Tanz: Tetris im Pumpenhaus: Zuschauer stecken in Käfigen
MÜNSTER Dass es beim Tanztheater trotz aller Dynamik äußerst exakt zugeht, hat man schon immer vermutet. Wie exakt, davon konnte sich das Publikum bei der Noa Dar Dance Group im Pumpenhaus leibhaftig überzeugen.
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Für „Tetris“ hat die israelische Choreografin Noa Dar einen doppelten Boden gebaut, der sich etwa 1,70 m über der normalen Bühne befindet und mit Löchern versehen ist, durch den die Zuschauer ihre Köpfe stecken. Auf diese Weise sind sie nicht nur mitten drin im Geschehen, sondern werden zudem Teil einer surreal anmutenden Installation. Kleine Gitterkäfige über den Köpfen verhindern, dass es zu unerwünschten Kollisionen mit den Knien und Ellenbogen der Tänzer kommt, wenn diese wie Kaninchen durch das Salatfeld aus Gesichtern hoppeln.
Geniale Inszenierung
Dass man während der Aufführung sowohl von den anderen Zuschauern wie auch von den Protagonisten immer wieder neugierig beäugt wird, gehört zum Konzept dieser großartig-genialen Inszenierung. Denn es geht um die Aufhebung der Grenzen zwischen privatem und öffentliche Raum, die hier durch eine radikale Verschiebung der Perspektive geleistet wird. Die Nähe zum teils ekstatischen Treiben der Tänzerinnen und Tänzer definiert die Rolle des Publikums neu, indem es den distanzierten Beobachter zum unmittelbar Beteiligten macht.
Nach einer halben Stunde wird der Zuschauer aus seinem Salatkopfdasein befreit. Eine Zeitlang darf er vom Boden aus das fledermausartige Rumturnen der Tänzer auf der doppelten Bühne verfolgen. Dann muss er wieder ins Loch. Diesmal allerdings in ein anderes. Wer vorher die Schweinwerfer im Rücken hatte, wird jetzt direkt angestrahlt. Durch das Gegenlicht und das erhöhte Niveau der Bühne verändert sich auch die Architektur des Veranstaltungsortes. Das Pumpenhaus mutet plötzlich wie ein Dachboden an, auf dem eine sozialistische Cheerleader-Staffel für die nächsten Weltjugendspiele übt. Und man selbst ist ein Mäuschen, schaut aus seinem Loch raus und wundert sich.
Weitere Termine: heute (Mittwoch, 9. September), 19 und 21 Uhr.









