Performance: Zeitung lesen ist Kunst!
MÜNSTER Oliver Breitenstein ist der Traum jedes Journalisten. Der münstersche Künstler malt bei seiner Performance im Kleinen Bühnenboden keine Bilder, formt keine Skulpturen und spielt kein Theater. Stattdessen liest er – Zeitung.
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Information bewältigen
„Es ist heutzutage ein Zwiespalt“, sagt er, „einerseits muss man sich über die Ereignisse informieren, es wird immer wichtiger, sich zu informieren. Andererseits haben die Leute immer weniger Zeit. Und man wird auf allen Kanälen von Informationen überrannt.“
Deshalb habe er sich gedacht: „Ich suche mir jetzt als Künstler mal einen festen Job, bei dem ich drei Stunden pro Tag in Ruhe Zeitung lesen kann.“ Glücklicherweise fand sich sogleich eine Gelegenheit, denn im Kammertheater Kleiner Bühnenboden wollte Betreiber Georgios Weyand eine neue Kunst-Reihe starten. Der lesende Oliver Breitenstein ist der offizielle Startschuss.
Ohne große Geste
Nur: Worin liegt denn der Kunstcharakter der Aktion? Zeitungslesende Menschen kann man an vielen Orten beobachten, in der Stadtbücherei, im Café. „Ich weiß“, sagt Breitenstein, „eigentlich ist meine Performance eine ganz banale Tätigkeit in einem Kunstrahmen. Aber gerade das finde ich spannend. Ich wollte keine große Geste, ich wollte auch nicht die gelesenen Artikel auswerten und den Leuten die Welt erklären.“
Und die Performance wirkt bereits. Leute kommen in den Bühnenboden, plaudern mit dem Künstler, schauen sich die abgestempelten Titelseiten an und sagen: „Wir würden auch gern Zeitung lesen.“ Das ist eine fabelhafte Kunst-Erkenntnis. Und sie kann wahr werden!
Performance bis 7. Februar täglich von 11 bis 14 Uhr, danach Ausstellung bis 9. März. Kleiner Bühnenboden, Münster, Schillerstraße 48a.












