkritikern häufig geschmäht worden. Allzu oft versinkt die Melodie in klebrigem Brei, scheinen die Instrumente im Klangsumpf festzustecken. Vetter erliegt dieser Versuchung nicht, sondern nutzt das Rubato bewusst als Gestaltungsmittel.

Große Barockmusik

Das furiose Kyrie, Eingangssatz der h-Moll-Messe und Auftakt der Missa aus der Kantate 76, baut sich langsam auf, zeigt seine gestalterische Klarheit und die bei aller Formenvielfalt wunderbare Schlichtheit großer Barockmusik.

Und auch hier entwickelt sich die Chorfuge Schritt für Schritt, in jedem Detail nachvollziehbar. Den stärksten Effekt erzielt diese Interpretation durch den Kontrast zum nachfolgenden Gloria, den Jubelgesang auf die Ehre Gottes. Nach der verhaltenen Bitte um Gottes Erbarmen stürmen Chor und Orchester in jauchzendem Jubel voran.

Im November kommt die h-Moll-Messe


Nach diesem Vorgeschmack darf man gespannt sein auf die h-Moll-Messe im November. Schon jetzt, so versichert Vetter, „steht fest, dass wir mit dem Kourion-Orchester zusammenarbeiten werden“. Welche Gesangssolisten verpflichtet würden, sei noch nicht entschieden. 


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