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Medienhaus Lensing
01.08.2010 15:41 Uhr
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Gedenkgottesdienst für Loveparade-Opfer: "Loveparade wurde zum Totentanz"

Duisburg 21 Kerzen für die 21 Opfer der Tragödie: In einer bewegenden Trauerfeier haben Angehörige, Rettungskräfte und hohe Politiker am Samstag in Duisburg für die Toten der Loveparade gebetet.dpa

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Teilnehmer der Loveparade-Trauerfeier. 

In einer bewegenden Trauerfeier und bei Gedenkzügen haben rund zehntausend Menschen in Duisburg der Opfer der Loveparade gedacht. Die Menschen nahmen in den Kirchen der Stadt, im Fußballstadion und bei Trauerzügen am Wochenende Abschied von den 21 Toten der Katastrophe. Millionen trauerten während der Übertragung des zentralen Gottesdienstes in den eigenen vier Wänden mit.

Bundespräsident Christian Wulff und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprachen den Angehörigen ihr Mitgefühl aus. „Die Loveparade wurde zum Totentanz“, fasste der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Nikolaus Schneider, das tragische Geschehen vom 24. Juli zusammen. Trotz des schrecklichen Geschehens feierte die Technoszene bereits wieder. Drei Nächte lang tanzten beim Hunsrück-Festival Nature One 55.000 Raver zu dröhnenden Elektrobeats.

Fotostrecke Loveparade-Trauergottesdienst

Beim Gedenkgottesdienst in der Duisburger Salvatorkirche versprach Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) am Samstag den Angehörigen Aufklärung, wer für die Massenpanik mit 21 Toten die Verantwortung trägt. Von den mehr als 500 Verletzten liegen noch immer 25 im Krankenhaus. Wulff regte die Einsetzung eines Ombudsmannes, die Einrichtung eines Hilfsfonds für die Opfer und ihre Hinterbliebenen sowie ein Frühwarnsystem vor Großveranstaltungen an.

Familien und Freunde konnten nach dem Gottesdienst - abgeschirmt von der Öffentlichkeit - an der Unglücksstelle um ihre Toten trauern. Später zogen 5000 Trauernde in die Nähe der Unglücksstelle und ließen symbolisch 21 schwarze und 511 weiße Luftballons für die Toten und Verletzten steigen. Auch am Sonntag zogen Hunderte Trauernde durch die Stadt.

Tausende verfolgten die einstündige Übertragung des Gottesdienstes in zwölf Kirchen und im Fußballstadion des MSV Duisburg. Dort fanden sich statt der erwarteten Zehntausenden nur 2600 Besucher zusammen. Auf dem Rasen lag ein schwarzes Holzkreuz, auf dem Kerzen brannten. „Wir kamen in Freude, Liebe und Vertrauen. Jetzt sind wir tot, verletzt und traumatisiert. Musste das sein?“, hieß es auf einem Transparent.

Wulff will den Einsatz der Helfer würdigen. „Ich werde die ehrenamtlichen Helfer, die Leben gerettet und Menschen geholfen haben, nach Berlin einladen und auszeichnen“, sagte er der „Bild am Sonntag“.

Am Tunnel, dem Zugang zur Loveparade, lagen schon vor der Trauerfeier Kränze von Wulff, Merkel und anderen Repräsentanten. Die schwarzen, roten und dunkelgelben Blumen darauf symbolisieren die Nationalfarben. Sie liegen in einem Meer von Kerzen, die die Menschen abgestellt haben. In Deutschland war Trauerbeflaggung angeordnet.

Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) fehlte bei der Gedenkfeier ebenso wie Loveparade-Veranstalter Rainer Schaller. Sauerland hatte gesagt, er wolle die Trauernden nicht provozieren. Die Linken im Rat haben inzwischen einen Abwahlantrag gestellt. Sauerland selbst hat sich bislang gegen einen Rücktritt vor der Aufarbeitung der Tragödie gewehrt.

Schaller hat bislang keinen Kontakt zu den Opferfamilien aufgenommen. Zur Begründung sagte er der „Bild am Sonntag“: „In der jetzigen Phase der Trauer möchte ich nicht stören. Er wolle sich später mit den Angehörigen treffen. Jetzt gehe es um die Aufklärung. „Für mich ist erst einmal wichtig, aufzuklären, wer welche Verantwortung trägt. Und welche Verantwortung wir dabei haben. Und diese Verantwortung werden wir dann tragen. Auch ich persönlich.“

Nicht nur der Oberbürgermeister und der Streit um das Sicherheitskonzept stehen im Blickpunkt öffentlicher Diskussionen. Medien berichten über Schwachpunkte in der Zusammenarbeit zwischen den Sicherheitsleuten des Veranstalters und der Polizei vor allem im Zugangsbereich zur Party-Zone. Letztes Endes sei nicht schnell genug gehandelt worden.

Bundespräsident Wulff warnt vor Vorverurteilungen. Die Ermittlungen sollten abgewartet werden, sagte er dem WDR-Radiosender 1Live. Er forderte dazu auf, „organisatorische Konsequenzen“ zu ziehen: „In Zukunft muss sichergestellt sein, dass Kinder und Jugendliche bedenkenlos zu Großveranstaltungen fahren können.“ Dazu gehöre, dass die Verantwortlichen insbesondere das Internet als Frühwarnsystem nutzen.

„Ich würde mir wünschen, es gebe eine Stelle von Bund und Ländern, die bei Veranstaltungen mit 250.000 oder 500.000 Teilnehmern eben dann auch dieses Erfahrungswissen aller Beteiligter, auch der Besucher und Besucherinnen nutzbar machen würde“, sagte Wulff. Schon früh sei in Internetforen vor einer Katastrophe mit Toten gewarnt worden.

Im Zuge der Debatte um neue Regelungen für Großveranstaltungen warnte der rheinland-pfälzische Innenstaatssekretär Roger Lewentz (SPD) vor Aktionismus. Mit Blick auf Bestrebungen von Nordrhein- Westfalen, neue bundesweite Regelungen zu erreichen, sagte er der dpa: „Ich rate von Schnellschüssen jeder Art ab.“ Mecklenburg- Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU) will sich für einen klaren Kriterienkatalog für Großveranstaltungen einsetzen. Er erwarte, dass dies auf der nächsten Innenministerkonferenz beraten wird, sagte er am Sonntag dem Rundfunksender NDR Info in Hamburg.



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