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Moskau (dpa) Großfeuer fressen sich schier unaufhaltsam in Russland durch ausgedörrte Regionen. Ganze Dörfer fallen den Flammen zum Opfer, Krankenhäuser werden Hals über Kopf geräumt. Mindestens 35 Menschen starben bereits bei den Waldbränden oder bei orkanartigen Winden.
Durch Waldbrände und orkanartige Winde sind in Russland mindestens 35 Menschen gestorben.
Dutzende weitere Menschen wurden verletzt. Tausende verloren ihre Wohnungen. «Die Lage ist tatsächlich sehr ernst», sagte Präsident Dmitri Medwedew nach Angaben der Agentur Interfax. Er will nun auch die Armee zum Löschen einsetzen. Im ganzen Land sind Flugzeuge und Hubschrauber im Einsatz. Zugleich mussten die Behörden gegen Plünderungen kämpfen.
Regierungschef Wladimir Putin flog am Freitag in die Region Nischni Nowgorod, etwa 400 Kilometer östlich von Moskau. Dort ist die Lage besonders schlimm. Das Staatsfernsehen zeigte den Ex-Kremlchef inmitten rauchender Ruinen von mehr als 300 Häusern, wie er verzweifelten Bewohnern der Region Mut zusprach. Er kündigte auch eine Soforthilfe von umgerechnet 127 Millionen Euro an. Das Problem: Die meisten Häuser auf dem Land sind aus Holz gebaut. Tausende Menschen verloren ihr gesamtes Hab und Gut.
Allein im Fernen Osten des Landes wüten laut Zivilschutzministerium mehr als 20 Brände auf über 11 000 Hektar Fläche. Kremlchef Medwedew ordnete den Einsatz von mehr als 2000 Soldaten mit schwerer Technik zur Brandbekämpfung an. Präsidentenberater Viktor Ischajew kritisierte die mangelnde Überwachung der Wälder aus der Luft. Auch Putin, der mit Medwedew in ständigen Telefonkontakt stand, rügte die mangelnde Vorbereitung.
In den vergangenen Tagen sei bereits sichtbar gewesen, dass das Feuer sich rasch ausbreite, sagte Ischajew nach Angaben der Agentur Itar-Tass. Geschehen sei aber nichts. Putin kündigte harte Konsequenzen für die Schlampereien bei den Behörden an. Insgesamt waren landesweit 240 000 Feuerwehrleute im Einsatz. Der Zivilschutz setzte Hubschrauber und Flugzeuge sowie Raupen und Züge mit großen Wassertanks gegen die Feuerwalze ein.
In Nischni Nowgorod sowie in der Region Woronesch rund 500 Kilometer südlich von Moskau starben insgesamt mindestens 15 Menschen. Zudem bargen Helfer nahe der Stadt Rjasan südöstlich von Moskau sieben Tote. In einem Dorf nahe Moskau fanden die Rettungskräfte sechs verkohlte Leichen. Unter all den Toten der Feuersbrunst in Russland seien mindestens drei Feuerwehrmänner, hieß es. Viele Menschen erlitten Brandverletzungen und Rauchvergiftungen.
Zudem wurden bei einem schweren Sturm in der Region St. Petersburg sieben Menschen, davon zwei Kinder, von umstürzenden Bäumen erschlagen. Regierungschef Putin versprach, alles für einen schnellen Wiederaufbau der teils völlig zerstörten Dörfer zu tun. Zivilschutzminister Sergej Schoigu sagte, dass allein in der Wolga-Region mehr als 2100 Häuser niederbrannten. Für tausende Menschen, die alles verloren hätten, müssten schnell Behelfsunterkünfte geschaffen werden, sagte Schoigu.
Russland leidet seit mehr als einem Monat unter einer Jahrhunderthitze. In vielen Regionen des Landes, darunter in Moskau und Umgebung, liegen die Temperaturen seit Wochen um 35 Grad, ohne dass es wesentliche Regenfälle gegeben hätte. Hinzu kommen im Umland der Hauptstadt schwere Torfbrände, die seit Tagen die Luft für die mehr als zehn Millionen Einwohner verpesten. Die Feuerwehr macht die extreme Trockenheit für die Ausweitung der Wald- und Torfbrände verantwortlich. Die Dürre hat bereits große Teile der Ernte vernichtet. Die Regierung spricht von Schäden in Milliardenhöhe.
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