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Medienhaus Lensing
28.07.2010 17:45 Uhr
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Loveparade - die Katastrophe: NRW-Innenminister Jäger sieht Verantwortung beim Veranstalter

DÜSSELDORF NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) sieht die Verantwortung für die tödliche Katastrophe bei der Loveparade hauptsächlich beim Veranstalter. Die Lovapent GmbH habe ihr Sicherheitskonzept nicht umgesetzt, sagte Jäger. Lopavent-Chef Rainer Schaller weist dies zurück. dpa

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Zahlreiche Menschen besuchen die Unglücksstelle der Loveparade. Bei der Panik während der Loveparade waren am Samstag, 24. Juli, 21 Menschen ums Leben gekommen, hunderte wurden verletzt. (Foto: dpa)

Die Stadt habe der Polizei die Genehmigung des Bauamts erst am Samstag auf Drängen ausgehändigt, sagte Jäger. „Ich spüre die Stimmung in der Öffentlichkeit. Es wird als unerträglich empfunden, dass nicht gesagt wird, was passiert ist“, sagte der Minister. „Was ich als ebenso unerträglich empfinde, ist die Tatsache, dass die Verantwortung auf Seiten der Veranstalter und der Stadt als Genehmigungsbehörde abgeschoben wird.“

Ordnungssystem zusammengebrochen

Der Minister stellte am Mittwoch einen vorläufigen Bericht der Duisburger Polizei zum Loveparade-Unglück vor, bei dem 21 Menschen starben und mehr als 500 verletzt wurden. 25 davon lagen am Mittwoch noch in Krankenhäusern.

Das Ordnungssystem der Veranstalter sei an vielen Punkten zusammengebrochen. So sei das Gelände statt um 11 Uhr erst kurz nach 12 geöffnet worden, berichtete der Inspekteur der Landespolizei, Dieter Wehe. Schon zu diesem Zeitpunkt hätten sich große Rückstaus an den Einlassschleusen gebildet.

Die Polizei hat alles getan

Am westlichen Tunneleingang sei die Hälfte der Schleusen zunächst gar nicht von Ordnern besetzt gewesen. Dadurch hätten sich dort zeitweise bis zu 20.000 Angereiste aufgestaut. Die Wartenden seien vor den Schleusen bereits unruhig und aggressiv geworden.

Um 15.30 Uhr habe der Veranstalter die Polizei schließlich um Hilfe gebeten, nachdem „das Geschehen außer Kontrolle geraten“ sei, berichtete Wehe. „Als das Ordnungssystem der Veranstalter zusammenbrach, hat die Polizei alles getan, was der Veranstalter zu tun hätte - die Menschen davor zu schützen, erdrückt zu werden“, sagte Jäger. „Ich glaube, dass die Zahl der Opfer noch sehr viel höher gewesen wäre, wenn es das beherzte Eingreifen der Polizei nicht gegeben hätte.“

Verzweifelte flohen über Container

Der Veranstalter habe seine Ordner um 15.46 Uhr angewiesen, die Schleusen zu sperren, damit keine Menschen in den überfüllten Tunnel nachströmen. Dies sei aber nicht umgesetzt worden, sagte Wehe. Die Veranstalter hätten zudem Zaunelemente entfernt, um Krankenwagen durchzulassen. Durch die Zaunlücken seien dann Menschen eingeströmt.

Fotostrecke Massenpanik bei Loveparade

Kurz vor 17 hätten die Videokameras auf dem Gelände keine Bilder mehr übertragen. Verzweifelte Hilfesuchende hatten die Kabel durchtrennt, als sie an Containern hochkletterten, wo die Kameras installiert waren.

Zu wenige Ordner

Um 17.02 Uhr habe die Polizei über den Notruf die erste Meldung eines Anrufers erreicht, dass es Opfer auf der Rampe am Ausgang des Tunnels gebe. Da es zwischen Polizei, Veranstaltern und Krisenstab Verbindungskräfte gegeben habe, gehe er davon aus, dass die Verantwortlichen davon ebenso unmittelbar erfahren hätten, sagte Wehe.

Die Ordner hätten nicht ausgereicht. Es sei auch noch unklar, ob der Veranstalter, wie zugesagt, 150 private Kräfte gestellt habe. Sie hätten die Besucher zum Weitergehen auffordern sollen. Dies habe aber nicht funktioniert. Ein Absperrzaun sei umgerissen worden und die Menschen drängten zur Treppe an der Rampe. Dadurch habe sich der Druck enorm erhöht. „Die Zaunelemente wurden zur Stolperfalle.“ In diesem Bereich seien 14 Menschen unmittelbar gestorben. „Im Tunnel kam es zu keinem Todesopfer.“

5300 Polizisten im Einsatz

Die Polizei habe im Vorfeld Sicherheitsbedenken zur Situation am Tunnel und an den Rampen beim Veranstalter vorgetragen, berichtete Wehe. Änderungen am Sicherheitskonzept seien fest zugesagt worden, an entscheidenden Stellen aber nicht erfolgt. 4000 Landespolizisten und 1300 Bundespolizisten waren im Einsatz.

Nach Angaben von Wehe war „die maximale Durchlaufmenge“ im Tunnel mit 30.000 Menschen pro Stunde und Schleuse kalkuliert worden. Dies habe aber nicht gewährleistet werden können - unter anderem, weil die Menschen stehenblieben, um die am Tunnelausgang vorbeifahrende Wagenparade anzusehen. Auch hier hätten die Ordner versagt.

Gelände nur für 250.000 Besucher

Das Gelände war für maximal 250.000 Besucher zugelassen. „Die Veranstaltungsfläche war zu keinem Zeitpunkt auch nur annähernd ausgelastet“, sagte Wehe. Dies gelte aber nicht für die neuralgischen Punkte an Tunnel und Rampe.

Zu Vorwürfen, die Polizei sei auf dem Gelände nicht präsent genug gewesen, sagte Wehe: „Es ist unsere Philosophie, uns zurückzuhalten. Das ist ja keine Auseinandersetzung rivalisierender Gruppen. Die Menschen wollten Spaß haben.“   

Schaller weist Vorwürfe zurück

Loveparade-Chef Rainer Schaller hat auf die Vorwürfe des Innenministeriums zurückhaltend reagiert. Diese müssten nun sehr genau geprüft werden, teilte er der Nachrichtenagentur dpa am Mittwoch mit. Die Darstellung von Innenminister Ralf Jäger (SPD) werfe „viele Fragen auf“.

Inwieweit auch das Verhalten der Polizei die Situation mitverursacht habe, „wird die Staatsanwaltschaft herausfinden“, so Schaller. Diese sei im Besitz des vollständigen Videomaterials der sechs Kameras im Tunnel- und Eingangsbereich. 

Schaller kündigte die Einrichtung eines Hilfsfonds an, um den Angehörigen der Opfer „schnell und unbürokratisch zu helfen“. Derzeit werde ein entsprechender Fonds mit sozialen Einrichtungen organisiert, damit die Angehörigen von den dringendsten finanziellen Folgen entlastet werden könnten, erklärte Schaller.


So kam es laut Polizei zum Unglück bei der Loveparade



Loveparade-Unglück nach Angaben der Duisburger Polizei auf einer größeren Karte anzeigen


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