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Impfstoffmangel für Babys - Es gibt Alternativen
am 8.02.2010 17:28 Uhr
Der akute Lieferengpass bei Impfstoffen für Babys ist auch durch die Produktion des Schweinegrippe-Impfstoffs entstanden.
Baby-Impfung
Ein Baby wird geimpft. Zurzeit sind mehrere Impfstoffe des Pharmakonzerns Glaxosmithkline nicht lieferbar.

Der britische Pharmakonzern Glaxosmithkline (GSK) räumte am Montag ein, dass er die Abfüllung eines Substrats für den Baby-Vierfach-Impfstoff verlagert und so Verzögerungen in Kauf genommen hatte. Es gibt jedoch nach Angaben des zuständigen Paul-Ehrlich- Instituts (PEI/Langen) alternative Impfstoffe von anderen Firmen.

Der Pharmakonzern GSK berichtete unter anderem über Engpässe beim Vierfach-Impfstoff Priorix-Tetra und dem Sechsfach-Impfstoff Infanrix Hexa. PEI-Sprecherin Susanne Stöcker betonte, dass der Pharmakonzern Sanofi Pasteur MSD Alternativen biete. Allerdings müssen dabei mehrere Impfstoffe nacheinander gespritzt werden.

Der Sechsfach-Impfstoff wirkt gegen Diphtherie, Wundstarrkrampf, Kinderlähmung, Keuchhusten, HiB-Infektion und Hepatitis B - er wird ab der achten Lebenswoche verabreicht. HiB (Haemophilus influenza b) infiziert die Atemwege und kann auch auf die Hirnhäute übergreifen.

«Besonders gefährlich für Säuglinge sind HiB-Infektionen und Keuchhusten, die so schwere Komplikationen hervorrufen können, dass sie zum Tode führen», sagte der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), Wolfram Hartmann, in Köln. Gegen Keuchhusten können sich Eltern impfen lassen, damit sie ihre Säuglinge nicht anstecken.

Nach GSK-Angaben wird der Sechsfach-Impfstoff Ende Februar wieder lieferbar sein; zu Lieferverzögerungen könne es jedoch bis ins zweite Quartal des Jahres hinein kommen. Als Ersatz nannte das PEI einen Fünfach-Wirkstoff, der mit einer einzelnen Hepatitis-B-Impfung kombiniert werden könne. Jeder Säugling ist im ersten Lebensjahr dreimal zu impfen. Da der Impfstoff dabei nicht gewechselt werden soll, müssen diese Babys nun dreimal je zwei Impfungen bei zwei Arztterminen erhalten. Beim Sechsfach-Impfstoff gibt es laut GSK Lieferengpässe durch Verzögerungen bei der Qualitätskontrolle.

Viele Babys ab dem elften Monat werden mit der Vierfach- Kombination gegen Mumps, Masern, Röteln und Windpocken von GSK geimpft. Auch hier gibt es laut PEI Alternativprodukte. Nach Auskunft einer GSK-Sprecherin wird der Vierfach-Impfstoff je nach Packungsgröße voraussichtlich von Anfang bis Ende März wieder verfügbar sein. Ein Grund der Lieferungsverzögerung des Vierfach- Impfstoffs sei die Produktion des Schweinegrippe-Impfstoffs Pandemrix.

BVKJ-Präsident Hartmann übte scharfe Kritik am Pharmakonzern GSK. «Wir können nicht akzeptieren, dass die Kinder-Sicherheit gefährdet wird, weil sich ein Pharmaunternehmen aus wirtschaftlichen Gründen für die Produktion lukrativerer Impfstoffe entscheidet.» Bei einer stabilen Geburtenzahl von 670 000 bis 680 000 pro Jahr sei der Bedarf an Impfstoff ganz klar kalkulierbar. «Man weiß vorab genau, welche Menge nötig ist. Diese Mengen müssen über Lieferverträge gesichert sein. Die Impfstoffe sind mehrere Jahre haltbar und können auch mühelose eingelagert werden.»

GSK habe Anfang Januar die Kinderärzte auf drohende Engpässe hingewiesen, Ende Januar war es schon so weit, kritisiert Hartmann. «Es wurde so kurzfristig informiert, um Hamsterkäufen vorzubeugen.» Nun sitzen dem Verbandspräsidenten zufolge schon viele Arztpraxen auf dem Trockenen. Ärzte, die noch Restmengen haben, sollten auf Auffrischungen verzichten, um stattdessen noch Erstimpfungen für Säuglinge zu ermöglichen.

Auch die SPD kritisierte die Engpässe bei Impfstoffen für Kinder. «Das ist eigentlich unverantwortlich von den Herstellern», sagte die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Elke Ferner am Montag in Berlin. «Man hätte - als man die Verträge abgeschlossen hat - sicherstellen müssen, dass es da keine Lieferengpässe gibt», sagte Ferner mit Blick auf die Bestellung der Schweinegrippe-Impfstoffe der Bundesländer im vergangenen Juli.

 
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