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Medienhaus Lensing
24.11.2010 19:38 Uhr
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Ausstellung: Künstler beleben alte Fabrikhalle

MÜNSTER Die Halle ist abgenutzt, der Boden grob und fleckig, ätzende Säure hat ihn gefressen. Farbe klebt dick und fettig an einem porösen Stahlträger. Diese Industriebrache steht nicht im Ruhrgebiet, sondern in Münster. Sie wird jetzt zum Kunstraum.Von Sabine Müller

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Schanze-Künstler Tassilo Sturm und sein Floß in der alten Nettesheim-Fabrik in Münster. (Foto: Sabine Müller)

Bis vor sechs Jahren nutzte die Firma Nettesheim die Halle an der Wienburgstraße für die Produktion von Reinigungsmitteln. Jetzt stellt die Künstlergemeinschaft Schanze in den verlassenen Räumen aus. Die Künstler dürfen sie kostenfrei nutzen – und vielleicht findet sich ja jemand, der dieses Kleinod langfristig zu einem Stück Industriekultur machen möchte. Das Potenzial ist da.

Über zwei Etagen strecken sich die 600 Quadratmeter, neun Künstler haben sie mit 50 großformatigen Installationen und Gemälden gefüllt. In jedem Raum ist anderes Licht, gleißend, milchig, dämmrig; in jeder Ecke gibt es Entdeckungen zu machen. Auf einem Schild steht „Vorsicht ätzend“, auf einem anderen „Selbstglanz“, drumherum wölbt sich ein Plastikschlauch. Ist das jetzt Kunst oder Fabrikzubehör? „Wir spielen mit dieser Unsicherheit“, erklärt Künstler Stefan Rosendahl. „Man fragt sich hier, wie und wo Kunst sich abgrenzt.“ Seine riesigen orangefarbenen Knie-Skulpturen stehen in der Halle, und selbst sie sehen so aus, als gehörten sie hierher. Neben ihnen: eine Frau auf Knien. Die weiße Puppe von Anke Gollup putzt den Boden – eine Reminiszenz an die ehemalige Verwendung der Halle.

Fotostrecke Schanze-Künstler

Die Bilder mit Architektur- und Baummotiven von Dieter van Offern wirken in der sachlichen Umgebung besonders eindrucksvoll. Das fahle Licht macht sie einsam, fast morbide. Einsamkeit ist auch ein Thema von Tassilo Sturm. In der ersten Etage hat er sein „Floß“ aufgebaut. Ein gelbes Zelt auf grauen Tonnen und Trägern, das im Wasser zu einer schwimmenden Insel wird, ohne Steuermöglichkeit, treibend. „Wie im richtigen Leben“, so Sturm. Hier steht das Floß eingekeilt von Betonpfeilern, verdammt zur Bewegungslosigkeit. Gegenüber als Kontrast: eine dynamische Tanzszene, fotografiert von Matthias Zölle.
Klaus Teschnig nähert sich der Welt ganz anders: Er möchte ein Album der Gesellschaft anlegen. Seine Gemälde zeigen Zeilen aus einem Brief einer Universität, ein Bild von Bob Dylan aus einer Zeitschrift: „Alles zufällig ausgewählte Stücke, die ich vor dem Vergessen rette“, sagt er.

Auch die Halle haben die Künstler mit ihrer Ausstellung aus dem Vergessen geholt. Sie vollziehen einen, so der Ausstellungstitel, „Ortswechsel – ganz groß“.

ZUR SACHE
Eröffnung: 25. November, 19 Uhr in der ehemaligen Fabrikhalle der Firma Nettesheim, Wienburgstraße 195, Münster. Zu sehen bis 19. Dezember, Fr/Sa 16-20, So 14-18 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung unter Tel. (0172) 4 03 19 70. 


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