Hinterbliebene sind sauer: Staatsanwaltschaft verteidigt Loveparade-Ermittlungen

DUISBURG Den Hinterbliebenen der Loveparade-Toten ist der Geduldsfaden gerissen. Sie kritisieren die Staatsanwaltschaft wegen der Dauer der Ermittlungen. Die bittet um Verständnis und Geduld.

  • 21 Menschen starben bei dem Loveparade-Unglück 2010. Foto: R. Vennenbernd/Archiv

    21 Menschen starben bei dem Loveparade-Unglück 2010. Foto: R. Vennenbernd/Archiv

Die Duisburger Staatsanwaltschaft hat die Dauer der Loveparade-Ermittlungen gegen Kritik von Hinterbliebenen verteidigt und um Verständnis gebeten. Die Ermittlungen seien weit fortgeschritten, teilte Oberstaatsanwalt Bernhard Englisch am Montag in Duisburg mit. Die Sorge der Hinterbliebenen sei zwar verständlich, inhaltlich aber unbegründet.

Die Behörde reagierte damit auf ein Schreiben von 16 Hinterbliebenen an die Staatsanwaltschaft. Die Hinterbliebenen kritisieren darin die Dauer der Ermittlungen und deren Undurchsichtigkeit. Sie wollen zweieinhalb Jahre nach der Tragödie wissen, warum ihre Kinder sterben mussten.

Komplexität

Allein die Komplexität des Sachverhalts habe einen Abschluss der Ermittlungen bislang nicht zugelassen, so die Staatsanwaltschaft. Ein Team von Staatsanwälten arbeite nach wie vor mit Hochdruck an der strafrechtlichen Aufarbeitung des Geschehens. So seien fast 3500 Zeugen vernommen worden, allein die Hauptakten umfassten rund 30 000 Blatt. Hinzu kämen mehr als 800 Terabyte Daten und 963 Stunden Videomaterial. Ein Gutachten eines Sachverständigen zu den Ursachen des Gedränges sei noch nicht abgeschlossen.
    

Es liege nicht an der Staatsanwaltschaft, dass die Anwälte der Geschädigten noch keine Akteneinsicht erhalten hätten. Die Ermittlungsbehörde habe dies befürwortet, einige Beschuldigte hätten dagegen aber Rechtsmittel eingelegt, über die das Amtsgericht in Duisburg noch nicht entschieden habe.

Damals wurden 21 Menschen getötet

„Wir wissen um die Belastungen, die durch die Dauer der Ermittlungen für nahezu alle Beteiligten entstehen. Aber der Verfahrensabschluss muss rechtsstaatlichen Anforderungen genügen und kritischen Nachfragen standhalten. Dies dient nicht zuletzt dem Interesse der Opfer“, so Englisch. Bei dem Loveparade-Unglück waren vor zweieinhalb Jahren 21 Menschen getötet und Hunderte verletzt worden.

„Die Geschädigten möchten gerne mit dem Geschehen abschließen. Sie wollen wissen, warum ihre Kinder gestorben sind“, hatte bereits Opferanwalt Julius Reiter angemahnt. Dass sich die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Duisburg so in die Länge ziehen, sei die „Katastrophe nach der Katastrophe“.
Inzwischen drohe auch der Tatort durch die geplante Bebauung verändert zu werden, so dass Ortsbegehungen und Rekonstruktionen im Strafprozess ins Leere zu laufen drohten, sagte Reiter am Montag.
Autor
dpa
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    25. Februar 2013, 15:37 Uhr
    Aktualisiert:
    16. Dezember 2013, 12:38 Uhr
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