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Medienhaus Lensing
22.02.2012 06:00 Uhr
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Problem für Kommunen: Zu viel Platz auf den Friedhöfen

DORTMUND/BOCHUM Immer mehr Menschen lassen sich nach ihrem Tod verbrennen und in einer Urne bestatten. Der Landesfachverband Bestattergewerbe in NRW geht davon aus, dass inzwischen rund 60 Prozent der Toten in Urnen bestattet werden. Um die Kosten für die Pflege der Friedhöfe bei sinkenden Einnahmen zu decken, drohen höhere Friedhofsgebühren.von Stephan Teine

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Der Trend geht immer stärker zu Urnenbestattungen. (Foto: dpa)

Das Problem: Ein Urnengrab benötigt nur etwa die Hälfte der Fläche einer Sarggrabstelle. Große Flächen auf dem Friedhof drohen daher, brach zu liegen. Je größer die ungenutzten Flächen auf einem Friedhof werden, desto stärker steigen die Gebühren für die belegten Gräber.

Fünf Bochumer Friedhöfe sollen geschlossen werden

In Bochum sollen 5 von 24 kommunalen Friedhofen komplett geschlossen werden. Zusätzlich sollen nicht mehr benötigte Flächen anderer Friedhöfe langfristig anders genutzt werden. Die hat die Stadt in drei Kategorien eingeteilt: solche, die zwar für die Nutzung als Friedhof ausgebaut, aber nie genutzt wurden. Die Gräber, deren Nutzungsrechte in 10 bis 15 Jahren auslaufen. Und schließlich die Flächen, die noch bis zu 25 Jahre belegt sind. Eine neue Vergabe der Flächen für eine Bestattung soll nicht mehr möglich sein.

„Das kann auch bedeuten, dass in bestehenden Gruften keine neue Bestattung mehr durchgeführt werden darf“, erläutert Gerhard Zielinsky, Leiter des Bochumer Grünflächenamtes. „Würden wir keinen sauberen Schnitt bei den Bestattungen machen und eine Sperre verhängen, würden die Flächen ja nie frei werden“, schildert er.

Niemand müsse sich jedoch Sorgen machen, sein Haus auf einem ehemaligen Friedhof errichten zu müssen. Nur die Flächen, in denen nie ein Mensch beerdigt wurde, könnten als Bauland genutzt werden. Für ehemals genutzten Gräberfelder seien Park- oder Grünanlagen eine Alternative. Zur weiteren Kosteneinsparung wird auf den Friedhöfen etwa auch der Winterdienst eingeschränkt.

Freizeit auf dem Friedhof

In Dortmund geht man einen anderen Weg. Obwohl der Anteil der Urnenbestattungen dort schon bis zu 70 Prozent aller Beisetzungen ausmacht, kommen Friedhofsschließungen nicht infrage. Ein Friedhof müsse für die Angehörigen erreichbar bleiben. „Wir sprechen deswegen auch von Pantoffelfriedhöfen, die gehören einfach in jedes Viertel“, so Sigrid Müller, Betriebsleiterin der kommunalen Friedhöfe in Dortmund.

„Wir haben 1998 angefangen, über die Flächen zu diskutieren“, sagt sie weiter. Vorgehaltene und überflüssige Flächen seien zwischen 2000 und 2002 abgestoßen und vermarktet worden. Die verbliebenen Friedhofsflächen sollen jedoch nicht nur durch Trauernde genutzt werden. „Auf dem Hauptfriedhof sind auch viele Naturbegeisterte oder Erholungssuchende unterwegs“, sagt Müller. Das habe sich in den vergangenen Jahren schon bewährt.

Sport- und Spielverbot gelockert

So wurde das Sport- und Spielverbot gelockert. Es können etwa Jogger oder Walker auch die Wege auf den Friedhöfen nutzen. Immer vorausgesetzt, sie verhalten sich rücksichtsvoll. „Als Schnee lag, haben Kinder die Talwiese auf dem Hauptfriedhof zum Rodeln genutzt“, erzählt Müller. Einerseits werde dadurch deutlich, dass auch ein Friedhof zum Leben dazu gehöre. Andererseits werde so auch das Sicherheitsempfinden auf den sonst oft sehr einsamen Friedhöfen verbessert. „Bisher haben wir nur positive Rückmeldungen“, sagt Müller.

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