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Begrenztes Kontingent für Ausländer
Fitness nur für Deutsche?
Von Oliver Brand am 8.09.2009 22:00 Uhr
NRW Ausländer in Nordrhein-Westfalen haben offenbar nicht immer problemlos Zugang zu Fitnessstudios. Migrantenvertretungen sprechen bei dieser sogenannten Ausländerquote offen von „Diskriminierung und Rassismus“.
Türkisches Paar
Für Sengül Ersan und ihren Mann Özem bleiben die Türen zur Fitness Hall verschlossen.
Foto: Goldstein
Jüngster Fall: Der Geschäftsführer eines Fitnessstudios in Lünen verwehrte einem Paar mit Migrationshintergrund die Aufnahme wegen seiner Nationalität. Er begründete dies mit der „schlechten Zahlungsmoral und leichten Reizschwelle südländischer Männer“. Kein Einzelfall.

Für Empörung sorg laut Hartmut Reiners, Geschäftsführer des Anti-Rassismus Informations-Centrums NRW (ARIC-NRW) in Duisburg derzeit auch ein Fall in Dortmund. Hier wurde einer Frau mit Migrationshintergrund von den Betreibern verboten, im Fitnessstudio ihr Kopftuch zu tragen.

Viele Beschwerden

Laut Reiners kommt es immer wieder zu Beschwerden über Fitnessstudios, die sogenannte Ausländerbeschränkungen hätten. Ein ehemaliger Mitarbeiter einer NRW-weit bekannten Kette wurde zuletzt in der Tageszeitung „taz“ mit den Worten „Die wollen keine Ausländer haben, und das ist Konzernpolitik“ zitiert.

Mit Sorge beobachtet auch die Arbeitsgemeinschaft der kommunalen Migrantenvertretungen (LAGA) NRW die aktuellen Vorfälle. LAGA-Referent Siamak Pourbahri spricht von einem „stark diskriminierendem Verhalten gegenüber ausländischen Mitbürgern“.
Widerspruch kommt aus der Fitness-Industrie: „Wir sind Wirtschaftsunternehmen, und nur mit vielen Mitgliedern – egal welcher Herkunft – verdienen wir am Ende Geld“, so McFit-Sprecher Björn Köllen.

Kein neues Problem

„Nein, neu sei ihm das Problem der sogenannten „Ausländerquote“ ganz sicher nicht, sagt Hartmut Reiners Hartmut Reiners, Geschäftsführer des Anti-Rassismus Informations-Centrums (ARIC-NRW) in Duisburg. „Beschwerden über die Nichtaufnahme von ausländischen Mitbürgern in Fitnessstudios erreichen uns immer wieder“, sagt Reiners.

In der jüngeren Vergangenheit geschehen in Duisburg, aber auch in Hagen, Dortmund oder aktuell in Lünen. Dort erfuhr unlängst das türkischstämmige Paar Sengül und Özem Ersan, wie schwer es Ausländern bisweilen gemacht wird, einem Fitnessstudio beizutreten. Der Betreiber verweigerte ihnen die Mitgliedschaft. Weil offensichtlich nicht alle aufgenommen werden, die man für Ausländer hält.

Ausländerkontingent

„Es gibt dort ein Ausländerkontingent, das nicht überschritten werden darf“, sagt Sengül Ersan. Diese sei ihr auf hartnäckige Nachfrage bestätigt worden. Geschäftsführer Ronny Mallwitz beschreibt es auf Anfrage dieser Zeitung so: „Die Frau hätten wir aufgenommen. Es geht um ihren Freund. Wir haben ein massives Problem mit südländischen Männern.“

Äußerungen, die weder Hartmut Reiners noch Siamak Pourbahri von der Landesarbeitsgemeinschaft der kommunalen Migrantenvertretungen (LAGA) NRW nachvollziehen können. „Diese Aussagen sind rassistisch“, sagen beide. Selbst Mallwitz gibt offen zu, dass man die angewandte Praxis als „diskriminierend und rassistisch empfinden könnte“. Aber: Mallwitz glaubt, keine andere Wahl zu haben: „Wir diskriminieren, weil wir diskriminieren müssen.“

Immer wieder Beschwerden

Wenn man die Zahl „südländischer Männer“ nicht begrenze, blieben viele andere Kunden weg, insbesondere Frauen. Es gebe immer wieder Beschwerden. „Die südländischen Männer haben ein gewisses Temperament im Blut“, meint Mallwitz. Auch hier kann Siamak Pourbahri nur den Kopfschütteln. „Ich würde dem Betreiber eine interkulturelle Schulung empfehlen. Denn offensichtlich sind die Vorurteile noch sehr groß.“

Auf Fehlverhalten im Einzelfall mit Rauswurf zu reagieren, statt bestimmte Gruppen pauschal auszuschließen, hält Mallwitz für nicht praktikabel: „Wenn eine junge deutsche Frau zum Probetraining kommt und sieht hier fast nur südländische Männer, dann kommt die nie wieder. Jedem eine Chance zu geben funktioniert nicht. Ich will Geld verdienen.“ 
 
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