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Medienhaus Lensing
12.03.2010 17:28 Uhr
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Barclay James Harvest: Soft-Rock im Breitwand-Sound

MÜNSTER Nach Pop-Maßstäben zählt die Band längst zu den Dinosauriern der kurzatmigen Rock-Kultur. Wenn Barclay James Harvest, von Fans und Chronisten kurz BJH genannt, dann aber leibhaftig vor einem stehen, machen sie durchaus noch einen ziemlich agilen Eindruck. Zumal mit Les Holroyd auch nur noch ein Gründungsmitglied der 1967 formierten britischen Gruppe dabei ist.Von Klaus-Peter Heß

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esser am Bass als bei Stimme: Les Holroyd von der Gruppe Barclay James Harvest in Münster. (Foto: Jean-Marie Tronquet)

Auf der Gegenseite der Bühne sieht es – wiederum nach Pop-Richtlinien gemessen – altersmäßig nicht viel anders aus. Der Blick in die nur mäßig gefüllte Jovel Music Hall entlockt einem Zuschauer gar den lauthalsen Gruß „Willkommen zur Ü40-Fete.“ Wobei sich auch der Anteil der Ü50-Fans durchaus sehen lassen kann.

BJH haben viele Anhänger, die mit ihnen groß geworden sind und ihnen noch immer die Treue halten. Nicht nur aus purer Nostalgie, sondern weil die Musik bei ihnen noch immer Anklang findet.

Hang zum Pathos

Während viele andere Bands aus den Gründerjahren des Genres aber ausschließlich in der eigenen Hit-Kiste kramen oder sich gar dem Massengeschmack anbiedernd durch musikalische Stilrichtungen quälen, die mit ihren Ursprüngen nicht mehr viel gemein haben, vertrauen BJH auf das, was sie schon immer wollten und noch am besten können: Soft-Rock mit dem Hang zum Pathos, eingängige Melodien, die durch permanente Wiederholung nicht schlechter werden, Balladen-Breitwandsound gemischt mit wabernden Sphärenklängen und viel Raum für Langzeit-Improvisationen des Solo-Sechssaiters.

Das gilt übrigens auch bei den neuen Kompositionen. Konsequenz statt Kniefall vor den Gesetzen des Kommerzes.

Das Instrumentarium ist entsprechend angerichtet: mehrstöckige Keyboard-Türme links und rechts auf der Bühne. Mellotron auf elektrischem Piano auf Mini-Moog. Umfangreiches Schlagzeug hinter Plexiglasverschlägen im Hintergrund. E- und Akustikgitarren im Vordergrund und natürlich immer wieder die fette Dröhnung von Les Holroyds Bass aus der allerersten Reihe.

Aus der Frühzeit

Manches Intro erinnert dabei zwar verdammt an Pink Floyd („Rock ’n’ Roll Star“), aber ansonsten ist die Band ganz bei sich. „Mocking Bird“ bleibt in der ersten Runde denn auch der einzige Hinweis auf die Frühzeit der Gruppe. Und offenbart leider auch dauerhaft ihre einzige Schwäche. Denn Holroyds Stimme ist brüchig geworden und vor allem in den hohen Stimmlagen nicht immer Herr der Lage. Was früher samtweich formuliert wurde, klingt nun ein wenig scharfkantig und angestrengt.

Der allmählich ansteigenden Stimmung tut das keinen Abbruch. Als BJH ihre Dauer-Hits „Hymn“ und „Life is for living“ anstimmen, brandet riesiger Beifall auf, es wird textsicher mitgesungen und rhythmisch geklatscht. Feuerzeuge bleiben allerdings aus. So weit wollen die alten Semester im Publikum dann doch nicht gehen.


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