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Die Zahl der Toten hat sich nochmals erhöht. 21 Menschen sind bei der Loveparade am Samstag in Duisburg gestorben. (Foto: dpa)
Unbestätigten Medienberichten zufolge will sich der Oberbürgermeister von Duisburg im Rat der Stadt zur Abwahl stellen. Dies sei am Freitag aus der Umgebung des Oberbürgermeisters bekannt geworden, schreibt faz.net.
Zuvor gab es wiedersprüchliche Informationen. Er werde im Amt bleiben, ließ Sauerland am selben Tag über seinen Sprecher bekräftigen. Am Freitag wurde bekannt, das die Linke im Rat der Stadt seine Abwahl beantragt hatte. Der Antrag sei am Donnerstag abgeschickt worden, bestätigte Linken- Fraktionschef Hermann Dierkes. Die FDP werde den Antrag unterstützen, sagte FDP-Ratsherr Wilhelm Bies.
Unterdessen bereitet sich die Ruhrgebietsstadt auf eine weitere Großveranstaltung vor: Zur Trauerfeier an diesem Samstag werden mehrere zehntausend Menschen erwartet.
Bundespräsident Christian Wulff, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) und Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) wollen in der Salvatorkirche mit den Angehörigen trauern. Oberbürgermeister Sauerland und Loveparade-Chef Rainer Schaller haben angekündigt, mit Rücksicht auf die Angehörigen nicht an der Trauerfeier teilzunehmen.
Sauerland trage die politische Verantwortung und hafte damit auch politisch für mögliche Fehler seiner Mitarbeiter, sagte der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU) dem ZDF. „Ob ich eine Verfügung unterschrieben habe oder nicht, ist völlig zweitrangig.“
Auch der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Hans-Peter Uhl (CSU), sieht Sauerland klar in der Verantwortung. Dass der Oberbürgermeister nach eigener Aussage keine einzige Genehmigung selbst unterschrieben habe, ließ Uhl nicht gelten. „Auflagenbescheide unterschreibt der OB nie selbst, aber sie werden in seinem Auftrag unterschrieben, und er hat als Chef der Stadtverwaltung die Verantwortung“, sagte er der „Financial Times Deutschland“ vom Freitag.
Fotostrecke Protestaktion in Duisburg
Unterstützung erhielt Sauerland vom Vize-Chef der Unionsfraktion im Bundestag, Günter Krings (CDU): Der Oberbürgermeister dürfe nicht zum Sündenbock der Loveparade-Katastrophe gemacht werden. „Ich wundere mich schon, dass sich diese Diskussion so sehr auf eine einzelne Person konzentriert, obwohl doch klar ist, dass gerade so ein Großereignis im Vorfeld von einer Vielzahl von Personen, vor allem von einer Vielzahl von Behörden beurteilt wird“, sagte Krings am Freitag der dpa. „Da machen es sich manche zu einfach. Man hat hier schon das Gefühl, dass ein Sündenbock gesucht wird.“
Der Chef des Kulturhauptstadt-Projekts „Ruhr.2010“, Fritz Pleitgen, betonte, dass die Spitze der CDU Sauerland dringend helfen müsse. „Der Oberbürgermeister Sauerland ist ein sehr beliebter Oberbürgermeister gewesen, aber offensichtlich jetzt nicht der Situation gewachsen“, sagte er im ZDF-„Morgenmagazin“. Die Lage sei für Sauerland derzeit sehr schwierig - unter anderem auch finanziell.
Wenn Sauerland sein Amt aufgibt, verliert er sämtliche Pensionsansprüche. Er bekäme dann nur eine vergleichsweise niedrige gesetzliche Rente. „Er verliert nicht nur die Beamtenpension als Verwaltungschef, sondern auch seine Altersbezüge als ehemaliger Berufsschullehrer“, sagte der Haushaltsexperte des Bundes der Steuerzahler Nordrhein-Westfalen, Heiner Cloesges, der dpa.Wenn der Rat der Stadt Sauerland abwählen sollte, bekäme er dagegen gut 3700 Euro Pension.
Der amtierende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Nikolaus Schneider, forderte, die Verantwortlichen für die Katastrophe müssten klar benannt werden. „Das ist auch ein wichtiges Element für Menschen, die trauern“, sagte Schneider im Deutschlandradio Kultur. Er soll am Samstag mit dem Essener Bischof Franz-Josef Overbeck den ökumenischen Gottesdienst zum Gedenken an die 21 Opfer leiten.
Fotostrecke Tiefe Trauer um Opfer
Der tödliche Verlauf der Duisburger Loveparade hat auch ein parlamentarisches Nachspiel. Am kommenden Mittwoch wird der Innenausschuss des nordrhein-westfälischen Parlaments zu einer Sondersitzung zusammenkommen. Die Mitglieder des Innenausschusses werden dafür aus dem Urlaub zurückgerufen.
Noch immer liegen 25 Verletzte seit dem Unglück im Krankenhaus. Die Staatsanwaltschaft ermittelt weiter „gegen unbekannt“. „Daran wird sich erst etwas ändern, wenn eine bestimmte Verantwortlichkeit gegen eine bestimmte Person erkennbar wird“, sagte Sprecher Rolf Haferkamp. „Wir müssen die Kausalkette vom Ereignis zurückverfolgen und sämtliche Fakten sammeln. Da spielen sehr viele Faktoren ineinander.“ Die Kölner Polizei hat 63 Beamte eingesetzt, die wegen fahrlässiger Tötung ermitteln.
Die Staatsanwaltschaft trat am Freitag Bedenken an der Neutralität der Ermittlungen entgegen: Wenn Kölner Polizisten, die am Loveparade- Einsatz teilgenommen haben, als Zeugen vernommen werden, würden dazu keine Kölner Ermittler eingesetzt. Zuvor waren die Ermittlungen aus gleichem Grund bereits der Duisburger Polizei entzogen worden.