Medienhaus Lensing
05.10.2008 20:12 Uhr
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Film "Heimatkunde": Titanic-Mitherausgeber lief einmal um Berlin herum

MÜNSTER Für Begegnungen mit den einfachen Menschen von der Straße sollte einem Politiker kein Weg zu weit sein. Martin Sonneborn wanderte für die Dokumentation „Heimatkunde“ vorbildlich einmal um Berlin herum, entlang der früheren Grenze, um zu sehen, ob Ost und West mittlerweile verwachsen sind. Im ausverkauften Cinema in Münster erzählte er von seiner Reise.Michael Brandes

Der Mitherausgeber der Satirezeitschrift „Titanic“ ist zugleich Vorsitzender einer Partei namens „Die Partei“, die zur kommenden Bundestagswahl antritt. „Der Regisseur Andreas Coerper hatte zuerst Frau Merkel und Herrn Westerwelle gefragt, die hatten aber Terminprobleme“, behauptet Sonneborn. Seine Füße trugen ihn in vier Wochen 250 Kilometer weit. Auf seiner Reise trifft er nicht nur auf etliche ästhetisch fragwürdige Fundsachen, sondern auch auf „viele interessante Leute, von denen ich nie geahnt hätte, dass es sie gibt“.

Erschütternd wenig Wissen

Am meisten überrascht hat ihn die Sichtweise vieler Ostler auf ihre Vergangenheit: „Bei den Älteren hatte ich das Gefühl, ihnen sei mit dem Ende der DDR der Sinn ihres Daseins genommen worden. Bei den Jüngeren war erschütternd, wie wenig sie über die Zeit wissen.“ Eine Jugendliche antwortet im Film: „DDR, das war sowas wie Krieg.“

Kamerascheue Zonenrandbewohner traf er nicht, alle waren zutraulich: „Durch das Unterschichtenfernsehen der Privatsender sind die Leute inzwischen so geprägt, dass sie es für normal halten, wenn sich zwei unterhalten und eine Kamera daneben steht.“ Nur eine Dame, mit der er in einem verdreckten Gartenpool planscht, sträubte sich zunächst, „aber dann hat die Eitelkeit doch gesiegt“.

Besser als das DDR-Modell

Vor dem Premieren-Publikum schlüpft der private Sonneborn in die Rolle des Politikers und legt für seine Partei, die den Wiederaufbau der Mauer fordert, einen schlagfertigen Propagandaauftritt aufs Parkett: „Die Mauer ist ein menschliches Grundbedürfnis. Man will sich abgrenzen vom Nachbarn nebenan, aber auch von ungeliebten Nachbarregionen.“ Natürlich soll der neue Schutzwall ästhetisch anspruchsvoller wirken als das frühere DDR-Modell, das ja auch nicht so lang gehalten habe.
Auch wenn man Sonneborn im Film ansieht, dass ihm das Schicksal einiger seiner kurzzeitigen Wegbegleiter durchaus nahe geht, werden daraus doch keine bleibenden Bekanntschaften. Kontakt hat er zu niemandem mehr: „Man kann nicht nach jedem Film einen Freund mit nach Hause nehmen.“

Das Cinema in Münster zeigt „Heimatkunde“ ab kommendem Donnerstag (9. Oktober).

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