TV-Zauberflöte von 1964: Salzburgs schöne, böse Königin
MÜNSTER. Klassik-Sammler freuen sich auf den Juli – denn wenn die Salzburger Festspiele beginnen, erscheinen auch immer neue Folgen der „Salzburger Festspieldokumente“. Seit Beginn der 90er Jahre gibt das Festival Mitschnitte großer Opern- und Konzertabende heraus.
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Doch eine ganz zentrale Produktion blieb bisher ausgespart: Die „Zauberflöte“ des ungarischen Dirigenten Istvan Kertesz von 1964 gab es in uralten Zeiten als Piratenmitschnitt bei Melodram auf LP und sie wurde von Kritikern über den grünen Klee gelobt. Aber in der offiziellen Reihe erschien sie nie.
Technische Pioniertat
Jetzt ist sie da – und zwar nicht nur als Rundfunkmitschnitt auf CD, sondern als Fernsehaufnahme auf DVD. Wer hätte gedacht, dass es so alte Filmdokumente aus Salzburg gibt? Nur neun Jahre zuvor, bei der Eröffnung der Wiener Staatsoper 1955, hatte das Fernsehen zum ersten Mal eine Oper gefilmt (Mozarts „Don Giovanni“) – technisch dürftig. 1964 ist alles schon viel besser. Mehrere Kameras, zahlreiche Schnitte, ein guter, etwas bassarmer Ton, der auf einer Stereo-Anlage angenehm zu hören ist.
Otto Schenk inszeniert
Die eigentliche Sensation aber ist die Aufführung selbst. Otto Schenk war der Regisseur: ein Star an der Wiener Staatsoper, dessen üppige, lebendige und werkgetreue Inszenierungen dort heute noch im Programm sind. Selbst schwarzweiß ist die Pracht seiner unzähligen Bühnenbilder und spektakulären Verwandlungen zu spüren. Interpretiert wird wenig, gespielt aber lustvoll und mit viel Witz.
Königin aus der Met
Dazu singt ein Ensemble aus dem Mozart-Himmel. Allen voran die Amerikanerin Roberta Peters als Königin der Nacht: Die makellose Koloratur der ersten Arie mit dem ausgehaltenen hohen F ist schon bombastisch, die zweite Arie („Der Hölle Rache“) ein mythisches Ereignis. Dazu ist die Peters, die 30 Jahre lang die New Yorker Met beherrschte, so schön wie Audrey Hepburn und herrlich hysterisch.
Ein wunderschönes Paar sind auch Waldemar Kmentt und Pilar Lorengar als Tamino und Pamino. Walter Berry war der berühmteste Papageno seiner Zeit und verbindet Belcanto mit klugem, granteligem Wiener Humor. Dirigent Istvan Kertesz entlockt den in riesiger Besetzung spielenden Wiener Philharmonikern erstaunlich zarte Klänge in klassisch ausgeglichenen Tempi.
Man kann von dieser DVD 168 Minuten lang nicht mehr lassen. Ein wunderbarer Trost für Opernfreunde, die in Salzburg nicht live dabei sein können. Manuel Jennen
VAI (Video Artists International) 4520 TT; ca. 30 Euro; bestellbar z.B. bei JPC.













