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Medienhaus Lensing
15.01.2010 17:29 Uhr
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Zeichner Rudolf Schöpper: Dunkle Bilder aus heiterer Feder

MÜNSTER Fast wirkt es, als hätte Rudolf Schöpper für seine Ausstellung im Franz-Hitze-Haus seinen eigenen Nachruf gezeichnet.Von Manuel Jennen

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Der Kuss des Judas. (Foto: Manuel Jennen)

Klein und alt stolpert er auf der Zeichnung über den Acker, einen Koffer in der Hand. Aber er fällt nicht hin. Eine riesige Hand aus dem Himmel leitet ihn sicher der Sonne entgegen.

Schöpper hat die Schau im Franz-Hitze-Haus nicht mehr erlebt, auf die er sich so gefreut hatte. Er starb am 5. Dezember 2009 im Alter von 87 Jahren.

Westfälischer Karikaturist

Der gebürtige Dortmunder lebte in Münster-Roxel. Schöpper war seit den 1960er Jahren als Buchillustrator und Karikaturist mehrerer Zeitungen populär – darunter auch die Ruhr Nachrichten in seiner Heimatstadt.

Doch nicht seine 7000 Karikaturen, die jüngst der Unibibliothek in Münster übergeben wurden, sind das Thema im Franz-Hitze-Haus. Dessen Leiter Thomas Sternberg wollte „den anderen Schöpper“ zeigen: den frommen Zeichner religiöser Motive, den schonungslosen Chronisten des Weltkriegs, den geistreichen Porträtisten großer Literaten.

Die Bilder im Hitze-Haus wurden noch nie ausgestellt, sie stammen aus dem Privatbesitz des Künstlers: „Schöppers Mutter hat alle Blätter ihres Jungen gesammelt“, sagt Sternberg. Selbst das allererste von 1933: Es zeigt eine traurig dastehende Familie samt Kindern und Hund unter dem Stichwort „Arbeitslos“. Ein erschreckendes Bild für einen Elfjährigen.

Reiter des Todes

Schockierenden Motiven ging Schöpper auch weiterhin nicht aus dem Weg. Dabei probierte er eine so große Palette an Stilen aus, als hätte er in drei Jahrhunderten gelebt.

Grauenhaft, aber kompositorisch wunderschön jagen die vier „Apokalyptischen Reiter“ auf eine deutsche Kleinstadt zu: halbtote Gestalten auf Pferden, streng nach der Weltuntergangs-Offenbarung des Johannes. Es ist eine Zeichnung, aber die Hell-Dunkel-Kontraste zwischen der nächtlichen Landschaft und der Fackel des ersten Reiters erinnern an eine Radierung aus dem 19. Jahrhundert.

Kuss des Judas

Die Leidensgeschichte Christi bewegte Rudolf Schöpper besonders. Ein Aquarell zeigt den verräterischen Kuss des Judas: Wie die Schlange um den Baum der Erkenntnis windet sich der Apostel um Jesus. Das komplementäre Rot und Grün der Gewänder signalisiert gleichzeitig Abgrenzung, aber auch unauflösliche Zusammengehörigkeit von Gut und Böse.

Asketischer sind die vielen Skizzen der Kreuzigung, die Christus teils aus ungewöhnlicher Perspektive zeigen. Etwa komplett aus der Seitenansicht – ein Blick, den weder der kirchliche Bilderkanon noch ein an der Wand hängendes Kruzifix bieten. Die Heiligenschein-Verklärung der Szene weicht der Realität eines leidenden Menschen.

Kindergebetbuch

Viel fröhlicher kommt der Glaube in einem Kindergebetbuch aus den 60er Jahren daher, das Schöpper illustrierte. Gott beschützt die Familie beim Mittagessen und auf dem Zebrastreifen, und von Ferne winkt Münsters Paulus-Dom. „Das Buch hatte ich als Kind“, sagt Thomas Sternberg – und viele Betrachter werden sich mit ihm an den Originalzeichnungen freuen.
  • Kardinal-von-Galen-Ring 50, bis 5. März während der Öffnungszeiten der Akademie, Eintritt frei.


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