Staatstheater in Sicht? Experten-Vorschläge zur "Kunst NRW"
DÜSSELDORF/MÜNSTER Das Theater Essen und die Bühnen der Stadt Köln sollen Staatstheater des Landes NRW werden. So lautet zumindest der Vorschlag einer Expertenkommission, die ihren Abschlussbericht „Kunst NRW“ gestern an Ministerpräsident Jürgen Rüttgers übergeben hat. Auch Münster kommt in dem Bericht vor.
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Seit November 2007 hatten zehn Experten Antworten auf die Frage gesucht, mit welchen kulturpolitischen Maßnahmen NRW international bekannter gemacht werden kann. Unter dem Vorsitz von Heinz Dürr (Ex-Vorstandschef der Bahn AG) grübelten Fachleute, die nicht in NRW arbeiten. Darunter Frank Baumbauer als Intendant der Münchner Kammerspiele.
Zu ihren spektakulärsten Vorschlägen gehören ein Pina Bausch-Archiv, die Ernennung des Kölner Gürzenich-Orchesters zur Staatsphilharmonie und ein literarisches Zentrum. Der Ankaufsetat der Staatskanzlei für Kunst soll von einer auf zehn Millionen wachsen. Unter den Empfehlungen findet sich auch diejenige, das „Konzerthaus Dortmund verstärkt zu fördern“. Die Kunststiftung NRW will hier ein Musikprojekt mit dem bekannten Gustav Mahler Chamber Orchestra mitfinanzieren. Die Verhandlungen laufen.
Biotop für hohe Qualität
Bei der Vorstellung des Berichtes zog der Münchner Intendant Baumbauer eine geradezu vernichtende Bilanz der Theaterarbeit in NRW. Theater aus NRW sei „wenig konkurrenzfähig“, meinte er. „Die Kommunen sind nicht mehr in der Lage, Theater auf einem Niveau zu fördern, das sie international wettbewerbsfähig macht.“ Und die Auswahl der beiden Staatstheater-Standorte? Es gehe darum, dort, „wo ein Biotop für hohe Qualität vorhanden ist, dieses zu stärken.“ Was Staatstheater kosten würden, hat die Kommission ausgerechnet: In Essen soll das Land den Zuschuss auf fünf, in Köln auf vier Millionen steigern. Das Schauspielhaus Bochum kommt in dem Bericht überhaupt nicht vor.
Dass außerdem alle kommunalen Theater in den kommenden drei Jahren 15 Prozent mehr Geld bekommen sollen, gehört zu den Ideen, die ins Geld gehen. Das würde nämlich mit elf Millionen Euro zu Buche schlagen.
50 Millionen „als Daumenkalkulation“, so Heinz Dürr, würde es im ersten Jahr kosten, die 20 Vorschläge und zehn Empfehlungen anzugehen. Wahrscheinlich ist das aber nicht. „Wir werden jetzt erst einmal in den Diskussionsprozess einsteigen“, so NRW-Kulturstaatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff.
Pilotprojekt in Münster?
Am Rande empfahlen die Experten ein Gutschein-System für verbilligten Eintritt bei Kulturveranstaltungen, das in Münster als Pilotprojekt starten soll. Der Clou: Statt auf hinteren Theaterstühlen zu sitzen, sollen die Tickets für attraktivere Plätze gelten. Keine neue Idee, gibt Expertenratsmitglied Prof. Michael Hutter vom Wissenschaftszentrum Berlin zu. Im Ausland liefen bereits Tests „mit gemischtem Erfolg“. Die Idee sei gut, aber nicht genug Menschen nutzten das Angebot. Die Experten empfehlen, die Auswertung der Tests abzuwarten. Die Kosten lägen bei 5 Millionen Euro.








