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Medienhaus Lensing
05.10.2008 20:44 Uhr
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Chorfest 2008 in Münster: Die Pueri Cantores bevölkern die Innenstadt

MÜNSTER 2700 Kinder und Jugendliche haben am Samstag beim Chorfest der "Pueri Cantores" in Münster die Innenstadt mit gesang erfüllt. Die Kirchen waren voll, das Publikum angetan. Abends gab es ein großes Konzert im Dom.Heiko Ostendorf und Günter Moseler

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Stolz präsentieren die Sängerinnen und Sänger der Jugendkantorei am Eichstätterdom ihr Logo auf der Tonplakette. (Foto: Ostendorf)

Es herrscht reges Treiben in der Lambertikirche. Gerade sind die ersten Chöre abgezogen, da drängen am Samstag auch schon die nächsten Mädchen und Jungen ins Gotteshaus.

Sie ziehen nur die Jacken aus und stiefeln dann schnell aufs Podest. Die Jugendkantorei am Eichstätter Dom probiert noch kurz Johannes Brahms’ „Ave Maria“, doch die Kamera für die Organistin muss noch richtig eingestellt werden, damit sie den Dirigenten sehen kann.„Es ist spannend, aber auch sehr anstrengend“, sagt Sängerin Elisabeth Rehm über den Besuch der Bayern beim Chorfest der „Pueri Cantores“ in Münster. Viel von der Stadt haben die 37 Jugendlichen noch nicht sehen können. Am Freitagnachmittag sind sie angekommen – und gleich zur ersten Probe in die Kirche gefahren. „Wir haben wenig Zeit, die Stadt kennen zu lernen“, erzählt die 13-Jährige.

Das Chorfest gefällt den Sängern. Hier könne man sich mit anderen Gruppen vergleichen. „Wir haben festgestellt, dass wir gut im Schnitt liegen“, gibt Elisabeth ihre realistische Einschätzung ab. Andere sind da enthusiastischer. „Die Eichstätter waren super, wundervoll“, meint eine Münsteranerin und stürmt gleich weiter zum nächsten Konzert in der Clemenskirche. Währenddessen werden in der Lambertikirche die Dresdner Kapellknaben mit stehenden Ovationen gefeiert. „Das Fest ist ein Muss für jeden Chormusikfan“, ruft die Dame noch im Fortgehen.

Das Mottolied für dieses Treffen hat der Leiter der Eichstätter Jugendkantorei geschrieben. „Willkommen sind die Boten“, hat er das Werk benannt und ist glücklich darüber, wie gut seine Komposition in Münster ankommt. „Es war ein prickelndes Gefühl, als ich in der Mensa anstand und in einer Ecke bereits der Kehrvers meines Liedes angestimmt wurde“, freut sich Christian Heiß. Die Idee für die Melodie fiel dem Musiker beim Nachtspaziergang am Fluss ein. „Spannend wird jetzt, was mit dem Lied beim Festival passiert“, so Heiß. Schließlich müssen sowohl ein- als auch achtstimmige Chöre mit der Komposition zurechtkommen. Doch die Rückmeldungen seien bisher mehr als positiv, freut sich der Bayer. Er dreht sich um und dirigiert weiter. Für den großen Konzertabend im Dom.

Das Abschlusskonzert im Dom

Er schrieb eine Musik mit Heiligenschein und fand damit den Beifall der offiziellen Kirche: Giovanni Pierluigi da Palestrina (1525-1594) zog einen stolzen Schlussstrich unter babylonische Kontrapunktkünste und erhielt den Adelstitel „Erneuerer der Kirchenmusik“. Im das „Deutsche Chorfest 2008“ abschließenden Festkonzert mit 2700 singenden Kindern und Jugendlichen eröffnete vielleicht nicht zufällig Palestrinas „Incipit lamentatio“ mit dem Mainzer Domchor den Abend, eine Musik, deren Kontrapunkt mit geometrischer Exaktheit jeglichem dramatischem Furor auswich.

Wohlklang

Nicht ein Staubkorn leisesten Zweifels rieselte durch das Programm. Unter Domkapellmeister Mathias Breitschaft blieb es bei strengem Kontrapunkt und polyphonem Wohlklang. Orlando di Lassos „In monte oliveti“ wähnt sich wie Hans Leo Hasslers „Surrexit pastor bonus“ aller irdischen Beschwernis enthoben, die Knaben- und Männerstimmen des Chores zeigten sich den satztechnischen Verwicklungen gewachsen und bewiesen auf den harmonischen Abwegen von Rolf Lukowskys „Pater noster“ souveräne Stimmführung.

Butterzarter Psalm

Der „Mädchenchor am Kölner Dom“ unter Domkantor Oliver Sperling war ganz dem 20. Jahrhundert zugewandt. Der butterzarte Psalm „Peace upon you“ des Predigers Arvo Pärt deklinierte die Freuden des Glaubens – eher Brotaufstrich als Balsam für die Seele. Hier und in Reijo Kekkonens „Pacem relinquo vobis“ beeindruckte der Chor durch schwerelosen Tonfall und präzise Artikulation.

Der Osnabrücker Jugendchor unter Domchordirektor Johannes Rahe ließ nach einem hymnischen „El canto de ultreia“ aus dem Codex Calixtinus das 17. beständig mit dem 20. Jahrhundert kollidieren. Aber William Byrds Magnificat-Antiphon „Haec Dies“ besaß nicht weniger atmosphärische Dichte als Knut Nystedts zehnstimmiges „Adoro te devote“. Und Byrds „Laetentur caeli“ verlegte unterirdisch polyphone Linien wie Telefonkabel zu Oliver Messiaens „O sacrum convivium“. Ein überaus festliches Abschlusskonzert!


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