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Medienhaus Lensing
04.02.2010 21:30 Uhr
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Konzert in Münster: Jochen Distelmeyer: Kuschelig und kribbelig

MÜNSTER Jochen Distelmeyer ist ein höflicher Mensch. Er bedankt sich für den Applaus des Publikums einige Male mit den hübschen Worten: „Das ist freundlich!“ Das Gleis 22 in Münster ist voll, die Stimmung ist fröhlich.Von Sabine Müller

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Jochen Distelmeyer am MIttwochabend (3. Februar 2010) im Gleis 22 in Münster. Der Ex-Blumfeld-Sänger hat gerade sein Solo-Album "Heavy" auf den Markt gebracht. (Foto: Sabine Müller)

Die Entscheidung von Veranstalter Schoneberg, vom Metropolis in den keineren Club zu wechseln, hat sich als goldrichtig erwiesen. Distelmeyer, Ex-Blumfeld-Sänger und Schreiber intellektueller, sinnlicher Indie-Popsongs, fühlt sich sichtlich wohl in dem schnucklig-abgerockten Ambiente. Er möchte es für sich und seine vier Musiker sogar noch intimer haben, wünscht sich dämmrigeres Licht. „Mehr Puff“, raunt sein Kollege. Distelmeyer lacht.

Samtene Stimme

Er hat eine samtene und doch aufregende Stimme, die einen ganz kribbelig macht. Eine Stimme, die man gerne zum Einschlafen hört, an die man sich kuscheln möchte, die sich anfühlt wie ein Synthetik-Kissen – weich, anschmiegsam und doch wie elektrisierend auf der Haut. Eine einsame Akustikgitarre von ihm, dazu die Textzeile „Heller Wind und silbern fällt der Regen auf die Welt“ – und der Regen wird nie mehr farblos sein.

Beschwörung der Utopie

Distelmeyer zeigt in seinen Songs an diesem Abend all seine Ichs, entwirft seine Glücksmodelle und seine Utopie der Freiheit, beschwört immer wieder die Kraft der Liebe. Dabei schöpft er musikalisch aus allen Epochen seines Schaffens. Er ist an diesem Abend der Headbanger: Er schüttelt sein halblanges Haar, während er bei „Hinter der Musik“ schrammelige Akkorde klotzt. Und er ist der ruhige Naturlyriker, der seinen „Sommervogel“ so langsam flattern lässt, dass man mitfliegen kann. „Einfach so“ mit seinem treibenden Stampf-Rhythmus lässt die Luft vibrieren. „Immer wieder Liebeslieder“ ist Erotik pur. Distelmeyer lärmt, ist schräg, findet immer den besonderen Schlenker in der Melodie, der das Leichte doch anspruchsvoll macht. Sehr freundlich von ihm. 


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