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Olympische Winterspiele 2010
Kopfschütteln im Hochsicherheitstrakt Vancouver
Von Cord Heine, dpa am 9.02.2010 19:16 Uhr
Verkehrsbehinderungen, Reisebeschränkungen und eine Milliarden-Dollar-Rechnung: Die Sicherheit der Olympischen Winterspiele kommt die Kanadier teuer zu stehen. Seit dem 29. Januar gelten verschärfte Bestimmungen auf den Straßen, zu Wasser und im Luftraum über dem Olympia-Gebiet.
RCMP
Auch die Royal Canadian Mounted Police hilft, die Sicherheit in Vancouver zu gewährleisten.

Orangefarbene Pfosten und gelbe Sicherheitswesten sind in diesen Tagen die dominierenden Farben im Hochsicherheitstrakt Vancouver. Sie sind untrügliche Anzeichen für Straßensperren, deren Anzahl seit dem 4. Februar täglich wächst. Spätestens hier ist es mit der kanadischen Lockerkeit dann doch vorbei: Viele Vancouverites schütteln ungläubig den Kopf, wenn der gerade erst ausgetüftelte Umweg zur Arbeit am nächsten Morgen schon wieder verbaut ist.

Während sich das Militär und die Marine dezent im Hintergrund halten, sind Polizeikräfte in der Innenstadt omnipräsent. Auf den großen Ein- und Ausfallstraßen sind Extra-Spuren für Busse und Olympia-Fahrzeuge ausgewiesen, damit während der Winterspiele der Verkehr flüssig rollt. Wer in den «Olympic Lanes» parkt, zahlt noch an Ort und Stelle 100 kanadische Dollar (68 Euro) Strafe und muss zusehen, wie sein Auto abgeschleppt wird.

In einem Radius von 55 Kilometern über dem Internationalen Flughafen von Vancouver sowie über dem Olympischen Dorf in Whistler sind noch bis zum 4. März, wenn auch die letzten Athleten der Paralympics abgereist sind, Sonderregeln für den Flugverkehr in Kraft. Reisende müssen Sicherheitsschleusen passieren, selbst wenn sie nur in ein winziges Wasserflugzeug nach Vancouver einsteigen wollen.

Wer per Bus von der der Olympia-Stadt vorgelagerten Insel Vancouver Island anreist, muss plötzlich nicht nur Gepäcklimits wie auf einem großen Flughafen beachten, sondern sich zudem ausweisen können. Verantwortlich für die Sicherheit der Olympischen Winterspiele 2010 ist die «Royal Canadian Mounted Police» (RCMP). Die rotberockten Reiter sind mehr als eine nostalgisch angehauchte Truppe, die nur Dekorationszwecken dient. Die RCMP ist die hochmodern ausgestattete kanadische Bundespolizei. Bereits im Jahr 2003, unmittelbar nachdem Vancouver und Whistler die Winterspiele zugesprochen worden waren, rief sie das «Vancouver 2010 Integrated Security Unit» (V2010 ISU) ins Leben. In der ISU arbeiten bei Olympia das kanadische Militär (4500 Kräfte), die Polizei (7000) und private Sicherheitsdienste (5000) eng zusammen.

Die Sicherheit bei Olympia wird zur größten, jemals in Friedenszeiten in Kanada durchgeführten Operation. Es gilt, tausende Kilometer Küstenlinie in Westkanada sowie den Luftraum über der Olympia-Region zu überwachen. Im Fokus ist zudem die nahe Grenze Kanadas mit den USA. Auch tausende Olympia-Touristen sollen sich sicher und geschützt fühlen. Das Budget nähert sich der Eine- Milliarde-Kanada-Dollar-Schallgrenze (665 Millionen Euro) und liegt damit fast sechsmal höher als die ursprünglich geplanten 175 Millionen Dollar (116 Millionen Euro).

VANOC-Chef John Furlong hat die hohen Sicherheitskosten verteidigt. Bei der Sicherheit dürfe nicht gespart werden, erklärte der Boss des Organisationskomitees in Vancouver. «Aber wir wollen auch, dass alle Besucher eine unvergessliche Zeit haben. Wir wollen ein glückliches Olympia-Theater, das allen Spaß macht», sagte Furlong. Die angekündigten Protestaktionen von Anti-Olympia-Aktivisten am Tag der Eröffnungsfeier und am ersten Wettkampftag bereiten ihm keine schlaflosen Nächte. «Ich habe großes Vertrauen, dass unser Sicherheitsteam alles im Griff hat», meinte Furlong, «und ich hoffe, dass die Demonstranten friedlich demonstrieren und nicht die siebenjährige Arbeit eines riesigen Teams zerstören.» Es sei alles getan worden, möglichst viele Olympia-Gegner von der Vision der Olympia-Macher zu überzeugen.

«Jeder Kanadier soll sich als Teil der Spiele fühlen. Wir haben alles versucht, auch den Respekt unserer Gegner zu gewinnen, aber es wird immer Menschen geben, die gegen alles sind», betonte Furlong. 50 000 Eintrittskarten seien an Menschen verschenkt worden, die sich Tickets nicht leisten können. «Die Olympischen Spiele haben die Kraft, ein ganzes Land zu vereinen. Unser Projekt ist Kanada, ausgerichtet von Vancouver», so Furlong weiter.

VANOC habe versucht, das «Kontrollierbare zu kontrollieren und zwar so früh wie möglich». Die weltweite Finanzkrise habe die Organisatoren zu gewissen Einschnitten gezwungen, aber Besucher und TV-Zuschauer würden davon nichts merken. «Die Qualität der Spiele hat dadurch nicht gelitten» so Furlong, der erstaunt war über das immense Interesse am olympischen Eishockey-Turnier. «Wir bekamen 155 000 Anfragen für 6000 Karten, die in den Verkauf gingen. Wir sind einfach eine Eishockey-Nation, aber eben nicht nur», sagte der VANOC-Chef.

Früherkennung und Vorbeugung sind zentraler Bestandteil des Sicherheitskonzeptes. In der Nähe der neun olympischen Sportanlagen werden die Menschenströme mit Hilfe von 900 Kameras überwacht. 100 ferngesteuerte elektronische Augen blicken zudem auf die sogenannten «Live Sites», die Party- und Feierzonen in Vancouvers Innenstadt, herab.

Die wichtigsten Olympia-Arenen wie etwa das BC Place Stadium sind von Barrieren umgeben. Innerhalb der eingerichteten Sicherheitszonen darf sich niemand unberechtigt aufhalten. Friedliche, legale Proteste gegen die Olympischen Spiele werden nicht nur erwartet, sie sind ausdrücklich erlaubt. In Vancouver werden dazu eigens einige «Free Speech»-Zonen eingerichtet, in denen jeder seine Meinung kundtun darf - solange Protestschilder nicht als Waffen missbraucht werden.

Auch wenn aktuell keine ernstzunehmenden Drohungen Richtung Olympia 2010 bekannt sind, bereitet man sich in Kanada doch auf den Ernstfall vor: einen Terror-Angriff. Ward Elcock, Sicherheitskoordinator für die Spiele, erklärte, es gebe einen Sicherheitsplan für den Fall dieser «schlimmsten denkbaren Bedrohung». Zuletzt war Olympia 1996 in Atlanta Ziel eines Gewaltangriffs. Eine Rohrbombe tötete bei den Sommerspielen vor 14 Jahren in einem Innenstadt-Park der US-Metropole zwei Touristen. Vancouver unternimmt alle Anstrengungen, solch ein Horrorszenario zu verhindern.

 
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