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Medienhaus Lensing
07.07.2010 11:45 Uhr
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Münsterland-Krimiband : Wilsberg trifft Wencke

MÜNSTER Die Idylle ist an allem schuld. „Die Idylle im Münsterland fordert heraus, sie mit Blut zu beträufeln“, sagt Sandra Lüpkes. Die Krimiautorin sowie ihr Lebensgefährte, Kollege und Wilsberg-Erfinder Jürgen Kehrer haben eine ganze Meute von Blutträuflern um sich geschart und einen Münsterland-Krimiband herausgegeben.Von Sabine Müller

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Krimi-Riege (v.l.): Eva Maaser, Sandra Lüpkes, Dorothea Puschmann, Regula Venske, Gisa Pauly, Jürgen Kehrer, Adam Riese. (Foto: Sabine Müller)

„Mörderisches Münsterland“ heißt das Buch, das 18 Kurzkrimis von Bocholt bis Warendorf versammelt. „Wir haben Autoren, die einen Bezug zur Region haben, gebeten, mitzumachen“, so Lüpkes gestern bei der Buchvorstellung. „Fast alle haben zugesagt – und die, die nicht zusagten, hatten ein gutes Alibi.“

Regula Venske sagte zu. Sie überrascht mit einem sehr durchtriebenen Mordwerkzeug: einer vergifteten Hostie. Vielleicht eine kleine Rache, weil Venske als evangelisches Kind im katholischen Münster so sehr gelitten hat, wie sie erzählt. Bei der in Reken geborenen Eva Maaser gibt es ein kulinarisches Opfer. „Ein Kaninchen entwickelt eine fatale Wirkung“, verrät die Autorin. Die Münsteranerin Gisa Pauly erzählt die mörderische Geschichte eines Casanovas mit angeblichen Potenzproblemen.

Neu auf dem Krimi-Gebiet ist Musiker und Moderator Adam Riese. In seinem ersten fiktionalen Text überhaupt hat er seine Vergangenheit aufgearbeitet. Seine Geschichte spielt im Jahr 1986 in einer Disco, in der die Band „Chinese Takeaways“ ihr Konzert beendet, indem sie das Publikum mit Pizzen bewirft. „Die Disco ähnelt dem legendären münsterschen Odeon“, gesteht Riese. „Und die Pizzaschlacht hat es dort tatsächlich gegeben. Mit meiner eigenen Band.“ Eine Leiche gibt es auch. Zumindest in der Geschichte.

Viel Alkohol

Ein Highlight des Buches ist der gemeinsam geschriebene Krimi der beiden Herausgeber: Kehrers Privatdetektiv Wilsberg trifft auf Lüpkes Ermittlerin Wencke Tydmers. Eine wunderbare Begegnung, die mit viel Alkohol beginnt und an den Rohrbach-Fall erinnert, der Ende der 50er Jahre bundesweit für Wirbel sorgte. Kinder entdeckten damals den zersägten, kopflosen Körper von Hermann Rohrbach im Aasee. Beschuldigt wurde seine Ehefrau Maria Rohrbach, doch sie wurde aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Das Ermittlerteam trennt sich allerdings wieder: „Das passt nicht so mit den beiden“, wehrt Kehrer ab. Einen Wilsberg/Tydmers-Kriminalroman werde es also nicht geben.

Regionalkrimi boomt

Der Sammelband ist Teil einer Reihe des KBV-Verlages, die „Mordlandschaften“ Deutschlands vorstellt. „Der Regionalkrimi boomt“, sagt Pressesprecherin Simone Pressel. „Es gibt keinen Landstrich mehr in Deutschland, der nicht seine eigenen Krimiautoren entdeckt hat.“

Um authentischer schreiben zu können, haben sich einige der münsterländischen Autoren von der Rechtsmedizinerin Dr. Karin Varchim-Schultheiß beraten lassen. „Ich bin begeistert, was die Autoren daraus machen“, sagt die Münsteranerin. Doch so hart wie sie schreiben sind einige gar nicht. „Das Papier stinkt ja nicht“, bemerkt Regula Venske. Bei einem Vortrag von Varchim-Schultheiß musste sie passen: „Mir wurde schlecht, als ich die Bilder sah.“ Eva Maaser geht es genauso: „Sich Gruseliges auszudenken ist okay, aber ich könnte nie in der Pathologie arbeiten.“


  • Die Premierenlesung mit Sandra Lüpkes, Jürgen Kehrer und Gisa Pauly ist am 23. September um 20.30 Uhr in der Thalia Buchhandlung in Münster.
  • Sandra Lüpkes, Jürgen Kehrer (Hg.): Mörderisches Münsterland, KBV, 283 S., 9,90 Euro.


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