David Garrett in Münster: Jubel für den James Dean der Violine
MÜNSTER Schönen Menschen glaubt man gern aufs Wort. Als der deutsch-amerikanische Geiger David Garrett in Münster die Bühne betrat, raunte eine Dame ihrer Nachbarin zu: „Im Internet gibt es sogar Bilder oben ohne!“
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Zarter Beethoven
Dabei begann Garrett, von der ukrainischen Pianistin Milana Chernyavska mild umworben, mit der Violinsonate G-Dur op. 96 von Ludwig van Beethoven, einem Stück rigoroser Zurückhaltung. Hier demonstrierte er natürliches Spiel, schmetterlingsleicht flatterte sein zarter Violinton durch die kristalline Höhenluft der Klavierstimme und fädelte sich mit nervöser Anmut in die fragilen Zonen des Rondothemas ein. Die Pianistin verlieh den ornamentalen Begleitfiguren die zeitlupenhafte Schönheit eines Schneetreibens.
Unbekümmert
Garrett forcierte Unbekümmertheit und Spontaneität, sein umstandsloser Einsatz nach dem Begrüßungsapplaus ignorierte bewusst die klassische Attitüde. Er sprang vom Alltag in die Kunst wie vom Dreimeterbrett und ersparte sich dabei keinen Salto.
Der prophetischen Tollkühnheit des jungen Johannes Brahms im „Scherzo F.A.E.“ rückte er im schwarzen Oktavendonner des Klaviers mit scharfen Akzenten zu Leibe.Edvard Griegs Violinsonate Nr.3 c-Moll op.45 umgibt ein Hauch von Stummfilmmusik, Schmelz und Schmalz umranken den Mittelsatz „Romanza“ wie Efeu. Garrett entblätterte die süße Melodie liebevoll mit süffigen Portamenti, tobte sich im Elfenfinale aber auch lustvoll aus.
Musik für den Sektempfang spendierte Pablo de Sarasate in seinen „Zigeunerweisen“ op. 20, Garretts Pizzicati perlten und schäumten, der Stargeiger glänzte als Stehgeiger, der die Musik auf die Straße gezaubert hat. Dabei bewies der glücksbeschwipste Jubel, dass auch göttliche Musik erhört wird, wenn ein attraktiver Engel sie vom Himmel holt.
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