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Medienhaus Lensing
09.02.2012 10:27 Uhr
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Finale bei «Voice of Germany»

Berlin (dpa) Es wird ein spannendes Finale: Allein von den Stimmen her könnte jeder der vier verbliebenen Teilnehmer am Freitag locker «The Voice of Germany» gewinnen. Doch am Ende entscheidet das Publikum und - ganz im Sinne der Musikbranche - die Downloadzahlen der Singles der Finalisten.Von Andrej Sokolow und Thomas Bremser, dpa

«The Voice of Germany» war mit einem großen Versprechen angetreten: Die ganz andere Casting-Show, bei der nur die Stimme zählt, die Teilnehmer mit Respekt behandelt werden und die Chance bekommen, von einem erfahrenen «Coach» zu lernen.

Jetzt sind aus den Teams von Nena, Rea Garvey, BossHoss und Xavier Naidoo nur noch jeweils die letzten Hoffnungsträger übriggeblieben, und klar wird: Eine Casting-Show kann nur so anders sein, wie es die Gesetze der Musikindustrie erlauben. Auch nach dem «blinden» Aussieben der Kandidaten in den ersten Runden, bei denen die Jury sie nicht sah, könnte jeder der vier sofort auf ein «Bravo»-Poster. Jeder passt in eine Nische der in Zielgruppen denkenden Industrie. Die Website zur Sendung ist mit Werbung zugepflastert. Geschäft ist Geschäft?

Singen können die vier jedenfalls. Als sie in einem dpa-Interview gebeten werden, kurz ihre aktuellen Wettbewerbs-Singles anzustimmen, zaubert Kim Sanders («Team Nena») aus dem Stand heraus eine nahezu perfekte, raumfüllende Vorstellung. Die Wahl-Berlinerin aus dem US-Bundesstaat Indiana ist schließlich ein Profi mit zwei Soloalben und sang schon Ende der 90er Jahre für das Disco-Pop-Projekt Culture Beat, wenn auch nach deren erfolgreichster Zeit mit «Mr. Vain».

Auch die eher schüchtern wirkende Ivy Quainoo und der Rotschopf Michael Schulte entfalten scheinbar mühelos ihre kräftigen Stimmen. «Ich bin kein so großartiger A-Capella-Sänger», grummelt hingegen Max Giesinger, den sein Coach Xavier Naidoo im Halbfinale dem erfahreneren Mic Donet vorzog. Und nein, ist er nicht. Muss er aber auch nicht sein: Der 23-jährige hat eine markante, leicht heisere Stimme und bringt ein Bad-Boy-Image und einen kräftigen badischen Akzent («Der Bürgermeischter hat angerufe.») mit.

Max und Michael scheinen es leichter zu haben als die beiden Finalistinen. Sie albern herum, laden gemeinsame Videos auf YouTube hoch, wie die verwackelte Aufnahme aus einem ICE-Abteil, in der Michael den aktuellen Hit Video Games zu einem gefühlvolleren Lied macht als Lana Del Rey. Wenn einer gewinnt, will der andere bei der Tour im Vorprogramm singen.

Im Finale tritt jeder drei Mal auf: Allein, mit seinem Coach und im Duett mit einem Star. So singt Giesinger mit Katie Melua, in die er sich schon «als kleiner Junge ein bisschen verguckt» habe und Kim mit Chartstürmer Marlon Roudette.

Für den Sieger fängt der richtige Kampf am Freitag aber auf jeden Fall erst an. Denn die bisherigen Casting-Champions sind in Deutschland schnell aus den Charts verschwunden, mit Ausnahme der No Angels vor mehr als zehn Jahren. «Ich denke, wir haben die besten Voraussetzungen, die es jemals bei einer Casting-Show gab, etwas Ordentliches auf die Reihe zu bekommen», sagt jetzt Giesinger. Diese Casting-Show könne man nicht mit anderen in einen Topf werfen.

ProSiebenSat.1 lockte mit «The Voice» immer wieder vier bis fünf Millionen vor allem junge Zuschauer vor die Fernseher - eine anständiger Marktanteil, der allerdings ausgerechnet zum Halbfinale vergangene Woche einbrach, als «The Voice» von der 1000. Sendung von «Wer wird Millionär?» überrollt wurde. Das Versprechen der «ganz anderen Casting-Show» konnte die Sendung vielleicht nicht so recht einlösen: Bei den Live-Shows hatte man manchmal das Gefühl, dass sie auch von einer Konkurrenzsendung hätten sein können, die Sticheleien und das Mitwippen der Jury-Mitglieder wirkten gelegentlich aufgesetzt. Wie dem auch sei: Das Format war so erfolgreich, dass bereits die Kandidaten-Suche für die zweite Auflage läuft.



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