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Olympische Winterspiele 2010
Wer gewinnt? - Ein Professor hat die Antwort
Von Gabriele Chwallek, dpa am 9.02.2010 14:45 Uhr
Für Daniel K.N. Johnson haben die Olympischen Spiele praktisch schon stattgefunden. Denn er ist sich bereits heute sicher, wer in Vancouver am meisten absahnen wird: die Kanadier. Für die Deutschen sieht es demnach weniger rosig aus.
Medaillen
Wer gewinnt in Vancouver Gold, Silber und Bronze?

Auf insgesamt 20 Medaillen werden die deutschen Sportler nach Johnsons Erwartungen kommen, ein schnöder siebter Platz nach dem leuchtenden ersten Rang vor vier Jahren in Turin. Nicht, dass Johnson eine besondere Ahnung vom Wintersport hätte oder von dem Leistungsvermögen der einzelnen Teilnehmer. «Ich weiß nichts von den Athleten», bekennt er freimütig. Die Prognose, dass die Kanadier am häufigsten auf dem Treppchen stehen werden, gründet er einzig und allein auf - Statistiken.

Das hört sich nach Bogus an, aber: Es wäre keineswegs das erste Mal, dass der gebürtige Kanadier richtig gelegen hätte. Bei den fünf Olympischen Spielen seit 2000 hat er den Medaillenspiegel erstaunlich akkurat vorausgesagt: Beim Gold lag er im Durchschnitt zu 87 Prozent richtig, bei der Gesamtverteilung sogar zu 94 Prozent. «Das schlägt jedes Wettbüro auf dem Markt», sagt er. «Das schlägt Sports Illustrated, schlägt alle Olympischen Komitees, national und international.» Tatsächlich sind Johnsons Voraussagen überaus gefragt: In den vergangenen Wochen hat er nach eigenen Angaben täglich drei Dutzend Anrufe von Journalisten und anderen Interessierten erhalten.

Johnson ist Wirtschaftsprofessor am Colorado College, ein paar Kilometer entfernt vom olympischen Trainingszentrum des US-Teams in Colorado Springs. 1999 entwickelte er während eines Gastspiels in Harvard mit einem Studenten ein Modell zur Vorausberechnung der Medaillen bei Sommer- und Winterspielen. Dabei berücksichtigt er das Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt, die Bevölkerungszahl, das Klima (die Zahl der Frost-Tage) sowie die politische Struktur der einzelnen Länder und zieht darüber hinaus den Heimvorteil der Gastgebernation ins Kalkül. Das alles zusammen macht Kanada der Johnson-Formel zufolge zum Top-Medaillengewinner 2010 - zum ersten Mal in der Olympia-Geschichte.

Auf 27 Medaillen wird das Gastgeber-Team demnach kommen, fünfmal darunter Gold. Das US-Team wird dem Professor zufolge zwar ebenfalls fünfmal seine Nationalhymne hören, aber mit 26 Medaillen insgesamt auf dem zweiten Platz landen, gefolgt von Norwegen (26/4), Österreich (25/4), Schweden (24/4), Russland (23/8) und Deutschland (20/7). In Turin war die schwarz-rot-goldene Flagge 29 Mal hochgezogen worden, 11 Mal gab es Gold. Johnson hatte für die Deutschen damals richtig die Spitzenreiter-Rolle vorhergesagt. 28 Medaillen, davon zehnmal Gold, ergab seine Formel: fast ein Volltreffer. Insgesamt sagte er in Turin die 14 Nationen mit den meisten Medaillengewinnen akkurat voraus, mit Ausnahme von Südkorea (Nummer 13), das wegen Daten- Unzulänglichkeiten nicht berücksichtigt worden war.

Auch sonst lag der 40-Jährige, dessen Modell Ende 2004 in einem wissenschaftlichen Fachjournal veröffentlicht wurde, allenfalls nur leicht daneben. Bei den Sommerspielen 2008 in Peking etwa kam er auf 103 Medaillen für die USA, davon 33 in Gold. Am Ende waren es 110 inklusive 36 Goldmedaillen. Davor, bei den Athener Spielen 2004, traf Johnson mit 103 Medaillen für das US-Team sogar voll ins Schwarze, bei den Russen lag er mit 94 Medaillen um zwei über dem tatsächlichen Ergebnis. In Sydney (2000) errechnete er für den Gastgeber Australien 54 Medaillen. Das Land kam auf 56.

Dem Heimvorteil misst Johnson bei seinen Berechnungen große Bedeutung bei. Bei den Winterspielen sieht er einen Effekt von drei zusätzlichen Medaillen, eine davon Gold, für das Gastgeberteam. Bei den Sommerspielen, die freilich auch mehr Wettbewerbe bieten, sieht er einen noch viel größeren «Profit»: 25 Medaillen, die es sonst nicht gegeben hätte, gesteht er in seinen Kalkulationen dem jeweiligen Gastgeberland zu. Und was die politischen Strukturen betrifft: «Ein Parteien-Systeme, traditionell kommunistische, schneiden viel besser ab als ihre demokratischen Mitbewerber.»

 
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