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Medienhaus Lensing
21.03.2010 22:35 Uhr
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Konzert: Leuchtende Matthäus-Passion in der Mutterhauskirche

MÜNSTER In der Mutterhauskirche der Franziskanerinnen kam ein großes Werk zur Aufführung: die Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach. Michael Schmutte und der Chor canticum novum machten daraus ein paradiesisches Ereignis.Von Günter Moseler

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Der Chor canticum novum aus Münster. (Foto. pd)

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usik ohne Bach ist wie eine Welt ohne Wasser. Kaum ein Werk scheint derart in den innersten Weltkern vorzudringen wie die „Matthäus-Passion“ von Johann Sebastian Bach. Die Leidens- und Sterbensgeschichte Jesu Christi zieht vorüber als exemplarische Geschichte menschlicher Verfehlungen und Sehnsüchte. Jedes kleinste Leben ist hier von größter Bedeutung, der anonyme Schreihals in der Menge ebenso wie der zaudernde Statthalter Pilatus oder der leugnende Apostel Petrus.

In der Mutterhauskirche der Franziskanerinnen boten am Samstag der Chor canticum novum sowie die Norddeutschen Barocksolisten unter Michael Schmutte eine Interpretation dieses Wunderwerks voller Elan und lyrischer Dringlichkeit.
Bereits im Einleitungs-chor „Kommt, ihr Töchter“ herrschte ein zügiges Tempo, blieb die engmaschige Polyphonie transparent und fielen die gestischen Einwürfe mit theatralischer Schärfe. Das zwielichtige Klima dieses Abschnitts „Salbung in Bethanien“ nahm Schmutte unangestrengt auf, es wirkte noch in den hysterischen Ausbrüchen „Ja nicht auf das Fest“ nach, in denen die rhetorische Energie der Hohepriester wie ein explosives Gift rumorte.

Heilsbotschaft


Klanglich intensiv die Choräle, deren zerknirschte Innigkeit im finalen „Wenn ich einmal soll scheiden“ in der schwerelosen Diktion des Chores wie ein bestürzender Neuanfang klang. Chorische Vehemenz und Wucht vertieften die Zuspitzung der Heilsbotschaft aufs Äußerste: bei den eskalierenden Wutausbrüchen „Sind Blitze, sind Donner in Wolken verschwunden“, in den geifernden Hasstiraden „Der du den Tempel Gottes zerstört“ bis zur hoffnungsfrohen Traurigkeit des Schlusschores „Wir setzen uns in Tränen nieder“.

Die Leistung der Solisten

Gernot Heinrich (Tenor) sang die Rolle des Evangelisten mit wohldosierter Emphase, Ralf Ernst (Bass) verlieh der Gestalt des Jesus die Wucht eiserner Integrität, während Christian Hilz (Bass) die Verzweiflung des Judas in der Arie „Gebt mir meinen Jesum wieder“ mit peinigender Ruhelosigkeit verkörperte. Veronika Winter führte ihren klangschönen Sopran durch die lichten Gefilde pastoraler Demut und Hilke Andersen (Alt) sang mit leuchtender Stimme die Arie „Erbarme dich, mein Gott“, und es war schon so, als sei die Musik jenes paradiesischen Glücks inne, das der Glaube nur beschwört.



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