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Medienhaus Lensing
04.03.2010 21:36 Uhr
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Ausstellung in Münster: Die rätselhaften Welten von Christoph Worringer

MÜNSTER Zwei Dinge fallen sofort auf, wenn man Christoph Worringers Gemälde anschaut. Zum einen haben seine Figuren kein Augeninneres. Die Augen bestehen nur aus Höhlen oder aus Häuten ohne Pupillen. Zum Zweiten taucht immer wieder derselbe Mann auf. In manchen Bildern tummelt er sich gleich dutzendfach.Von Sabine Müller

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Rund 60 Gemälde und Zeichnungen von Christoph Worringer sind bis zum 30. Mai im Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte zu sehen. (Foto: Sabine Müller)

Wenn man dann den Künstler vor seinen Bildern stehen sieht, ist klar, wer dieser Mann ist: der Künstler selbst. Ein athletischer Typ mit schmalem Gesicht, kurzgeschorenem Haar und abstehenden Ohren. Er ist nachdenklich, etwas zurückhaltend. Seine Augen sind dunkel, wach und weiten sich neugierig hinter der Goldrandbrille, wenn man davon spricht, welche Gefühle seine Bilder auslösen.

Shooting-Star

Der 33-jährige, in Düsseldorf lebende Künstler wird als Shooting-Star gehandelt. Sechs Jahre lang, von 2001 bis 2006, studierte er an der Kunstakademie Münster und wurde vom münsterschen Galeristen Heiner Hachmeister unter die Fittiche genommen. Vor zwei Jahren entdeckte Landesmuseumsdirektor Dr. Hermann Arnhold Worringers Bilder bei Hachmeister auf der Art Cologne. „Ein so junger Künstler mit einem so ausgeprägten Stil ist singulär“, sagt Arnhold. „Er vertritt eine der wichtigsten Positionen in der deutschen Gegenwartsmalerei.“

Werkschau mit 60 Bildern

Die Ausstellung, die Arnhold nun zusammen mit Dr. Erich Franz für das Landesmuseum in Münster kuratierte, ist eine Werkschau: Es ist die erste umfassende Ausstellung von Worringers Arbeiten. 60 zum Teil großformatige Ölbilder hat Worringer in den vergangenen sechs Jahren geschaffen. Und fast alle sind im Altbau des Landesmuseums zu sehen. Dazu gibt es Zeichnungen sowie Skizzen und Vorstudien zu den Ölbildern.

Dunkel und unheimlich

Christoph Worringers Bildwelten stoßen ganz tief in der Seele etwas sehr Dunkles und Unheimliches an. Sie lassen den Betrachter erstarren wie die Figuren auf den Bildern selbst, die wie eingefroren scheinen. Die Szenen von Worringer wirken gespenstisch. Er wählt meist kühle Grün- und Blautöne, und selbst sein Rot wird durch den Lila-Schimmer kalt. Die Szenen sind rätselhaft. In dem Bild „Wie es beliebt“ spießt ein Augenloser kleine Abbilder seiner Selbst auf einen Dornbusch. In „Hundskopf“ trägt ein Mann ein Skelett Huckepack. In „Schneeball“ sitzt ein Obdachloser vor einer Baracke und hält sich eine Tüte über den Kopf. Je näher man den Bildern kommt, desto mehr entdeckt man auf ihnen kleine Szenen am Rande. Irritierende Dinge wie eine grinsende Comic-Katze, Soldaten, kleine weiße Punkte, eine Hand. „Der Betrachter soll Details wahrnehmen und physisch durchs Bild wandern“, wünscht sich Worringer.

Seine Malerei hat eine altmeisterliche Qualität, er zitiert Klassiker wie Dürer oder Velazquez. Auch die Lukasmadonna von Baegert, die in der Ausstellung „Aufgemischt“ einen Stock tiefer zu sehen ist, findet sich in einem Worringer-Bild als Bild im Bild wieder. Doch ist Manets „Frühstück im Grünen“ eine Idylle, gibt es bei Worringers „Frühstück“ Bier und Toast auf einem Leichenberg.
Das beeindruckendste Gemälde ist „Geleit“ aus dem Jahr 2009. Ein Triptychon, das einen Totenzug mit Sarg zeigt, bei dem die fast 30 Worringer-Figuren von links nach rechts betrachtet immer heftiger klagen und trauern.

Was ist wirklich?


Worringers Bilder sind vor allem eine Auseinandersetzung mit dem Begriff Wirklichkeit. Der Bezug auf sich selbst ist dabei keine narzisstische Selbstbeschau, er malt vielmehr eine Art Menschenmodell. Und auch wenn seine Malerei realistisch erscheint: Sie ist es nur vordergründig. Hier wird keine Wirklichkeit abgebildet. Seine Bilder sind eher wie eine Bühne für Möglichkeiten.
Letztendlich steht man – trotz Erklärungen, die in der Ausstellung bereit liegen – mit den Bildern alleine da, kühl und rätselhaft, wie sie sind. Und man versucht, seine eigenen Geschichten zu suchen.
  • Christoph Worringer“, Eröffnung  am Samstag (6. März) um 18 Uhr im Landesmuseum, Domplatz. Bis 30. Mai, Di-So 10-18 Uhr, Do bis 21 Uhr.
  • Katalog zur Ausstellung 29,80 Euro.
  • Künstlergespräch mit Christoph Worringer und Prof. Dr. Raimund Stecker, Direktor des Lehmbruck Museums Duisburg, am Mittwoch (10. März) um 20 Uhr. Eintritt: 4 Euro.


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