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Medienhaus Lensing
29.03.2009 11:01 Uhr
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Schiller würde heute vermutlich twittern

Marbach (dpa) Würde Schiller heute bloggen? Oder twittern? Der Direktor des Deutschen Literaturarchivs in Schillers Geburtsstadt Marbach, Ulrich Raulff, vermutet, dass der Schiller unserer Tage wohl keine Bücher schreiben würde.

Er wäre auch nicht im Theater zu finden, sondern in dem Medium, «wo er heute die stärkste Power spüren würde. Er würde bloggen oder drehen, twittern oder irgendwas», sagte Raulff in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Der vor 250 Jahren geborene Dichter sei ganz gezielt «als Medienunternehmer in das damals wirkungsvollste und stärkste Medium reingegangen: ins Theater», betonte der Schiller-Experte. «Von der Intensität, wie er dieses Medium erobert und nutzt, könnte man schon sagen, wäre zu erwarten, dass er heute vermutlich nicht Stückchen schreiben würde für Suhrkamps Theaterverlag, sondern nach einer anderen, stärkeren Maschine greifen würde.»

Raulff hält den 1805 gestorbenen Autor des «Wallensteins» für einen nach wie vor «ungemein lebendigen Autor». Seine enorme Bühnenpräsenz halte ihn ganz anders am Leben als Goethe. Mühelos ließen sich Schillers Texte etwa in Comics oder in eine Filmästhetik übertragen. «Er hat keine schlechte Zukunft», sagte Raulff. Für die Medien, die jetzt das Geschäft bestimmten, sei er «zukunftsträchtiger als Goethe».

Schiller habe eine «wahnsinnig starke Sprache» und grandiose Texte; sein Pathos treffe noch immer. «Die Leute lieben Pathos», betonte Raulff. Dies habe zum Beispiel die Amtseinführung von US-Präsident Barack Obama wieder bewiesen. «Das bei Schiller ist kein falsches, klapperndes Pathos, das ist ein Pathos, das aus der Seelenkenntnis kommt und den Zeitgenossen unmittelbar anspricht, anspringt geradezu.» Schiller-Einsteigern empfiehlt Raulff übrigens nicht die «Räuber» oder «Kabale und Liebe», sondern eine gerade mal 40-seitige Erzählung: «Der Verbrecher aus verlorener Ehre».



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