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Medienhaus Lensing
05.01.2010 22:23 Uhr
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Ausstellung "Imagine": Gehn wie ein Ägypter

MÜNSTER Vögel zwitschern, der Muezzin ruft, fröhliches Lachen und laute Musik schallen durch den Raum. Gehupe, Getöse, Getümmel. Das ist Luxor. 24 Stunden Geräusche der Stadt, heruntergekürzt auf 45 Minuten. Das Band läuft in einer Endlosschleife in der Stadthausgalerie. Ein akustischer Schnupperkurs über Ägypten.Von Sabine Müller

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Was ist hier Maskerade? Die Schminke oder der Schleier? Das Bild ist auf Glas gemalt und stammt von Elke Seppmann. Zu sehen in der Ausstellung "Imagine". (Foto: Sabine Müller)

Er stammt von der Künstlerin Gisela Schäper. Der Raum im Rathausinnenhof beherbergt bis zum 7. Februar noch viele andere spannende Eindrücke des afrikanischen Landes. Es sind die Werke von acht Frauen des Künstlerinnenforums Münsterland, die sich vorgestellt haben, wie es dort wohl aussieht, im Reich des Orients.

Reise nach Luxor

Einige der Künstlerinnen hatten das Land bereits bereist, andere noch nie, als sie ihre Kunstwerke schufen. Im November letzten Jahres reisten sieben der acht Frauen dann mit ihren Bildern, Installationen, Objekten, Zeichnungen und Fotos für zwei Wochen nach Luxor und stellten dort in der Kunstakademie, der Faculty of Fine Arts, aus. Jetzt sind sie zurück. Und zeigen die Werke in Münster. „Imagine“ heißt der Titel der Ausstellung: Stell dir vor!

Angst und Skepsis

Anne Fellenberg hatte es sich furchtbar vorgestellt. „Ich bin mit Skepsis und Angst nach Ägypten gefahren“, gibt sie offen zu. Ein fremdes Land mit einer fremden Kultur, ein islamischer Staat. Jetzt sagt sie: „Ich bin total begeistert von dem Land.“ Vom Luxor-Fieber spricht sie. Und nicht nur sie.

Christa Maria Kirch erinnert sich noch gut an ihr erstes Ägypten-Erlebnis. „Kairo war shocking!“, sagt sie. „Ich dachte: So können Menschen doch nicht leben.“ Für sie war alles nur laut, dreckig, chaotisch. Dann weckte sie sich quasi selber auf: „Ich musste einfach akzeptieren, dass alles anders ist als das, was ich kannte.“ Und plötzlich, so erzählt sie, kam der Zauber. Plötzlich sah sie den blauen Himmel, tauchte ein in das Märchen aus 1001 Nacht.

Teppich mit Schuhen

Mittlerweile war sie öfter in Ägypten. Ihre Arbeit ist ein langer Teppich, gesäumt mit Schuh-Fotos, bedeckt mit einem blauen Tuch. „Ich habe in Ägypten zunächst Touristen, später sogar Ägypter gefragt, ob ich ihre Füße fotografieren dürfe.“ Sie durfte. So entstand „walk like an egyptian“ (gehn wie ein Ägypter). Ihre pinken Latschen, die sie selbst in Ägypten trug, liegen in der Mitte. Die ganze Teppich-Szene wirkt wie ein surreales Detail einer Moschee – die man nur ohne Schuhe betreten darf.

Für Elke Seppmann war Ägypten neu. Sie übt mit kleinen Glas-Bildern und Wortspielen sanft Kritik an Land und Leuten. Ein Bild zeigt eine Frau mit Tschador am Laptop, darunter steht das Wort „Chat“. Unter dem Bild einer geschminkten, verschleierten Frau steht „Mascara“. Was ist hier Maske: die Schminke oder der Schleier? Seppmann sagt, nachdem sie das Land kennen gelernt hat, würde sie die Arbeit heute anders machen. Ägypten ist nicht so einfach. „Ägypten ist anders. Ägypten ist ambivalent. Wenn man nicht da war, kann man es nicht begreifen.“

Blick auf Europa

Spannend ist auch der Film über die Ausstellung in Luxor. In Luxor haben neben den Deutschen nämlich auch 14 ägyptische Künstler ausgestellt. Sie hatten den umgekehrten Auftrag: mit ägyptischem Blick auf Europa zu schauen. 

Die Eröffnung ist am Mittwoch, 6. Januar 2010, 19 Uhr. Bis 7. Februar, Rathausinnenhof, Di bis Fr 12-18 Uhr, Sa/So 10-16 Uhr.


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