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Medienhaus Lensing
26.01.2012 19:46 Uhr
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Chillida-Ausstellung im Picassomuseum: Liebeserklärung ans Meer

MÜNSTER. Es gibt eine schöne Anekdote über Eduardo Chillida (1924 - 2002). Ein Elektriker hantierte einen Tag lang in Chillidas Atelier, während der Künstler an seinen Skulpturen arbeitete. Am Abend verabschiedete sich der Elektriker mit den Worten: „Jetzt weiß ich, was sie machen: Musik in Stahl.“ Das Picassomuseum in Münster zeigt 130 Werke des „Komponisten der Stille“.Von Sabine Müller

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Der Traumamboss aus Eisen wirkt hart und weich zugleich. Eduardo Chillida verstand es, dem gewichtigen Material Geschmeidigkeit und Anmut zu verleihen. »Die ganze Bildhauerei«, sagt sein Sohn Ignacio, »ist eine Arbeit gegen die Schwerkraft.« (Foto: Sabine Müller)

Kuratiert von Chillidas ältestem Sohn Ignacio, bildet die Retrospektive den Auftakt zu einer Reihe internationaler Ausstellungen und Veranstaltungen zum 10. Todestag des großen Bildhauers. Der Start in Deutschland, zudem im Museum von Chillidas Landsmann Pablo Picasso, freut den Sohn besonders: „Mein Vater ist in Deutschland beinahe bekannter als in seiner Heimat. Er sagte einmal, er selber spreche kein Deutsch, aber seine Skulpturen.“ Zehn Monumentalskulpturen von Chillida bereichern in der Bundesrepublik den öffentlichen Raum. Bekannt ist die Stahlskulptur „Berlin“ vor dem Kanzleramt, Münsters Rathausinnenhof zieren zwei riesige Bänke.

In Münster ist ein Querschnitt durch das imposante und vielfältige Werk zu sehen. Frühe Zeichnungen üppiger Frauen, filigrane Eisenskulpturen, die an ländliche Gerätschaften seiner baskischen Heimat erinnern, weiße Alabaster-Kuben, die das Licht herausfordern, gebrannte Tontafeln mit schwarzen Mustern; seine energiegeladenen „Traumambosse“ lassen Eisen sanft und geschmeidig erscheinen. Chillida erobert den Raum sehr poetisch. Er bezwingt das Material nicht, er bringt es zum Strahlen, erkennt seine „Melodie“. Selbst Papier macht er zur Skulptur.

Mini-Plastiken

Es sind nicht nur die kolossalen Gebilde, die den Atem rauben. Es sind die filigran anmutenden Plastiken im Miniatur-Format. Wer vor den hinreißenden acht Versionen der „Windkämme“ im ersten Stock steht, apart und wirkmächtig in Szene gereiht, hat tatsächlich das Gefühl, sie auf Anhieb zu verstehen. „Auch die kleinen Skulpturen sind monumental“, sagt Ignacio Chillida. Und das ist nicht übertrieben.

Der Gedanke, den Wind kämmen zu wollen, begleitet Eduardo Chillida quasi sein Leben lang. Im Jahr 1952 beginnt er mit den ersten „Peines del viento“ – 25 Versionen folgen, die letzten entstehen zwei Jahre vor seinem Tod. Die Reihung im Picassomuseum macht den gedanklichen Reifungsprozess sichtbar. Anfangs formt Chillida Gebilde, als träfen sich die Klingen zweier Äxte. Bei einer späteren Version verwickeln sich Stahlstreben zu einem Knäul. 1974 findet Chillida „die endgültige Formulierung seines Bildgedankens“, so Museumsleiter Markus Müller. Aus einem Stahlblock winden sich vier Finger, die den leeren Raum zu krallen versuchen (die wunderbaren Zeichnungen von Händen im ersten Raum verraten den Ursprung des Motivs).

Ein Foto zeigt die Vervollkommnung der Kamm-Idee 1977 in der Bucht von San Sebastián: Stählerne Riesen-Tentakel wachsen aus drei Felsen heraus, so angeordnet, als wollten sie sich Erde, Wasser und Luft einverleiben. Der Stahl selbst ist rostrot wie das Feuer. Die Bezwinger der Elemente sind zugleich Fremdkörper in der Natur und mit ihr vereint, scheinen sie zu besiegen, aber auch an ihrer Gewalt zu zerschellen. Zwischen Himmel, Horizont und Meer wirken sie plötzlich wie die Miniaturen im Museum.

„Architekt der Leere“

Eduardo Chillida selbst bezeichnete sich als „Architekt der Leere“. Zwei Lehrmeister habe er gehabt: das Meer und Johann Sebastian Bach. Seine grafische Hommage an den Komponisten hängt im zweiten Stock, gedruckt von Sohn Ignacio. Die Liebeserklärung ans Meer – sie klingt im Grunde in jedem Werk mit.

28. Januar bis 22. April, „Eduardo Chillida“, Kunstmuseum Pablo Picasso, Picassoplatz 1, Münster, Di bis So 10-18 Uhr. Führungen sind donnerstags um 16.30 Uhr, Sa/So und feiertags um 15 und 16.30 Uhr. Der Katalog zur Ausstellung ist im Hirmer Verlag erschienen, 225 S., 29,80 Euro.
Am 9. Februar gestalten Dr. Alfred Pohlmann (Picassomuseum) und Markus Kopf (Städtische Bühnen) eine Führung und Lesung. Am 8. März gibt es ein Konzert mit Werken Johann Sebastian Bachs.
www.kunstmuseum-picassso-muenster.de
 


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