Kino-Parodie: Ben Hur - Wagenrennen mit dem Putzeimer
MÜNSTER Stellen Sie sich vor, Sie gehen ins Kino, um sich einen Klassiker anzuschauen: „Ben Hur“. Doch schon beim Vorspann geht die Filmrolle (von 1959) kaputt. Wo diese ärgerliche Geschichte endet, da fängt komisches Theater an.
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Und das tun sie dann auch. Die drei Angestellten sind Carolin M. Wirth, Ilja Harjes und Tim Mackenbrock, allesamt Schauspieler der Städtischen Bühnen Münster. Und der erboste Wüterich ist einer ihrer Kollegen: Frank-Peter Dettmann. Die vier spielen „Ben Hur“, die fiktive Lebensgeschichte des jüdischen Fürsten aus dem 1. Jahrhundert – ohne richtige Bühne, in einem Kinosaal des Cineplex in Münster. Und ohne irgendwelche „richtigen“ Requisiten. Ein grandios komisches Ereignis, das zum neues Kult-Stück avancieren könnte.
Verrückte Variante
Regisseur Dirk Böhling, der in Münster bereits den „Kleinen Horrorladen“ schrill und erfolgreich inszenierte, hat sich das Theaterstück „Ben Hur“ des englischen Autors Rob Ballard vorgenommen. Der hat eine verrückt-komödiantische Variante des Klassikers geschrieben, die im Kinosaal gut ankam.
Da es kein richtiges Bühnenbild gab, mussten als Hintergrundbilder die schwedischen Urlaubsfotos einer Familie herhalten, während diverse Kleidungsstücke als „Kostüme“ (Esther Bätschmann) verwendet wurden: Ein schicker pinker Fahrradhelm war die ehrenvolle Kopfbedeckung des römischen Feldherrn Messala.
Der Fürst ist eine Frau
Da die einzigen Sandalen nur der Frau (Carolin M. Wirth) passten, wurde sie in die Rolle des judäischen Fürsten Ben Hur gezwängt, was der Story Monthy-Python-Qualität verlieh. Denn schließlich wollte die Frau viel lieber eine Liebesszene spielen, als sich mit Messala ein Wagenrennen zu liefern.
Doch der visuelle Höhepunkt auf der Leinwand musste auch davor stattfinden, und so rasten die Darsteller mit den Putzwagen des Kinobetriebes durch die Gänge – vor, neben und hinter den Zuschauern entlang. Ganz wie in der filmischen Vorlage blieb auch hier so manches Rad auf der Strecke. Auch die Füße musste man bei diesem Tempo rasch einziehen.
Erst rudern, dann ertrinken
Selbst harte Arbeit scheuten einige Zuschauer nicht, als sie mit dem weiblichen Ben Hur zusammen die Galeere ruderten. Mit ihren Rudern (Besen!) klopften sie im Rhythmus des Trommlers „We will rock you“, ehe sie auf Befehl von Quintus Arrius den lautlosen Tod durch Ertrinken starben.
Böhling ließ das Stück enden, als es am Schönsten war, nach dem Wagenrennen. Ganz wie beim Film auch. Begeisterter Applaus für das geniale Ensemble, schallendes Gelächter während des Stückes – ein voller Erfolg.
- Weitere Termine: 21. und 25. Februar, 7. März (mit Filmvorführung) sowie 14. und 24. März im Cineplex in Münster. Karten gibt es an der Theaterkasse unter Tel. (0251) 59 09-100 und an der Kinokasse unter Tel. (0251) 98 71 23 33.









