Star-Geiger David Garrett machte es in der Halle Münsterland melodramatisch
MÜNSTER Manche Männer können auf zwei Hochzeiten gleichzeitig tanzen – und nebenher beiden Bräutigamen noch die Bräute abspenstig machen. Ein Mann mit dieser Ausstrahlung ist offensichtlich David Garrett.
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Mit „Band & großem Orchester“ war Garrett in Münster angereist, um im rasanten Crossover-Stil durch die musikalischen Gezeiten zu surfen. Stück für Stück, Song für Song bastelte Garrett an seiner Hitpyramide, die altertümelnd tröstende Schatten übers Publikum warf. „Es wird heute Abend eine bunte Mischung geben“ hatte der Meister strahlend verkündet, als er mit dem Pomp eines römischen Gladiators in die Hallenarena einzog.
Schluchzer
Es wurde eine unvorstellbare Vorstellung, mit deftigen Drückern, Schluchzern und melodramatischem Vibratissimo. Garretts Charme ist unwiderstehlich, mit lockerem Jackett, Jeans und Turnschuhen wirkt er wie ein neuzeitlicher Prophet bedeutender Musik, die endlich jedermann verstehen kann. Er gab den Beau, der sich auch vor dem Abstieg in die Unterwelt der musikalischen Warenwelt nicht fürchtete.
Der Beat kracht
Während auf einer gigantischen Projektionsfläche im Hintergrund flüssige Prismaformen die Farben wechselten, wurde auf der Violine scharf geschossen, krachte der Beat durch Bizets elegante „Carmen-Fantasie“ und durch Vivaldis zitternden „Winter“ – wie ein Sattelschlepper durchs Blumenbeet. Auch Bachs „Air“, die „wunderbar mit modernen Elementen funktioniert“, röstete Garrett am Marterpfahl eines Dauerfortissimos.
Sein blendendes Lächeln toppte das Fortissimo noch, wenn er von seinen rockigen Eigenkompositionen plauderte. Dann wieder hüpfte er in den himmelblauen Hintergrund der Bühne. Rundum ein himmelblaues Konzert.









